Eine Kirche im Quartier – Ein Quartier In der Kirche | Ein Nachbericht

Die »Initiative Kreuzkirche« stellte die mögliche Nutzung der Kreuzkirche in der Zukunft vor

Am Freitag, den 18.11.2017 lud die »Initiative Kreuzkirche«, in das Kirchenschiff der Kirche im Quartier ein, um bei Mitbringbuffet über die Zukunft der Kreuzkirche und des umliegenden Wandelgartens zu diskutieren.

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»Eine Kirche mitten im Quartier«

Die heutige Diakoniekirche, früher Kreuzkirche, ist die älteste Kirche in der Elberfelder Nordstadt. Nachdem sie im Jahre 1850 eingeweiht wurde, diente sie rund 155 Jahre dem kirchlichen Dienst, bis sie im Jahre 2006 in die Verantwortung der Diakonie überging. Seit 2010 wird die Kirche von der Wuppertaler Stadtmission belebt. Es findet mehrmals wöchentlich eine Essenausgabe statt, die Kirche bleibt nach wie vor Raum für Hilfe, Rückzug und Geselligkeit. Im umliegenden »Inselgarten« sprüht die Natur, dank der ehrenamtlichen Arbeit von NachbarInnen, vor Leben. Ein Ort zum Wohlfühlen, Hoffen und Lebenlassen.
Nun steht der Fortbestand der Kirche in ihrer bisherigen Funktion auf der Kippe. Da sich die Diakonie die enormen Erhaltungs- und Nebenkosten des Gebäudes nichtmehr leisten möchte, hat sie Mitte des Jahres bekannt gegeben, die Obhut der Kirche abzugeben.

»Wie kann man Raum von Vielen für Viele beleben?« so Dr. Antje Tönnis, Montag Stiftung Urbane Räume

Was geschieht mit einem Raum der historisch solch eine große Bedeutung trägt? Was geschieht mit den Menschen die diesen Ort beleben und in Anspruch nehmen? Wie kann solch ein Ort alternativ am Leben erhalten werden? Wie kann in solch einem alten Gemäuer weiterhin Platz für Kreativität und Geselligkeit geschaffen werden.

Mit all diesen Fragen beschäftigt sich die neu gegründete »Initiative Kreuzkirche«. Ein Arbeitskreis aus QuartiersbewohnerInnen und QuartiersliebhaberInnen, Aktiven und Interessierten. Dazu gehören Friedhild Cudennec, Christine Nordmann, Dr. Eva Parusel, David J. Becher., Michael Felstau, Volker Kreft, Paul-Gerhard Sinn und Andreas von Thienen. Gemeinsam haben sie in den letzten Monaten nach Alternativen für die Nutzung der Kirche gesucht, Probleme aufgezeigt, genetzwerkt, Handlungskonzepte entworfen, eingereicht und am vergangenen Freitag den Interessierten vorgestellt.

»Ein Ort an dem man spürt, dass viel geschah und viel geschehen muss« so David J. Becher.

Rund 50 Interessierte kamen der Einladung nach und versammelten sich zum Start des Wochenendes im ungeheizten Schiff der Kreuzkirche.

David J. Becher, Vereinsvorsitzender des Utopiastadt e.V. und ambitionierter Amateurstadtentwickler, begrüßte alle Interessierten und führte in den Ablauf des Abends ein. Daraufhin stellte sich die Initiative vor und berichtete von ihrer getaner Arbeit und den weiteren Arbeitsschritten, die in naher Zukunft geschehen müssen.

Dabei wurde so einiges klar. Die Kirche ist für viele Menschen ein Ort, den jeder von ihnen auf eine andere Art und Weise wahrnimmt und nutzt. Dadurch entsteht ein vielfältiges Handlungskonzept, das zahlreiche essentielle Themen beinhaltet.

Die Kreuzkirche bleibt Raum für Spiritualität und Glauben. Im Hinblick auf die relativ große Armut im Quartier und umliegenden Flächen hat die Kirche eine soziale Verantwortung. Auch in Zukunft soll es möglich sein, dass Bedürftigen ein warmes Essen serviert werden kann, dass Menschen die Kirche aufsuchen können, um sich auf das Wesentliche besinnen zu können. Ein Raum des Rückzugs.

