13.08.2020

(Un)Bekannt! – Unscheinbare Städte die fast jeder kennt

Dieses Jahr feiert die Stadt Wuppertal das 70. Jubiläum des Sprungs der Elefantendame Tuffi aus der Wuppertaler Schwebebahn. Über dieses Ereignis wurde weltweit berichtet und es machte Wuppertal vom einen auf den anderen Tag zu einer der bekanntesten, vorher eigentlich unbekannten Städte.

Doch Wuppertal ist nicht die einzige Stadt, die aufgrund einer bestimmten Geschichte oder eines besonderen Events plötzlich deutschlandweit, oder sogar weltweit, berühmt wurde. Auch der heutige Casino-Hotspot Atlantic City, welcher unzählige Poker-, Roulette- und Blackjack-Fans anlockt, ist eigentlich eine relativ kleine amerikanische Küstenstadt. In Deutschlands Norden befindet sich außerdem die Kleinstadt Wacken, die mittlerweile bei Musikfans auf der ganzen Welt für das spektakuläre Wacken-Festival bekannt ist. Wie genau diese zunächst unscheinbaren Orte ihre Berühmtheit erlangt haben, erklärt der folgende Artikel.

Tuffi – Der springende Elefant, der Wuppertal berühmt machte

Die Wuppertaler Schwebebahn war vor 70 Jahren Schauplatz eines Ereignisses, was weltweit für Schlagzeilen sorgte. ©Pixabay Licence

Die Elefantendame Tuffi ist nicht nur waschechten Wuppertalern als eine Art Maskottchen der Stadt bekannt. Weltweit erlangte die waghalsige Dickhäuterin Berühmtheit, als sie Ende Juli des Jahres 1950 aus der Wuppertaler Schwebebahn sprang. Tuffi landete glücklicherweise im Wasser der Wupper, weswegen sie keine größeren Verletzungen von sich trug. Doch wie konnte es überhaupt zu diesem ungewöhnlichen Ereignis kommen? Der Zirkus Althoff, zu dem Tuffi gehörte, gastierte 1950 in Wuppertal. Die zutrauliche asiatische Elefantendame wurde aus diesem Anlass von ihrem Besitzer der Presse vorgestellt – und zwar in der Wuppertaler Schwebebahn in Richtung Wuppertal-Elberfeld. Da es Tuffi im vollen Bahnwagen jedoch irgendwann zu eng wurde, sah sie keine andere Möglichkeit, als durch die Wand des Wagens zu rennen. Die Wand gab nach und Tuffi befand sich plötzlich direkt im Sturzflug in die Wupper. Zwischen der Schwebebahn und der Wupper lagen ganze zehn Meter, weshalb es ein Glücksfall war, dass der Elefantendame nichts passiert ist und sie mit ein paar Schrammen davon kam. Tuffi konnte deshalb noch ein langes Leben führen und starb erst 39 Jahre später.

Für die Stadt Wuppertal bedeutete Tuffis spektakulärer Sturz eine wahre Sensation. Nicht nur die internationale Berichterstattung war eine der Folgen des Ereignisses, auch für den Wuppertaler Tourismus war Tuffi ein wahrer Glücksfall. Viele Touristen besuchen heute noch die Stelle, an der die Elefantendame damals wagemutig in die Wupper sprang. Dort befindet sich eine Elefanten-Malerei, welche an Tuffis Sprung erinnert. Seit einiger Zeit gilt Tuffi außerdem als Maskottchen des Schwebebahn-Expresses. Von der Wuppertaler Touristeninformationen werden zudem zahlreiche Tuffi-Souvenirs angeboten. Außerdem gab es sogar Milchprodukte, die von den ehemaligen Milchwerken Köln-Wuppertal unter dem Namen „Tuffi“ vertrieben wurden. Mittlerweile gehören die „Tuffi“-Produkte zur Firma Campina. Selbst musikalisch wurde das Ereignis aufgegriffen, so gab es zum Beispiel einen amerikanischen Sänger, der einen Song namens „Elephant Fall in Wuppertal“ aufnahm. Auch 70 Jahre nach ihrem Sturz ist Tuffi weiterhin bekannt. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, wurde zum Beispiel im März 2016 ein im Wuppertaler Zoo geborenes Elefantenkalb nach ihr benannt. Zu ihrem Jubiläum wurde zudem ein MemoEuro-Schein, mit einer Illustrierung von Tuffis Sprung als Motiv angefertigt.

 

Es muss nicht immer Vegas sein – Das Poker-Paradies Atlantic City

Atlantic City ist nicht nur wegen seines Piers beliebt, denn vor allem die Casinos der Stadt ziehen Pokerfans und Touristen an. ©Pixabay Licence

Ein weiteres Beispiel für eigentlich unscheinbare Städte, die aus einem bestimmten Grund bekannt geworden sind, ist die US-amerikanische Stadt Atlantic City im Bundesstaat New Jersey. Vielen Menschen ist die Stadt an der US-Ostküste bekannt, obwohl sie nur rund 40.000 Einwohner hat. Der Grund für die Berühmtheit des Küstenstädtchens kommt jedoch nicht von ungefähr. Nicht nur für den Ballungsraum New York, sondern für die gesamte Ostküste gilt sie als Naherholungs- und Urlaubsort mit vielen Freizeitparks und besonders mit vielen Casinos. Spiele wie Blackjack, Roulette und vor allem Poker, welche heute überwiegend in der Online-Welt ihr Zuhause gefunden haben, finden sich hier seit vielen Jahren. Auch heute noch ist die Stadt für ihre Casinos weltbekannt, bleibt jedoch deutlich hinter dem absoluten Spielerzentrum und Paradies für Pokerspieler, Las Vegas, zurück.

