23.02.2016

Bebauung der kleinen Höhe – Stadtentwicklung a la Wuppertal

Polarisierende und kontrovers diskutierte Themen, wie der Bau einer Forensik, offenbaren schnell eine unsolidarische Debattenkultur, in der gerne undifferenziert bzw. nur aus der eigenen Perspektive argumentiert wird. Das Argument "Stadtentwicklung" wird dabei wenig hinterfragt.

Ich finde, wir erleben zur Zeit bei vielen kontrovers diskutierten und polarisierenden Themen eine Form der Debatte in Stadt und Land, die ich als sehr unsolidarisch und undifferenziert empfinde. Das Thema „Forensik auf der kleinen Höhe“ zeigt das sehr gut. Ich habe den Eindruck, dass subjektive Argumente schnell diskreditiert werden, z.B. das Argument auf einem Transparent während einer Demo auf der kleinen Höhe „unsere Sorgen sind real“ wird als „Panikmache“ oder mit dem Begriff „irrational“ abgetan. Das hört sich dann immer so ein bisschen an, als ob die Besorgten nicht den Horizont haben, um die „rationale Wahrheit“ zu verstehen. Subjektive Befindlichkeiten spielen in der deutschen Debattenkultur keine gewichtige Rolle, abgesehen natürlich von den Eigenen. Das macht es Entscheidungsträgern einfach über die Betroffenden hinwegzusehen, da sie sich sicher sein können, dass deren Befindlichkeiten in der öffentlichen Debatte wenig Beachtung, geschweige denn Solidarität bei nicht betroffenden Mitbürgern finden werden.

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Der Aussage auf dem Transparent auf der Demo vor 4 Wochen „unsere Ängste sind real“ ist nicht zu widersprechen, denn Sorgen und Ängste von Betroffenden sind immer real, egal ob sie für Außenstehende belegbar sind oder nicht. Ich glaube, dass es anwohnenden Eltern und Bürgern eher um das mulmige Gefühl geht, welches der angrenzende Bau einer Forensik und 5 Meter hohe Zäune auslösen kann bzw. können, dafür sollte jeder Mitbürger Verständnis haben. Schnell treten diesen Sorgen bzw. diesem Gefühl grundsätzliche Argumentationen entgegen, wie z.B. das der Bau von Forensiken eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist oder das Forensiken nun mal irgendwo hingesetzt werden müssen. Dies wirkt fast wie ein Totschlagargument, denn kaum jemand der eine freiheitlich, demokratische Erziehung genossen hat, wird der grundsätzlichen Notwendigkeit von Forensiken ehrlich widersprechen können. Wenn die Debatte aber nur auf die grundsätzliche Frage „Forensik ja oder nein“ reduziert wird, vermeidet man einen differenzierten Dialog bzw. eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Bialas hat auf der Demonstration vor knapp 4 Wochen auf der Kleinen Höhe leider ausschließlich in diesem Stil argumentiert, obwohl die Menschen auf der kleinen Höhe viele differenzierte Argumente und Fragen hatten, die über das gern zitierte Thema „Ängste und Sorgen“ hinausgehen. Herr Mucke selbst hat im Übrigen dem Thema „Bürgersorgen“ auf Lichtscheid eine große Legitimation zugesprochen, indem er gesagt hat, dass der Bau einer Forensik bei den anwohnenden Lichtscheidern keine Akzeptanz fände. Auf der Internetseite der BI Lichtscheid finde ich vor allem Argumente die sich auf das Thema „Ängste und Sorgen“ beziehen. Ich möchte dies nicht abwerten aber auch hier habe ich Verständnis für Anwohner in Katernberg bzw. auf der Kleine Höhe, wenn die sich fragen, warum ist es den einen zumutbar und den anderen nicht. Die Ministerin selbst bleibt pragmatisch, hört zu, argumentiert mit ihrer juristischen Zwickmühle und stellt diese über die Grundsätze ihrer eigenen Partei.

