01.11.2015

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Ambulant Betreutes Wohnen: „Ich wollte immer meine eigene Wohnung haben“

Trotz geistiger Behinderung lebt Jörg Lemmer inzwischen selbständig in seinen eigenen vier Wänden. Unterstützt wurde er von dem Lebenshilfe-Projekt „Ambulant Betreutes Wohnen“, das vor 10 Jahren startete. Eine Erfolgsgeschichte.

„Ich wollte immer meine eigene Wohnung haben“, sagt Jörg Lemmer und lacht stolz. Denn der 46-jährige führt inzwischen ein Leben, wie jeder andere auch – ohne intensive Betreuung, außerhalb der Wohnstätten für Menschen mit geistiger Behinderung. Geholfen hat ihm dabei das Projekt „Ambulant Betreutes Wohnen“, kurz BeWo, dessen erster Teilnehmer er vor zehn Jahren bei der Lebenshilfe Wuppertal war. Ambulant Betreutes Wohnen, das heißt: Teilnehmer leben eigenständig in ihrer Wohnung, werden jedoch bei Problemen, zum Beispiel Geldsorgen, Haushaltsplanung oder Krankheit je nach Bedarf bis zu mehreren Stunden pro Woche von einem Betreuer der Lebenshilfe unterstützt.

Jörg Lemmer von der Lebenshilfe Wuppertal lebt in seinen eigenen vier Wänden.Jörg Lemmer von der Lebenshilfe Wuppertal lebt ohne intensive Betreuung in seinen eigenen vier Wänden. ©Marcus Müller / Lebenshilfe Wuppertal

„Den Menschen wird so viel Selbständigkeit wie möglich eingeräumt“, sagt BeWo-Leiter Christian Schneider. Da vor zehn Jahren immer häufiger der Wunsch da war, selbstbestimmt leben zu können, wurde BeWo bei der Lebenshilfe Wuppertal eingeführt – ein Erfolgsmodell, das zunehmend nachgefragt wird. Startete man im Jahre 2005 mit zunächst einem Klienten, sind es heute bereits 54, die den Sprung in ein selbständiges Leben geschafft haben. Die Integration funktioniert: 13 Vollzeitkräfte und ein Halbtagsbeschäftigter arbeiten bei der BeWo der Lebenshilfe. Neben der Unterstützung im Alltag werden Freizeitangebote wie etwa Kochgruppen, Trommel- oder Theaterkurs und der „Luisentreff“, eine Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung in der Luisenstraße in Elberfeld, angeboten.

„Wir wollen nicht, dass jemand vereinsamt“, sagt Stefanie Brockermann, Teamleiterin und Bezugsbetreuerin. So führen die Menschen trotz geistiger Behinderung ein ganz normales Leben mit einer festen Arbeit in den Werkstätten der Lebenshilfe (es sei denn, sie sind bereits Rentner) und ihren eigenen vier Wänden. „Es gibt auch Paare, die zusammengezogen sind und eine WG“, so Schneider. Jörg Lemmer hat den Schritt in die Selbständigkeit nicht bereut, auch wenn der Weg nicht immer einfach war. Trotz der Diagnose Epilepsie und später Diabetes schaffte er es, sein eigenes Leben zu führen.

Joachim Knobe, sein BeWo-Betreuer, unterstützte ihn, ging mit ihm zum Arzt, half ihm, seine Essgewohnheiten umzustellen, erklärte, wann er welche Medikamente einnehmen müsse. „Es klappt super“, sagt Knobe. Lemmer genießt sein Leben und hat viele Freunde gefunden. In Cronenberg ist er bekannt. Wenn er durch den Stadtteil geht, nimmt er sich Zeit. Denn er begrüßt gerne die Cronenberger und plaudert ein paar Minuten mit ihnen. (al)

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