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Vom wachsenden BIP zum nachhaltigen Donut

17.05.2018 16:50

Das von Kate Raworth geschaffene Bild des Donuts wird in der Gemeinwohl-Ökonomie verwendet. Wäre das ein neuer Impuls zur Schaffung einer Bergischen Regionalwährung?

Realer Donut ©Pixabay

Der nächstgelegene Kontakt zur organisierten Gemeinwohl-Ökonomie ist deren Regionalgruppe Düsseldorf und Umgebung, und im Düsseldorfer NIEMANDSLAND ist jeden zweiten Dienstag ein Treffen für Interessierte, das nächste also am 12.06.2018. Aber Wuppertal gehört wohl zu der Regionalgruppe Ennepe, Ruhr, Wupper mit Sitz in Wetter, da die Wuppertaler in Beate Petersen dort Aktivmitglied ist.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine nachhaltige Ökonomie, in der wirtschaftliche Tätigkeit danach bewertet wird, was sie zum Gemeinwohl beiträgt.

Es geht um eine andere Sicht des Wirtschaftens, aber nicht um eine Parallelwirtschaft. Unternehmen wird eine Gemeinwohl-Bilanz angeboten. Zu den bekannten Unternehmen, die das Angebot angenommen haben, zählen die Sparda-Bank, Bioland und taz. Düsseldorfer Partnerfirmen gibt es z.B. in Bonn und Mülheim, für Wuppertaler Unternehmen käme das also auch in Frage. Grundlage der Gemeinwohl-Bilanz ist die Gemeinwohl-Matrix: Sie hat sechs mal fünf Felder mit den Zeilen

Lieferanten, Geldgeber, Mitarbeiter, Kunden – Produkte/Dienstleistungen, gesellschaftliches Umfeld, Negativ-Kriterien;

Die Spaltenköpfe lauten

Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung & Transparenz.

Zu jeder Zeilen/Spalten-Kombination gibt es entsprechende Kriterien. Auch für Gemeinden und Regionen gibt es eine solche Matrix, in der abweichend der vierten und fünften Zeile entsprechen:

Bürger/ortsansäsige Firmen, Gesellschaftliches Umfeld

Näheres ist dem Wikipedia-Artikel „Gemeinwohl-Bilanz“ zu entnehmen.

Gründet wurde die organisierte Gemeinwohl-Ökonomie in Österreich von dem Österreicher Christian Felber. Wie der Internet-Auftritt (Link https://www.ecogood.org/de/) ausweist, arbeitet Felber jetzt eng zusammen mit der Engländerin Kate Raworth, der Autorin des Buches Donut-Ökonomie. Wie es scheint, ergänzen sich die zwei Ansätze gegenseitig, so dass die inhaltlichen Übereinstimmungen, die in der von beiden erarbeiteten Übersicht: Donut-Ökonomie-Gemeinwohl-Ökonomie aufgeführt sind. Das Bild des Donut kommt von zwei konzentrischen Kreisen, die den nachhaltigen Bereich des Wirtschaftens begrenzen. Im Inneren des kleinen Kreises sind die sozialen Forderungen nicht erfüllt, außerhalb des großen Kreises wird die Umwelt überbeansprucht. Insgesamt legt Raworth sieben Punkte nahe, in denen Ökonomen des 21. Jahrhunderts von dem überkommenen Denken abweichen sollten:

Das Ziel ändern.

Das Gesamtbild erfassen.

Die menschliche Natur pflegen und fördern.

Den Umgang mit Systemen lernen.

Auf Verteilungsgerechtigkeit zielen.

Eine regenerative Ausrichtung fördern.

Eine agnostische Haltung zum Wachstum einnehmen.

Da Kate Raworth studierte Ökonomin ist, kann sie als fachliches „Aushängeschild“ der Gemeinwohl-Ökonomie dienen. Gelegentlich braucht man so etwas, wenn die Anerkennung dessen, was man tut, den akademischen Ökonomen nicht in den Kram passt. Christian Felber und die Gemeinwohl-Ökonomie hatten in Österreich sogar die Aufnahme in ein Schulbuch geschafft. Hundert Ökonomen protestierten dagegen, dass er als Wirtschaftstheoretiker in eine Riege mit John Maynard Keynes, Karl Marx, Milton Friedman und Friedrich August von Hayek gestellt werde, und wiesen darauf hin, dass Felber keine akademische Ausbildung habe. Als Beispiel für alternative Ansätze wurde dann Amartya Sen genommen.

Eine andere Art des alternativen Wirtschaftens wurde schon im März 2017am Arrenberg diskutiert und in diesem Frühjahr in einem Arbeitskreis in der Cronenberger Kulturschmiede. In der Kulturschmiede eher im Sinne von Silvio Gesell und Rudolf Steiner, am Arrenberg an jüngeren Initiativen orientiert. Dabei ging es um die etwaige Einrichtung einer Regionalwährung. Wenn wir Kate Raworths Botschaft ernst nehmen, ist damit zu rechnen, dass eine solche Initiative in den Anfängen steckenbleibt, wenn nicht die alten Bilder vom Wirtschaften gründlich getilgt sind. Ihre Donut-Ökonomie ist eine Wirtschaftstheorie für das 21. Jahrhundert, und die Regionalwährung wäre im globalen Zusammenhang zu sehen: Global denken lokal handeln. Keine biedermeierliche Insel der Seligen und kein Traum von einer Wirtschaft, die ohne Organisation funktioniert.

 


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