Fakt ist, die kleine Höhe ist eine wunderschöne, grüne und unerschlossene Fläche, die dem Wuppertaler Norden viel Lebensqualität bietet. Da finde ich es kritisch, dass eine Stadt sich ein Gebiet 40 Jahre lang als „Gewerbegebiet auf Abruf“ zurückhält, welches sich in dieser langen Zeit zu einem wichtigen Rückzugsgebiet diverser geschützter Tierarten entwickelt hat. Das die Stadt Wuppertal dazu einfach sagt, dass das Bebauungsgelände auf der kleinen Höhe ja nur 2 ha einnimmt, finde ich schlicht unfair, denn die Auswirkungen auf die umliegende Natur sind ja viel weitreichender.

Tatsächlich absurd wird für mich die Bebauung der kleinen Höhe, wenn man daran denkt, dass den Katernbergern der Bau einer Nahversorgung bzw. eines Supermarkts, in nächster Nähe zum geplanten Forensikstandort, von der Stadt Wuppertal verwehrt wurde, wegen Naturschutzgründen! Hier bleibt der Eindruck, dass Naturschutz selbst keinen hohen Wert genießt, sondern gedehnt und gebogen wird bis er Entscheidungsträgern passt. Ob Wuppertal in der Außendarstellung attraktiver wird, wenn man den letzten großen Grüngürtel im Wuppertaler Norden auch noch bebaut, halte ich für fraglich.

Bleibt der Argumentionszweig „Stadtentwicklung“ in Lichtscheid. Ob Lichtscheid der geeignete Standort für „hochattraktive Wohnbebauung“ ist, welcher jungen Familien eine hohe Lebensqualität verspricht, ist Geschmackssache. Für mich hört sich das eher danach an, als ob ein einflussreicher Investor Ansprüche bei der Stadt angemeldet hat. Fakt ist aber, dass die Stadt Wuppertal noch überhaupt keine Garantie vom Land hat, das Grundstück auf Lichtscheid für die Wohnbebauung nutzen zu dürfen, selbst wenn die Stadt einen wasserdichten Bebauungsplan für die „kleine Höhe“ erstellen kann. Das heißt also, dass die Stadt die Kleine Höhe in Katernberg opfern möchte, um einen Plan nachzugehen, bei dem sie noch garnicht sagen kann, ob der so überhaupt klappt. Wie und wohin sich Lichtscheid also an der Müngstenerstr. weiterentwickeln soll, ist noch völlig unsicher.

Wenn ich an die Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen denke, in der es unter anderem heißt: Vorrang des Flächenrecyclings, Schonung naturnaher Flächen im Außenbereich, Minimierung von Infrastrukturkosten durch Nutzung bereits vorhandener Erschließung, ist es für mich nur schwer zu glauben, dass die „kleine Höhe“ die am Besten geeignete Fläche von insgesamt 33 geprüften Grundstücken sein soll. Zumindest verstehe ich die Anwohner, die auf diese Frage gerne eine Antwort hätten. Mir als Bürger und Wähler drängt sich hier eher der Eindruck auf, dass die „kleine Höhe“ keine gute Lösung für Stadt und Land ist, sondern schlicht die Einfachste.

Ich bin mir sicher, dass Wuppertal mit einer dritten Strafvollzugsanstalt in der Außendarstellung nicht attraktiver wird. Ich fände es sehr sinnvoll, wenn sich mehr interessierte Wuppertaler für die Argumente beider Bürgerinitiativen interessieren würden. Denn auch ehrliches Interesse an den Meinungen meiner Mitbürger ist eine Form der Solidarität und Unterstützung, die zumindest der Debattenkultur in beiden Städten gut zu Gesicht stehen würde. Die Informationsveranstaltungen in Velbert und Wuppertal waren da zumindest ein guter Anfang.

