24.05.2017

Wie geht es weiter mit der Diakoniekirche?

Kein sofortiger Verkauf der Diakoniekirche. Die Diakonie sucht das Gespräch mit den Akteuren im Bezirk.

Die Diakoniekirche an der Friedrichstraße.

Nach der Aufsichtsratssitzung der Diakonie am Montag (22.Mai) steht fest: Es wird keinen sofortigen Verkauf der Diakoniekirche an der Friedrichstraße an die afrikanische Gemeinde geben. Die Gemeinde „Jesu Christi auf Erden vertreten durch den Sondergesandten Simon Kimbangu e.V.“ wollte die Kirche gerne als Gottesdienststätte übernehmen. „Zuerst muss aber geklärt werden, ob die afrikanische Gemeinde die Kirche auch langfristig halten kann“, erklärte Diakoniedirektor Dr. Martin Hamburger.

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Bevor über die Zukunft der Diakoniekirche entschieden wird, führt die Diakonie weitere Gespräche mit der kongolesischen Gemeinde. Zugleich will sie aber auch auf die Akteure im Bezirk, wie beispielsweise auf den Verein Utopiastadt, zugehen. Der Verein hatte in der Presse angekündigt, dass er sich dafür einsetzen will, dass die Kirche öffentlicher Ort für das Mirker Quartier bleibt. Da die Diakoniekirche aber kein normales Wohnhaus, sondern eben eine Kirche ist, müssten Umbauarbeiten  mit dem Denkmalamt abgestimmt werden.

„Bei allen Interessenten muss sichergestellt sein, dass sie die Instandhaltung der Kirche auch wirtschaftlich stemmen können“, sagt Diakoniedirektor Martin Hamburger. Grundsätzlich ist für ihn die Wichlinghauser Kirche ein positives Beispiel dafür, wie eine Umgestaltung unter Einbeziehung mehrerer Akteure gelingen kann. „So etwas könnte ich mir auch für die Diakoniekirche gut vorstellen.“

Die Diakonie will nach der Tagung der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Mitte Juni das Gespräch mit den Akteuren im Bezirk suchen. Dabei wird natürlich auch die Stadtmission, die innerhalb des Kirchenkreises in der Diakoniekirche unter anderem einen offenen Mittagstisch anbietet, einbezogen.

Fest steht, dass die Diakonie die frühere Kreuzkirche langfristig nicht halten kann. „Über kurz oder lang muss etwas passieren“, sagt Diakoniedirektor Dr. Martin Hamburger. Die jährlichen Unterhaltskosten von bis zu 30.000 Euro sowie große anstehende Reparaturarbeiten wie etwa die Sanierung des Daches müssen bei der Planung für eine zukünftige Nutzung einbezogen werden.

foto:kirchenkreis
text:ör-nikola dünow

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Kommentare

  1. Tobias Fuchs sagt:

    Es ist schon ein Trauerspiel, dass eine reiche Organisation wie die Kirche (Steuereinnahmen sprudeln wie lange nicht) oder eine kirchennahe Organisation wie die Diakonie nicht in der Lage sein sollen, eine der ältesten Kirchen Wuppertals erhalten zu können. Für eine KiTa-Plakat-Aktion, mit der man die ganze Stadt zugepflastert hat, war jedenfalls Geld da gewesen, aber das nur nebenbei. Etwas merkwürdig finde ich auch die Auffassung des Diakoniedirektors zu hinterfragen ob die kongolesische Gemeinde denn überhaupt in der Lage sei die Kirche erhalten zu können. Sagt einer der offenbar selbst daran gescheitert ist. Das Ganze ist jedenfalls absolut kein Ruhmesblatt für die evangelische Kirche und die Diakonie in Wuppertal. Man sollte sich schämen!

    1. Lukas sagt:

      Ich kann schon nicht mehr zählen, wieviele evangelische Kirchen Wuppertaler Gemeinden in den letzten Jahren aufgeben mussten und wieviele Pfarr- und andere Stellen gestrichen oder Bereiche zusammengelegt worden sind. Auch die Plakataktion der Diakonie macht auf die finanzielle Unterversorgung aufmerksam.

      Woran machen Sie fest, dass die ev. Kirche eine reiche Organisation ist? Und wenn – wo häuft sich dann der ganze Gewinn aus den vergangenen Sparmaßnahmen?

      1. Tobias Fuchs sagt:

        Die Kirchensteuereinnahmen für z. B. 2015 beliefen in Deutschland auf einem Rekordniveau in Höhe von mehr als 11,46 Milliarden Euro. Daraus resultierte für die evgl. Kirche ein Betrag in Höhe von circa 5,36 Milliarden Euro. Welche andere Kirche in der Welt hat ein derartig hohes Einkommen alleine aus der Kirchensteuer zu verzeichnen?! Hinzu gesellen sich Spenden, Erbschaften, Zinsen und Einkünfte aus dem Betongold (z. B. Miets- oder Geschäftshäuser)in mir nicht bekannter Höhe. Selten in der Welt gibt es eine derart übersättigte Kirche. Wohin die Gelder fließen weiß ich natürlich nicht, ich habe keinen Einblick in die Buchhaltung der Kirche, aber ich könnte mir vorstellen, dass z. B. Pfarrer und höhere Kirchenbeamte einfach überbesoldet sind. In anderen Ländern verdienen Geistliche jedenfalls deutlich weniger als in Deutschland, mancherorts gehen sie parallel sogar anderen Berufen nach. Abgesehen davon scheinen die Prioritäten im Landeskirchenamt nicht gerade auf Gemeindeerhalt und Kirchenbau ausgerichtet zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufwand zum Erhalt der Diakoniekirche in Höhe von EUR 30.000,- per Anno für eine Kirche nicht aufzuwenden ist, die allein im Jahr 5,36 Milliarden einfährt. Und wenn die Diakonie wirklich so knapp bei Kasse ist, sollte sie teure Plakat-Aktionen, die in dieser Größenordnung auch schnell im Tausender-Bereich liegen dürften, besser lassen.

        1. Lukas sagt:

          Wenn eine Plakataktion für einige Tausend Euro erfolgreich auf ein strukturbedingtes Millionendefizit aufmerksam macht, hat sie sich doch gelohnt – würde ich sagen.

          Pfarrer verdienen ungefähr so viel wie Lehrer. Nicht schlecht, aber sicher auch nicht überhöht, wenn man Ausbildungsverlauf, Verantwortung und heutiges Arbeitspensum vergleicht. Dass sie in Deutschland besser gestellt sind als anderswo, liegt wohl 1.) am deutschen Kirchensteuersystem und 2.) daran, dass man in fast jedem Beruf in Deutschland mehr verdient als anderswo, aber wohl kaum an den Kirchenschließungen.

          Entscheidungen über Kirchenschließung fallen auch nicht abhängig vom aktuellen Jahressteueraufkommen (das geht mal rauf und mal runter) sondern mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte.

          Vielleicht wirtschaftet die ev. Kirche ja tatsächlich schlecht, in puncto Gemeindeerhalt sehe ich da auch Anzeichen. Aber bevor ich behaupte, es sei eine reiche Organisation, würde ich schon ein paar Fakten mehr einholen. Bloße Mutmaßungen über überbezahlte Kirchenbeamte oder Mieten und Erbschaften in unbekannter Höhe sind da etwas zu wenig.

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