05.09.2015

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Watt iss ab – Wuppertal verstrahlt?

Das Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal möchte in 850 städtischen Gebäuden funkende Router (WLAN) aufstellen. Doch was ist mit den Themen Strahlung, Ressourcenverbrauch und Kosten?

CDU, Grüne, SPD und viele andere finden die Aufstellung von WLAN Routern in öffentlichen Gebäuden toll. Das Gebäudemanagement der Stadt argumentiert folgendermaßen: „Die Stadt gewinne so, heißt es in der Begründung für den Vorschlag, deutlich an Attraktivität – natürlich besonders für Touristen und auswärtige Besucher, aber auch für Wuppertaler, die sich mobil informieren möchten.“

Wer zahlt die Stromkosten über die Jahre?

Die Stromkosten der Router übersteigen über die Jahre die Anschaffungskosten für die Router. Selbst wenn diese also gestiftet werden – die Stadt Wuppertal bleibt auf den Stromkosten sitzen. Wenn ein Router z.B. 20 Euro im Jahr an Stromkosten produziert, bedeutet das für die 850 Router 17.000 Euro pro Jahr an Stromkosten. Werden die Router mit dem niedrigsten Stromverbrauch und der niedrigsten Strahlung genommen? Die Stadt spricht von 850 Gebäuden, was letztendlich noch mehr Geräte bedeuten würde um die gesamten Gebäude zu bestrahlen. Andere Akteure reden von 800 oder 850 Geräten.

Zeit und Ressourcen für das geplante Netz – hat das Gebäudemanagement Leerlauf?

Offensichtlich ja, sonst hätte dieses Projekt keine Chance angesichts der langen Aufgabenliste, die hoffentlich nach Prioritäten sortiert ist. Eine wichtige Aufgabe ist es z.B. die Strom-, Gas- und Wasserverbräuche der gesamten städt. Gebäude der letzten Jahre an einer zentralen Stelle zu publizieren und nach Einsparungen und auffälligen Veränderungen zu suchen.

Wie hoch ist der Zeitaufwand zum Start und über die Jahre bei den städtischen Bediensteten für die Aufstellung, Kontrolle und Wartung der Geräte und Standorte? Die Grünen behaupten „Die Stadt müsste nur für die – sehr geringe – Fläche und die Stromversorgung für die Router sorgen.“ Das ist sehr blauäugig. Es sind u.a. Versicherungs-Fragen zu klären, wem gehören die Geräte, wer haftet bei elektrischen Defekten. Wenn die große Zahl der Geräte in das Eigentum der Stadt übergehen, dann erhöhen sich u.a. die Aufwendungen für die Versicherungen. Die physikalischen Zugänge für die Pflege und Wartung müssen geklärt und verwaltet werden.

Unter der Annahme, dass für die Aufstellung eines Routers (Ortsauswahl, Begehung, Kontrolle, Dokumentation, Versicherung, …) eine Stunde benötigt wird kommen alleine zum Start 850 Stunden zusammen, das sind schon mehr als 100 Arbeitstage, mehr als eine halbe Stelle  und dann gibt es noch den folgenden jährlichen Aufwand.

Dringender realer Bedarf?

Viele Internetnutzer haben heutzutage oft Flatrates mit bestehenden Verträgen. Wie hoch ist der eigentliche Bedarf für zusätzliche Netze? Nebenbei bemerkt – die jetzigen Nutzerzahlen der vorhandenen Freifunk-WLAN-Knoten ist lt.  einer Übersicht von Freifunk-Wuppertal erstaunlich gering, oft im einstelligen Bereich. An Orten wie die Bergische Universität funktioniert der WLAN Zugang heute schon, Gastronomen bekommen das auch alleine hin. Um es mal vorsichtig auszudrücken – zusätzliche WLAN-Netze werden nicht zwingend zu mehr sinnvollen Anwendungen führen, lediglich das zu übertragende Datenvolumen wird erhöht, belastest die bestehenden Netze und führt dort zu Veränderungen.

Elektrosmog – wie gefährlich ist die fortlaufende Erhöhung der Strahlung?

Öffentliche Ämter empfehlen die Verringerung/Vermeidung von Strahlung zum Beispiel an Orten wie Schulen und Kindergärten. Nun geht es aber darum Wuppertal möglichst umfassend Tag und Nacht zu bestrahlen, damit in letzter Konsequenz überall zu jeder Zeit das Netz erreichbar ist. Eine Reduzierung der Sendeleistung entfällt und Nachbarn werden immer mehr unsichtbar zwangsbestrahlt.  Die dauerhafte Strahlenbelastung für die Angestellten in den öffentlichen Gebäuden erhöht sich, somit sind die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit zu klären.