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Kommentare

  1. P. Neuhaus sagt:

    „Auf der Internetseite der BI Lichtscheid finde ich vor allem Argumente die sich auf das Thema “Ängste und Sorgen” beziehen.“

    Na, das belegen sie mal. Ich habe auf keiner der Veranstaltung so ein unsägliches Transparent wie das von Ihnen an der Kleinen Höhe vertretene gesehen. Das Thema Ängste und Sorgen spielt auch auf der Lichtscheider Seite so keine Rolle, es wird im Gegenteil festgestellt, dass Ängste kein (!) Argument sind.
    Auf der Seite der BI Kleine Höhe heißt es dagegen über die „Elterninitiative“: „Hauptmotiv war und ist die Sorge um die Sicherheit im Umfeld einer Forensik.“ Da muss man wohl nichts hinzufügen.
    An der Kleinen Höhe werden zahlreiche Ängste geschürt: Freigänger im Bus, Gefährdung traumatisierter Kinder, Klimawandel und Temperaturanstieg, Überschwemmung in Neviges, exorbitante Wassergebühren, 22 Millionen Erschließungskosten, „Zerstörung“ der Kleinen Höhe und vieles mehr – alles durch sieben Häuser!
    Und dann noch die Angst, der Plan zur Wohnbebauung an der Müngstener Straße könnte „nicht klappen“. Das haben Pläne so an sich, dass sie auch schief gehen können. Sonst wären es ja keine Pläne, sondern Gewissheiten. Eins ist sicher: Würde die Stadt alle Pläne aufgeben, nur weil sie vielleicht nicht klappen, wäre das der Stillstand.
    Aber vielleicht ist das ja die größte Angst: Es könnte Veränderungen geben, dann doch lieber Stillstand.
    Ehrlich: Ich bin froh wenn Politiker da anders rangehen.

    1. G.Schnabel sagt:

      Wer hat denn seit Jahren die größte Angst vor Veränderungen auf dem landeseigenen Lichtscheider Gelände in Form einer Forensik-Klinik und versucht mit einer ungeheuren Energie und einer Omnipräsenz bei allen diesbezüglichen Veranstaltungen
      und in allen Medien gegen den Bau der Forensik an der Müngstener Straße anzukämpfen?
      Lassen Sie doch erst mal selbst Veränderungen zu,die das Land NRW als Besitzer des Geländes dort gerne hätte,bevor Sie anderen dieses Verhalten vorwerfen.
      Es gibt doch dieses Sprichwort vom Glashaus,in dem man sitzt…..

      1. P. Neuhaus sagt:

        Ich habe nichts gegen Veränderungen. Wuppertal will Wohnbebauung an der Müngstener Straße. Da ist mir die Stadt mit ihren Interessen wichtiger als das Land. Während die Stadt auf das Stadtgebiet angewiesen ist, hat das Land Alternativen. Warum soll also die Stadt zurückstecken? Das gelände gehörte ja auch nicht immer dem Land, sondern wurde ihn zur Nutzung für die Bereitschaftspolizei überlassen. Diese Nutzung läuft aus. Jetzt will die Stadt es wieder anders nutzen. Ich finde es auch schlecht, wenn man dafür eine Gewerbefläche opfern muss, denn die braucht die Stadt auch. Aber vielleicht lässt sich die Kleine Höhe ja auch noch zum Teil weiter im Sinne der Stadt nutzen und muss nicht ganz dem Land überlassen werden.

    2. Marius B. sagt:

      Hallo Herr Neuhaus,

      ich bezog mich auf das frühere Logo auf der Homepage der BI Lichtscheid. Es zeigte eine vierköpfige Familie mit Hund, die an einem Zaun mit einem Loch vorbeigeht. Subtiler gehts ja kaum.:-D Ich hab das Bild auch noch als Screenshot. Mittlerweile hat die BI Lichtscheid von diesem Konzept aber Abstand genommen und die Seite überarbeitet, weil es einfach zu unseriös wirkt und letztendlich auch kein sachliches Argument ist.
      Grundsätzlich finde ich Panikmache immer schlimm, egal von wem sie kommt. Jedes Argument allerdings jetzt den „Angststempel“ aufdrücken zu wollen, ist doch eine genauso dumme Pauschalisierung und zeigt diese unsolidarische, undifferenzierte Debatte, die ich in dem Leserbrief anspreche.

      1. P. Neuhaus sagt:

        Ein Logo? Sie beziehen sich auf ein Logo??? Und dann noch eines, dass es gar nicht mehr gibt???? Das soll eine Aussage wie „Auf der Internetseite der BI Lichtscheid finde ich vor allem Argumente die sich auf das Thema “Ängste und Sorgen” beziehen.“ rechtfertigen? Da fällt mir nur eines ein: Völlig unseriöse Stimmungsmache! – Echt peinlich!