Das erste Casino in Atlantic City wurde im Jahr 1978 eröffnet. Zwei Jahre zuvor stimmten die Einwohner des Bundesstaates New Jersey für eine Legalisierung des Glücksspiels. Mittlerweile gibt es in Atlantic City neun große Casinos, also ungefähr ein Casino pro 4.450 Einwohner. Die Berühmtheit der Stadt bezieht sich nicht nur auf typische Casinospiele wie Poker und Co. Denn Atlantic City ist mittlerweile so bekannt, dass es sogar die US-amerikanische Version des Spieleklassikers Monopoly inspirierte, vor allem dessen Straßennamen sind teilweise an die Straßen der Stadt angelehnt.

Das Städtchen ist jedoch nicht nur für seine Casinos bekannt. Innerhalb der USA ist Atlantic City vielen Amerikanern auch deshalb ein Begriff, weil hier bereits seit 1921 jedes Jahr die Gewinnerin des Schönheitswettbewerbs „Miss America“ gekrönt wird. Hierfür reisen jedes Jahr Bewerberinnen und Fans des Wettbewerbs in die kleine Küstenstadt. In Anlehnung an die „Miss America Pageant“ wird auch eine „Miss’d America Pageant“ von der LGBTQ-Community vor Ort veranstaltet. Hier wird jährlich die schönste Drag Queen gekürt. Auch weitere Events, wie zum Beispiel die „Thunder over the Boardwalk“-Show, locken zahlreiche Besucher nach Atlantic City. Hierbei handelt es sich um eine, von der New Jersey Air National Guard veranstalteten Kunstflugvorführung. Seit 2003 können Tausende Zuschauer die akrobatischen Stunts der besten Flieger der USA bestaunen, und das direkt am Strand.

 

Besonders Kartenspiele wie Poker werden in den Casinos in Atlantic City gerne gespielt. ©Pixabay Licence

 

Wacken – Eine Kleinstadt als Hotspot für Rock-Fans

Wer Rock- und Metalmusik mag, für den ist das Wacken-Festival der Place-to-be. ©Pixabay Licence

 

Das kleine Städtchen Wacken im Bundesland Schleswig-Holstein ist seit einigen Jahren nicht nur begeisterten Rockmusik-Fans ein Begriff. Die Stadt, in der lediglich 2.000 Einwohner leben, erlangte nämlich große Berühmtheit, da sie eines der größten Musikfestivals in Deutschland beherbergt. Bereits seit 1990 treffen sich hier begeisterte Metal- und Rockfans, die ihre Lieblingsbands live sehen möchten. Als das Festival zum ersten Mal veranstaltet wurde, lockte es erst einmal nur um die 800 Besucher an. In den darauffolgenden Jahren stiegen die Besucherzahlen jedoch deutlich an, im Jahr 1997 reisten bereits um die 10.000 Musikfans nach Wacken.

Anfang der 2000er-Jahre erlangte das Wacken-Festival dann endgültig seine weltweite Bekanntheit. 2006 sorgten die hohen Besucherzahlen, welche bei um die 62.000 Personen lagen, dafür, dass die Limits des derzeitigen Geländes erreicht wurden und die Veranstalter Veränderungen vornahmen. Das Festivalgelände wurde vergrößert, zudem konnte man die Tickets nur noch vorab online erwerben, was verhindern sollte, dass spontane Besucher die Grenzen des Geländes unerwartet sprengen würden. Seit 2011 sind es jedes Jahr ganze 75.000 Rock- und Metalfans, die das Festival besuchen. Mittlerweile kommen die Besucher des Festivals aus der ganzen Welt, mehr als 80 Nationalitäten sind bei den Besuchern laut Veranstaltern mittlerweile vorhanden.

Manch einer mag sich die Frage stellen, wieso gerade dieses kleine Städtchen als Veranstaltungsort eines der größten Musikfestivals Deutschlands ausgewählt wurde. Die beiden Freunde Thomas Jensen und Holger Hübner, die beide in Wacken lebten, hatten die Idee für das Wacken Open Air. Die beiden waren selbst begeisterte Musiker, Jensen war als Bassspieler in einer Rockband aktiv und Hübner arbeitete als DJ, mit einem Fokus auf Metal- und Rockmusik. Im Jahr 1989 gingen die beiden zusammen essen und entwickelten einen ersten Plan für das Festival. Mit der Unterstützung von Band- und Familienmitgliedern kam so das erste Wacken-Festival zustande.

Für die Stadt Wacken hat diese neugewonnene Berühmtheit schöne und weniger schöne Seiten. Einerseits beschweren sich manche Bewohner der Kleinstadt über die Menschenmassen, die jedes Jahr in ihrer Heimat feiern. Andererseits engagieren sich die Veranstalter der Festivals sehr dafür, dass das Aufeinandertreffen der Musikfans und der Bewohner Wackens harmonisch abläuft. Aus diesem Grund steuerten sie beispielsweise im Jahr 2008 ganze 1.000.000 Euro zum Bau des örtlichen Freibads bei. Außerdem spielt der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wacken regelmäßig zur Einstimmung auf das Festival im Biergarten auf dem Festivalgelände.

Nachdem das Festival 2020 abgesagt wurde, soll es 2021 mit einem spektakulären Line-Up weitergehen. Viele Metal- und Rockmusikfans fiebern deshalb dem nächsten Jahr bereits ungeduldig entgegen.


        

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