10.06.2020

Cannabis in Deutschland: die Pros und Contras einer Legalisierung

Es ist hinter Alkohol und Zigaretten die beliebteste Droge der Deutschen: Cannabis. Über eine Legalisierung des Rauschmittels wird seit Jahren mehr oder weniger heftig diskutiert.

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Viele Stimmen behaupten, dass der Umgang mit Cannabis in Deutschland nicht mehr zeitgemäß ist. Andere wollen, dass die Droge verboten bleibt und weiterhin nur als Medikament verschreibungspflichtig erhältlich ist. Ein kleiner Teil würde Cannabis am liebsten komplett aus Deutschland verbannen. Alle Lager haben ihre Argumente und Positionen dafür und dagegen. Deshalb haben wir an dieser Stelle einmal die Pros und Contras einer Cannabis-Legalisierung zusammengefasst.

Cannabis, der aktuelle Sachstand in Deutschland

Weltweit gibt es bereits ziemlich viele Länder, in denen der Konsum von Cannabis mittlerweile legal ist. In Deutschland wird zwar ziemlich viel über einen zeitgemäßen Umgang mit der Droge diskutiert, allerdings ist die aktuelle Lage etwas komplizierter. Fest steht: wer in Deutschland legal Cannabis konsumieren möchte, braucht dazu ein Rezept vom Arzt. Dann kann das Betäubungsmittel mit Hilfe von speziellen Geräten geraucht werden, beispielsweise in Form eines Joints, einer Bong oder einer Shisha.

Generell fällt Cannabis jedoch unter den Paragrafen 1 des Betäubungsmittelschutzgesetzes. Demnach sind sowohl der Anbau, als auch der Handel und der Besitz der Droge strafbar. Der Anbau von Nutzhanfpflanzen, deren THC-Gehalt durch die Züchtung deutlich geringer ausfällt, ist jedoch nicht verboten. Der Anbau ist allerdings nur bestimmten Betrieben gestattet. Hierzu ist eine Sondergenehmigung nötig. Privatpersonen oder Gärtnereien dürfen keinen Nutzhanf züchten.

Wird man mit Cannabis erwischt, heißt das allerdings nicht, dass man direkt ins Gefängnis kommt. Jedes Bundesland hat bestimmte Mindestgrenzen, bei der von einer Strafverfolgung abgesehen werden kann. Allerdings ist das immer vom Einzelfall abhängig. Grundsätzlich ist man vor einer Strafverfolgung nur 100 prozentig geschützt, wenn man gar kein Cannabis mit sich führt.

Fortschritte durch medizinische Nutzung

Mittlerweile ist Cannabis als Medikament in Deutschland schon seit drei Jahren auf Rezept erhältlich und das mit Erfolg. Mittlerweile kann man wohl sagen, dass der Wirkstoff THC eine deutliche Linderung für chronische Schmerzen oder den Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung bringt. Das hat für die Patienten eine Steigerung der Lebensqualität zur Folge.

Der Anbau des medizinischen Cannabis wird streng von der Bundesregierung und der dafür eigens eingerichteten Cannabisagentur reguliert. Laut dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig  aus dem Jahr 2016 dürfen Schwerkranke in Ausnahmefällen die Pflanze sogar selbst züchten.

Gründe, die für eine Legalisierung sprechen

Es gibt viele Gründe, die für eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland sprechen:

  • bessere Kontrollierbarkeit: Wird Cannabis legal, kann man die Einfuhr und den Konsum der Droge besser kontrollieren. Zudem könnte durch den Verkauf an offiziellen Stellen die Qualität deutlich zum Positiven hin beeinflusst werden. Der Verkauf wäre nur an Erwachsene legal, zudem könnte die Aufklärungsarbeit durch Pflichtgespräche vor dem Verkauf verbessert werden.
  • Schutz der Verbraucher: Durch die Legalisierung wären die Konsumenten nicht mehr darauf angewiesen, illegale Verkaufsstellen anzulaufen, die möglicherweise eine schlechte Qualität anbieten.
  • Justiz würde entlastet werden: Wird die Droge entkriminalisiert, bedeutet das, dass Verhaftungen und Gerichtsverfahren, die aktuell noch durch den Konsum von Cannabis entstehen, komplett wegfallen.
  • Nicht schädlicher als legale Drogen: Auch wenn viele Menschen Cannabis, im Vergleich zu Tabak und Alkohol, für deutlich gefährlicher halten, ist dem allerdings nicht so. Im Gegensatz zu Alkohol konnte Cannabis bislang noch nicht einmal ein Todesfall nachgewiesen werden.
  • Mehr Geld für die Staatskasse: Die Regierung könnte Steuern auf Cannabis erheben und auf diese Weise sogar mehr Geld erwirtschaften. Experten schätzen, dass man pro Jahr mit etwa 2,4 Milliarden Euro rechnen könne.

Gründe, die gegen eine Legalisierung sprechen

Neben den vielen Argumenten pro Cannabis, gibt es jedoch viele Punkte, die gegen eine Legalisierung des Betäubungsmittels sprechen:

  • Mögliche Gesundheitsrisiken: Bislang sind die Langzeitfolgen des Cannabiskonsums noch eher unerforscht. Bisherige Studien kamen zu dem Ergebnis, dass das Betäubungsmittel möglicherweise das Risiko eines Herzinfarkts erhöhe und die Konzentrationsfähigkeit mindere.
  • Wechselwirkungen mit Krankheiten: Zwar kann das medizinische Marihuana besonders Schmerzpatienten das Leben erträglicher machen. Allerdings steht es zudem im Verdacht Psychosen und die Symptome von Depressionen zu verstärken.
  • Suchtgefahr: Genauso wie bei Alkohol und Zigaretten, besteht bei Cannabis die Gefahr, dass man abhängig werden kann. Zwar ist die körperliche Sucht nach der Droge schnell überwunden. Ein weitaus größeres Problem ist jedoch die psychische Abhängigkeit.
  • Zahl der Abhängigen könnte steigen: Wird Cannabis legal, besteht die Möglichkeit, dass mehr Menschen zu der Droge greifen. Das kann wiederum Einfluss auf viele Lebensbereiche nehmen, wie beispielsweise den Straßenverkehr. Hier könnten mehr Unfälle durch Menschen unter Drogeneinfluss verursacht werden.

Es bleibt definitiv mit Spannung abzuwarten, ob und wann man auf die Legalisierung von Cannabis hoffen darf. Generell sprechen ziemlich viele Argumente für eine baldige Entkriminalisierung des Betäubungsmittels.

Aktuell heißt es allerdings noch, dass man offiziell auf die Droge verzichten muss, außer man hat als Schmerzpatient ein Rezept, dass den Konsum und Besitz erlaubt. Ansonsten ist man auf der sicheren und vor allem straffreien Seite, wenn man komplett auf Cannabis verzichtet. Sollte man Hilfe oder Beratung in Zusammenhang mit Drogen benötigen, hat man die Möglichkeit sich an die bekannten Suchtberatungsstellen zu wenden.

Bild: unsplash.com, © Christina Winter

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