Die Mobilfunkfirmen bauen ihr Netz weiter aus, so kündigte vor kurzem ein Provider ebenfalls kostenfreies WLAN in Wuppertal an. Das Gebäudemanagement schreibt “ Interesse am Betrieb des kostenlosen WLAN in Wuppertal haben die Freifunker und Unitymedia angemeldet.“ Bei „Freifunk Wuppertal“ können Sie lesen „Auch die Schulgebäude sind für die Freifunker vom großen Interesse, da sie darüber direkt junge, Technik affine Menschen Freifunk erreichen können, die bestimmt Spaß am Freifunk entdecken werden.“

Für den normalen Unterricht ist die Ablenkung der SchülerInnen durch Smartphones nicht hilfreich. Doch es geht noch naiver. Freifunk Wuppertal: „Da Freifunk ein freies und offenes Netz ist, sind die Eltern und Lehrer in der Pflicht die Kinder Medienkompetenz zu lehren. Notfalls können die Kinder nicht unbeaufsichtigt ein netzwerkfähiges Gerät benutzen.“.

Sicherheit und Auswirkungen auf die Netze der Stadt Wuppertal

Die Auswirkungen auf die bestehende Infrastruktur der Stadt Wuppertal muss beachtet werden.  Das Risiko von Netzwerkattacken auf die bestehenden städt. WLAN-Netze  kann sich erhöhen – erst Recht, wenn man physikalisch an die WLAN-Router kommt. So gibt es Router, wo man über das Telnet Protokoll sogar ohne Passwort Zugang bekommen kann. Dafür muss ich bei vielen Routern im Normalbetrieb nur eine spezielle Taste längere Zeit drücken. Freifunk unterstützt die Anonymität der Nutzer – für Hacker ein willkommenes Netz, Cyberkriminalität wird erleichtert.

Freifunk –umsonst und ohne Provider?

Irgendeiner muss für die Infrastruktur und die Netznutzung bezahlen. Es wird nur eine Schicht dazwischen geschoben und bei einer entsprechenden Zunahme an sogenannten Freifunk-Knoten werden die Anbieter von Internet Dienstleistungen reagieren und die Tarife und Kosten anpassen müssen. Die wachsenden WLAN-Nutzungen werden einen zunehmenden Einfluss auf die bestehenden Netze , Kosten und deren Qualitäten haben.

Immer wieder falsche Prioritäten – was ist mit den Schulden?

Dieser Artikel ist keine Positionierung für oder gegen das WLAN-Projekt. Es sind aber erst einmal die Grundsatzfragen zu klären. Bis dahin müssen sich die Wuppertaler Parteien und die Verwaltung um die wichtigen Themen und Pflichtaufgaben kümmern.

Oberste Priorität muss die drastische Reduzierung der Schulden (Kassenkredite, Investitionskredite) haben. Es wird höchste Zeit die gesamten geplanten Projekte in Wuppertal mit einer Priorität unter dem Aspekt der Schuldenfrage zu versehen.

Bis wann wird Wuppertal seine immensen Schulden halbieren? Verdoppelt wurde in 10 Jahren.

Die große Kooperation aus CDU und SPD ist seit langem für die fortlaufende Verschuldung in Wuppertal verantwortlich. Im Zeitraum der großen Kooperation wurde von 2004 bis 2014 die Verschuldung von 1103,3 Millionen Euro auf 2076,9 Millionen Euro fast verdoppelt!

Obwohl das seit Jahren allgemein niedrige Zinsniveau den Wuppertaler Haushalt entlastet ist trotzdem eine deutliche Reduzierung der Schulden nicht in Sicht – das ist dramatisch.

Frei? Mit dem geplanten sogenannten „Freifunk“ werden auf jeden Fall Mehrausgaben für freiwillige Leistungen erzeugt.

Schuldenentwicklung WuppertalSchuldenentwicklung Wuppertal ©Stadt Wuppertal, Clemens Hölter

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Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Hölter,

    ich möchte Ihnen kurz meine persönliche Meinung dazu schildern.

    Wenn sie nur 10% der Mühe, die sie in diesen Artikel gesteckt haben, in einen oder zwei Anrufe gesteckt hätten, würden Sie uns und Ihnen einen Menge Zeit sparen. Wenn Sie in der glücklichen Lage sind, Zeit totschlagen zu müssen, bringe ich Ihnen gerne bei, wie man Freifunk-Router installiert. Einen PC können sie ja scheinbar bedienen und wir sind leider nur eine Hand voll Leute, die diesen „ÖPNV für Daten“ namens Freifunk seit Jahren ehrenamtlich und meist aus eigener Tasche aufbauen.