»Kirche« ist ein wandelbarer Begriff. So sollten auch die Räumlichkeiten genutzt werden. In Zukunft soll es die Möglichkeit geben, Platz für POP-UP Nutzung zu schaffen, und somit ist eine flexible Raumnutzung und eine einhergehende Plug-In Architektur essentiell.

Kirche soll machbar sein. Unter diesem Aspekt verbirgt sich der Miteinbezug der KirchennutzerInnen und Interessierten in die Entwicklung der zukünftigen Nutzung der Kirche. Wie schon bereits seit seinigen Jahren im umliegenden Urban-Gardening Projekt »Inselgarten«, soll es die Möglichkeit geben QuartiersbewohnerInnen praktisch und kreativ in die Gestaltung der Kirche miteinzubeziehen.

Fakt ist, die Kirche bleibt ein vitaler, vor Leben sprudelnder Ort. Doch wie finanziert man solch einen Raum. Mit einem Kirchencafe? Einem silent Co-Working-Space auf der Empore des Kirchenschiffs? Die Kirche als Veranstaltungsort zu etablieren? Ein Hostel in einer Kirche? Kreativität und Umdenken ist hierbei gefragt!

»Kirche ist dynamisches und soziales Miteinander« so Dr. Martin Hamburger, Direktor Diakonie Wuppertal

Da die Kirche nach wie vor gewidmet ist und es in Zukunft auch bleiben soll, muss eine irgendwie geartete religiöse Nutzung stattfinden. Was ist ein Gottesdienst? Müssen wir auch heute noch in den Fängen des historischen Gottesdienstes verharren? Vielleicht kann die Kreuzkirche auch als multireligiöser Schutzraum verankert werden und somit Menschen aller Religionen einen Raum der Andacht bieten. Wie kann Kirche, Kirche sein und gleichzeitig mehr sein als bloß Kirche?

»Kirche bleibt Quartier!«

Nicht wegzudenken ist allemal die Kooperation mit den verschiedenen Vereinen und Initiativen aus dem Mirker Quartier. So fanden bereits Nachbarschaftsfeste, gemeinschaftliche Grillabende, Workshops und sonstige Veranstaltungen, initiiert durch AkteurInnen aus und außerhalb des Quartiers statt.

»Eine Smarte Litfasssäule ist wunderbar, aber das direkte Zugehen auf einen Menschen ist unverzichtbar!« so Jana Ihle, pädagogische Leiterin der alten Feuerwache.

Im Anschluss an den Vortrag, der mit Publikumsfragen und Anregungen endete, wurde die Podiumsdiskussion eingeleitet.

Auf dem Podium nahmen Jana Ihle, pädagogische Leiterin der Alten Feuerwache, Dr. Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt Wuppertal, Dr. Martin Hamburger, Direktor der Diakonie Wuppertal, und Dr. Antje Tönnis, Montag Stiftung Urbane Räume, platz.
Als QuartierssympathisantInnen, Stadtentwickler, Förderer, Politiker und Menschenfreunde vertreten sie alle dieselbe Rolle. Die Kirche nimmt eine essentielle Rolle in der Nachbarschaft um die Kirche und weiterhin im ganzen Quartier ein. Es ist von unfassbarer Wichtigkeit diesen Raum zu erhalten und einem möglichst großen Kreis an Menschen zugänglich zu machen. Dabei ist der Einbezug von Interessierten in die praktische Arbeit unverzichtbar.

»Der nächste Schritt?«

»Von den kreativen Ideen, hin zur Finanzierung.« so Dr. Stefan Kühn, Sozialdezernent Stadt Wuppertal

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurden alle Interessierten gemeinsam zu einer Schüssel Suppe und einen heißen Tee in den beheizten Vorraum der Kirche eingeladen. Bitternötig bei den Temperaturen im Kirchenraum. Man tauschte sich aus, diskutierte über die Zukunft des Ortes an dem man sich befand oder plauderte über die Pläne fürs Wochenende. Ein runder Abschluss einer noch runderen Veranstaltung, der ein nicht allzu runder Weg in der Zukunft bevorsteht!

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