04.09.2020

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Das Lügen muss aufhören!

WSW, Aufsichtsrat und Bürgermeister Mucke versuchen, die Ursache des Schwebebahn-Stillstandes auf Kosten der Bürger zu verschleiern.

Pressemitteilung des unabhängigen Kandidaten für die OB-Wahl in Wuppertal, Panagiotis Paschalis, vom 04.09.2020. 

Die Sitzung des Finanz- und Beteiligungsausschusses am Dienstag dieser Woche diente nur einem einzigen Zweck: zu verstecken, warum die Schwebebahn nicht mehr fährt, was das den Bürger kostet und wer dafür verantwortlich ist.

Der technische Hintergrund: Am Dienstag wurden erstmals – eingebettet in die Abfolge der traurigen Pannenserie – detaillierte Fotos des aktuellen Schadens an den Rädern veröffentlicht. Erkundigungen hierzu bei der Aufsichtsbehörde, der Bezirksregierung Düsseldorf, dem Radhersteller, Bochumer Verein, und unabhängigen Maschinenbauingenieuren sind die Grundlage der folgenden Ausführungen.

 

 

Abb. 1: Schadensbild an den Radreifen der GTW14, Quelle WSW, Sitzung des Finanz- und Beteiligungsausschusses am 01.09.2020. Hervorhebungen und Anmerkungen vom Autor Schadensbilder von den Rädern der Schwebahn GTW14

Auf den Fotografien ist deutlich zu erkennen, dass die Räder bei Schräglage der Bahn auf der Kante der Schiene laufen. Hierdurch wird die Schienenkante in das Radprofil eingepresst und ein Wulst in der Mitte des Radprofils aufgeworfen. Das sind bleibende Verformungen, die einhergehen mit Rissbildung, Versprödung und Abplatzungen. Das alles ist hochgefährlich. Bei dem Betrieb der Bahn unter diesen Bedingungen können die Spurkränze jederzeit abreißen und die Bahn entgleisen. Die Ursache hierfür ist konstruktiv bedingt. Am verwendeten Material – heute Stahl der Sorte Excelsior N, früher Excellent – liegt es nicht. Es handelt sich bei diesen Materialien um unlegierte Vergütungsstähle von etwa gleicher Art. Die konstruktiven Fehler aber hätte man vor der Inbetriebnahme verhindern können. Zum einen ist es im Maschinenbau üblich, neue Systeme auf Prüfständen zu testen, die die Belastungen unter realen Bedingungen simulieren. Die WSW aber haben das Gerüst, die neuen Wagen und auch die Kunden als Testumgebung genutzt und damit schwer beschädigt. Schon die Konstruktionszeichnungen des Herstellers zeigen zum anderen bereits im Jahr 2014, dass es im Betrieb zu der Kollision zwischen Rad und Schiene und zwischen Bahn und Gerüst kommt.

 

 

Abb. 2: Vortrag der Hersteller auf der Schienenfahrzeugtagung Graz, 2014, Hervorhebungen und Anmerkungen vom Autor

Kollision im Lichtraum

 

 

Abb. 3: Vortrag der Hersteller auf der Schienenfahrzeugtagung Graz, 2014, Detailausschnitt, Hervorhebungen und Anmerkungen vom Autor

 

 

 