        Demgegenüber steht an der Kleinen Höhe (kleine Auswahl):

        (http://bi.kleinehoehe.de/?page_id=265): „Die Elterninitiative unter der Leitung von Frau Anna Mahlert hatte sich im November 2012 spontan zusammengefunden. Hauptmotiv war und ist die Sorge um die Sicherheit im Umfeld einer Forensik.“

        (http://www.derwesten.de/staedte/velbert/keine-forensik-an-der-stadtgrenze-zu-neviges-id10567767.html) „Ausgesprochen erleichtert zeigt sich Rechtsanwältin Anna Mahlert, die einst die Bürgerinitiative gegen eine geplante Forensik an der Kleinen Höhe unterstützt hat. „Wir sind eine Familie mit kleinen Kindern. Ich weiß, die Ängste sind irrational und entbehren jeglicher sachlicher Grundlage, aber sie sind da. Ich bin jetzt sehr froh.“

        Zusätzlich nutzt die BI an der Kleinen Höhe Begriffe wie „Knaststadt Wuppertal“, eine Homepage mit dem Titel „Gefahr im Tal“. Auf der Menschenkette sind Banner wie „Schützt unsere Kinder, nicht Straftäter“ und „Unsere Ängste sind real“ zu sehen. (s. z.B. Videos auf der Homepage der BI Kleien Höhe)

        Und eben unseriöse Drohungen mit 22 Millionen Euro Erschließungskosten oder steigenden Wassergebühren für alle Wuppertaler.

        1. Marius B. sagt:

          Hallo Herr Neuhaus,

          „unseriöse Stimmungsmache“ beziehe ich immer eher auf Leute, die zu viele Ausrufe- und Fragezeichen in ihren Kommentaren benutzen und in ihrer „Wut“ persönlich werden.;) Das aber nur mal am Rande.
          Wie gesagt, Panikmache ist nie förderlich. Vor allem der Satz „Schützt unsere Kinder und nicht die Straftäter“, welcher tatsächlich auf einem Transparent zu lesen war, finde ich schlimm. Für eine subjektive Sorge von Anwohnern habe ich aber, wie auch in dem Leserbrief bereits gesagt, Verständnis, sowohl für die Menschen in Lichtscheid, als auch auf der kleinen Höhe. Sorgen sind ein Gefühl und für Betroffene immer real. Das Sie diese Sorge auf Lichtschein hier nun krampfhaft versuchen zu leugnen, halt ich schlicht für unglaubwürdig. Das angesprochene Bild war ja nicht irgendein Bild, sondern das Konterfei der Homepage und natürlich hat das eine große und vor allem leider sehr undifferenzierte Aussagekraft. Ich begrüße es aber sehr, dass auf Lichtschein da ein „Umdenken“ stattgefunden hat.
          Für Ihre pauschalen Unterstellungen und Vorwürfe, wie z.B. „Angst vor Veränderung“, „unseriöse Stimmungsmache“, „echt peinlich“, „unseriöse Drohungen“ (wobei ich hier immer noch nicht verstehe, wo da die Drohung ist) bin ich dankbar. Das bestätigt meine Wahrnehmung dieser undifferenzierten und unfair geführten Debatte. Bei dem Argument „Naturschutz“ würde ich mir tatsächlich mehr Solidarität für die kleine Höhe von allen Wuppertalern wünschen. Sie versuchen dieses Argument zu entwerten, indem Sie auch die Sorgen um die Umwelt als Panikmache abstempeln. Gleichzeitig wünschen Sie sich aber eine weitere Bebauung der kleinen Höhe.
          Das Argument „Stadtentwicklung“ und „Projektplanung in Wuppertal“ sehe in dieser Stadt generell kritischIch (siehe z.B. die Eisenbahnbrücke Brändströmstraße oder die Verschleierung der Kosten am Döppersberg). Ich denke, dass sich da zwei grundsätzlich unterschiedliche Standpunkte gegenüberstehen.

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