22.02.2016

Buch der Woche matthias dohmen Reinhard Giebel Vuch der Woche Zwölf Ausflüge

Weichkäse und Propheten. Und Musik

"Zwölf Ausflüge" von Reinhard Giebel sind unser Buch der Woche. Statt einer Rezension dieses Mal ein Gespräch mit dem Autor.

Matthias Dohmen: Laut Verlagsankündigung geht es bei den „Zwölf Ausflügen“ um „Musik, Bücher, Film, Naturschutz, Weichkäse und Artistik“. Das klingt disparat. Wo liegt das Gemeinsame der in dem Bändchen angesprochenen Themen?

Aktuelle Stellenangebote:

Reinhard Giebel: Es ging mir darum, eigene, skurrile, nicht ganz alltägliche Erlebnisse in erfundenen Geschichten zu verarbeiten.

Ich habe jahrelang für Wuppertaler Zeitungen über musikalische Ereignisse und auch andere Themen berichtet; dazu kamen Aufhänger wie die immer noch lesbare, verwitterte, seit Jahrzehnten vorhandene Werbeaufschrift für einen Weichkäse-Hersteller an einer Wuppertaler Hauswand, die Erinnerung an den großartigen Zeichentrickfilm „One Froggy Evening“ von Chuck Jones, ein Auftritt der Trabertruppe als mein Live-Erlebnis oder – angeregt durch ein Gespräch über die Herrenhuter Losungen – die tägliche Verkündung einer wegweisenden Botschaft durch einen selbsternannten Propheten.

giebel_ausfluege

njuuz: Es fällt auf, dass der Erzähler ein Faible hat für aus dem Rahmen fallende Persönlichkeiten und Künstler wie Marcel Duchamp, in dessen „Erratum Musical“ die Musik quasi aus dem Hut gezaubert wird, oder John Cage, dessen nach eigener Anschauung bedeutendstes Werk aus vier Minuten und 33 Sekunden Schweigen besteht …

Giebel: Bei beiden gefällt mir, dass sie sich neue Mittel und Wege ausgedacht haben, die viele Möglichkeiten eröffneten, und dass sie sich außerdem – so weit ich das beurteilen kann – nicht zu ernst genommen haben.

njuuz: Reinhard Giebel kennt man als Verfasser von Texten, vor allem aber als Musiker. Welche Stilrichtung mag er am meisten, und wer hat ihn am stärksten beeinflusst?

Giebel: Ich verdanke dem Jazz sehr viel, meine Stilrichtung ist der Modern Jazz, und meine Vorbilder und stärksten Einflüsse sind die Pianisten George Shearing, Russ Freeman, Bill Evans und der kürzlich verstorbene Paul Bley.

njuuz: Wir schreiben noch Mitte Februar, da muss es erlaubt sein zu fragen: Was ist für den Verfasser der „Zwölf Ausflüge“ der größte Wunsch für dieses Jahr?

Giebel: Mein größter Wunsch für dieses Jahr ist es, dass sich die Aufgeregtheiten in der Weltpolitik beruhigen mögen.

 

Reinhard Giebel, Zwölf Ausflüge, Wuppertal: Nordpark 2013, ISBN 978-3-935421-87-4, 55 S., Euro 6,50.

Anmelden

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.