08.04.2020

Gödel Matthias Dohmen

Logiker und Philosoph: Das Tagebuch des Kurt Gödel

Die sehr sorgfältig erarbeitete Edition stellen den „bedeutendsten Logiker der Neuzeit“ (FAS, 5.1.2020) einem breiteren interessierten Publikum vor.

Der in Österreich 1906 geborene Wissenschaftler, der 1978 in Princeton (New Jersey) gestorben ist, gehörte zum Wiener Kreis, zu dessen führenden Vertretern der aus Ronsdorf stammende Philosoph Rudolf Carnap gehörte.

Der Wiener Kreis wird allgemein als eine Gruppe von Philosophen, Natur- und Sozialwissenschaftlern sowie Mathematikern und Logikern verstanden, die dem Logischen Empirismus versus Logischem Positivismus versus Neopositivismus zugerechnet werden. In engem Kontakt zu dem Kreis standen etwa Karl Popper und Ludwig Wittgenstein.

 

Der Wiener Kreis entstand nach dem Ersten Weltkrieg, auch wenn es einen Vorläufer gab, und hatte seine beste Zeit in den 1920er-Jahren. Die Dreißigerjahre hat er dann nicht überlebt, insbesondere nicht den „Anschluss“ 1938. Einer der prominentesten „Wiener“, Carnap befand sich da schon in den USA.

Gödel selbst überlegte eine Zeitlang, in den nationalsozialistischen Dozentenbund einzutreten und hat durchaus Notizen über Konzentrationslager und dort ermordete NS-Gegner gemacht – jedoch nicht in diesem Band, sondern in dem in diesem Jahr zur Erscheinung vorgesehenen Band 2.

Die Herausgeberin Eva-Maria Engelen hat in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ dargelegt, „dass Gödel Max Horkheimers Polemik gegen den Wiener Kreis gekannt und sehr ernst genommen“ habe. Der führende Kopf der Frankfurter Schule legte den Logischen Empiristen zur Last, ihre Philosophie tauge nicht einmal dazu, Verfechtern von Hexenprozessen oder der faschistischen Ideologie etwas entgegenzusetzen.

Der hier besprochene Band enthält Gödels philosophische Notizen, die zwischen Oktober 1934 und Juni 1941 entstanden sind (mit einem Nachtrag vom 1. Mai 1942) samt Vorwort, editorischen Notizen und Einleitung in Deutsch und in Englisch sowie biographische Skizzen, Literaturverzeichnis und Werkregister sowie Personenverzeichnis.

Die Publikation ist, heißt es im Vorwort, „so angelegt, dass sie für ein philosophisch und wissenschaftlich interessiertes Publikum lesbar ist“ (S. 9).

Matthias Dohmen

Kurt Gödel, Philosophie I Maximen 0. Hrsgg. von Eva-Maria Engelen, Berlin/München/Boston: De Gruyter 2019 (= Kurt Gödel, Philosophische Notizbücher, 1), ISBN 978-3-11-058374-8, 241 S., 99,95 Euro, www.degruyter.com.

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