Die betriebswirtschaftlichen Folgen: Hier muss man die aktuell entstehenden Kosten sehen und die langfristigen. Gegenwärtig geht man von sechs bis sieben Millionen Euro für den Ersatzverkehr bis zum nächsten Sommer aus, die Kosten für Reparaturen, Gutachter und Prozessrückstellungen werden nicht beziffert. Schon damit soll der Schaden künstlich klein gerechnet werden. Hinzu kommen Kosten für mehr Personal in der Schwebebahnreparaturwerkstatt und die Anschaffung von einer Radsatzdrehmaschine. Offensichtlich wollen die WSW in ihren Werkstätten die Räder mit einem passendem Profil überdrehen. Dazu hätten sie die Maschine allerdings nicht selber kaufen müssen. Diese Dienstleistung ist in der Region an jeder Ecke verfügbar. Also geht es eher darum, die Öffentlichkeit zu täuschen. Auch die Bestellung der Gutachter dient diesem Zweck: zu suggerieren, es handele sich um ein technisch komplexes Problem und um die Diskussion über Verantwortlichkeiten auf einen unbestimmten Zeitpunkt nach der Kommunalwahl zu verschieben.
Der eigentliche Skandal sind aber die bereits entstandenen Kosten in dreistelliger Millionenhöhe. Denn es wurden ab 1998 das gesamte Schwebebahn-Gerüst und die Bahnhöfe für 650 Mio Euro neu gebaut und neben den 31 Wagen für 122 Mio Euro auch neue Leittechnik angeschafft. Diese Veränderungen hatten zum Ziel, die Taktung der Fahrten zu erhöhen. Davon ist man heute weiter entfernt denn je, da die GTW14 nur noch mit 40kmh fahren dürfen, sonst drohen sie, mit dem Gerüst zu kollidieren. Und schließlich wird der Rückbau der jetzt als fehlerhaft erkannten Konstruktion ebenfalls Investitionen in Millionenhöhe nach sich ziehen.

Die Verantwortlichen: Die Geschäftsführung der WSW und der WSWmobil GmbH, die technische Leitung sowie der Aufsichtsrat kennen die Schäden bereits seit Wochen. Sie haben auch die richtigen Schlüsse gezogen: Schiene und Rad kollidieren, weil man im Vergleich zur Vorgängergeneration eine veränderte Konstruktion nutzt. Aber sie gestehen diese Wahrheit nicht. Stattdessen verursachen sie noch höhere Kosten: es wird ein Gutachten erstellt, das die Geschäftsführung „entlasten“ soll. Ausgerechnet von Ernst&Young, der Beratungsfirma, die in den Wirecard-Skandal verwickelt ist. Und es werden neun weitere Gutachter bestellt, die zur Technik Stellung nehmen sollen. Wohlgemerkt erst nach der Kommunalwahl. Der WSW Aufsichtsrat ist dominiert von SPD-Politikern, Gewerkschaftlern und Betriebsräten. Gleichwohl gehören ihm auch Mitglieder der CDU, der Grünen und der Linken an. Warum stellen diese Personen nicht die richtigen Fragen? Wer ist verantwortlich für die Entscheidung, eine neue Konstruktion auszuprobieren? Wer hat „vergessen“, das neue System prüfen zu lassen? Wer hat die vielen teuren Gutachten bestellt?

Die WSW GmbH gehören zu 99% der Kommune Wuppertal. Oberster Repräsentant der Kommune und Hauptgesellschafter ist der Oberbürgermeister. Er hat kraft seines Amtes die Aufgabe, wirtschaftlichen Schaden für die Kommune zu verhindern. Stattdessen steckt er den Kopf in den Sand und versucht den Anschein zu erwecken, dass er nicht zuständig sei. Er lässt es zu, dass öffentliches Vermögen verschleudert wird. Dieses Geld fehlt überall in Wuppertal: Löcher in Straßen und Bürgersteigen, marode Treppen, baufällige Schulgebäude, fehlende Radwege, fehlende Kita-Plätze – der Standort wird Stück um Stück heruntergewirtschaftet.

Wuppertal leidet unter dieser politischen Seilschaft, die die WSW als Postenbeschaffungsmaschine für unfähige Politiker instrumentalisiert und dabei den Bürger um sein kommunales Vermögen prellt. Es ist an der Zeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Diese wären: Rückkehr zum alten Rad-Schiene-System, Entlassung des verantwortlichen Geschäftsführers und Besetzung des Aufsichtsrates nach Kompetenz. Wir brauchen auch einen Wechsel an der Stadtspitze. Ich verspreche ihnen, mit mir als OB hören diese Zustände auf!

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Kommentare

  1. Wolf sagt:

    Ein sehr informativer und qualitativer Beitrag.
    Danke

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