    Den Bezug zum Städtischen Haushalt kann man ganz einfach definieren und da liegen sie ebenfals falsch: wer in seiner Stadt keine konkurrenzfähige Lebensqualität schafft und den engagierten Menschen Kooperationen verwehrt, verliert Einwohner (-> Steuerzahler) bei steigenden Infrastrukturkosten. Wenn Ihre Theorie eine andere ist, dann ist das vielleicht einen Austausch wert, aber sicherlich keine „Artikel“.

    1. Als Antwort zitiere ich zu dem Beschluss vom 7.09.2015 im Rat der Stadt Wuppertal ( https://www.wuppertal.de/rathaus/onlinedienste/ris//getfile.php?id=183558&type=do )

      Wie viele Router werden hinterher an einem Standort stehen?
      „Neben dem bereits am Standort Wuppertal aktiven gemeinnützigen Verein der Freifunker ist
      auch eine Kooperation mit kommerziellen Anbietern wie Telekom, Unitymedia oder 1&1
      grundsätzlich denkbar.“ Zu Unitymedia widmet die Vorlage einen eigenen Absatz.

      Strahlenbelastung mit Altersgrenze?
      „Bei Schulgebäuden und Kindergärten ist die Situation der Beeinträchtigung von Strahlenbelastungen vor einer Nutzung zu klären.“ Explizit geht man auch auf kommerzielle Firmen ein: „…Dabei werden in ihren Shops öffentliche WifiSpots aktiviert. Zudem schaltet Unitymedia leistungsstarke WLAN-Antennen hinzu, die zu WifiSpots aufgerüstet wurden.“

      Sachhaftung nur wenn ein Zugriff auf städt. Interverbindungen „erprobt“ wird?
      Für den Fall, dass in Einzelfällen ein Zugriff auf städtische Internetverbindungen erprobt
      werden soll, besteht Klärungsbedarf zu folgenden Themen: – Störerhaftung, – Sachhaftung durch Schäden verursacht von dem Router (z. B. Brand), – Drittverwertungsrecht des Internetzugangs.

      Kosten und Finanzierung – was sind „unmittelbare Kosten“?
      „Für die Stadt Wuppertal fallen keine unmittelbaren Kosten an. Das Gebäudemanagement
      (GMW) erklärt sich bereit, den Stromverbrauch der Router und eine Nutzungsgebühr nicht
      gesondert zu berechnen, da der hiermit verbundene Verwaltungsaufwand höher als der zu
      erzielende Betrag ist.“ Die beiden Sätze widersprechen sich fundamental.

      Es fallen direkt Kosten an, sobald die Stecker eingesteckt werden und auch schon davor für die „positive Begleitung der notwendigen Prozesse.“ Dazu passt irgendwie gar nicht der Kommentar „Zweitens, das GMW gestattet diesem Verein Router aufzustellen, hat aber nix mit der Wartung, Pflege oder sonst was zu tun.“

      Auch angesichts der Tatsache, dass kommerzielle Firmen ebenfalls zusätzlich WLAN Netze in Wuppertal weiter ausbauen, bleibt dieses Projekt mit seinen Ausgaben für freiwillige Leistungen in der Form bedenklich. Und die kommerziellen Firmen müssen noch nicht einmal die Stromkosten bei der Aufstellung in den öffentlichen Gebäuden zahlen. Sehr interessant unter dem Aspekt der Verschuldung.

      Am 7.09.2015 hat der Rat der Stadt Wuppertal die Förderung des öffentlichen WLANs in Wuppertal in diesem Sinne beschlossen. Einstimmig.

  2. Flunkert sagt:

    Ich weiß ja nicht wer diesen Unsinn geschrieben hat, aber so viel Text und soviel falsch … das ist schon Rekord. Hier stimmt nix!
    Erstens nicht das Gmw oder die Stadt will Router aufstellen, sondern ein Verein
    Zweitens, das GMW gestattet diesem Verein Router aufzustellen, hat aber nix mit der Wartung, Pflege oder sonstwas zu tun.
    Drittens ist die Strahlenbelastung dieser Router deutlich geringer als bei jedem Handy uns somit wird im Mittel die Belastung gesenkt, könnte man wissen wenn Physik als Fach in der Schule von Interesse gewesen wäre.
    Jetzt hab ich keine Lust mehr ….

    1. Sehr geehrter Herr Dr. Flunkert,

      als Betriebsleiter des Gebäudemanagement Wuppertal müssen Sie es wissen, dass Ihre absolute Aussage „Hier stimmt nix!“ nicht korrekt ist.

      Der Artikel stellt die Frage nach den realen Kosten und Bindung von Ressourcen mit Blick auf die ungewöhnlich hohe Verschuldung der Stadt Wuppertal, deswegen vorweg zwei wichtige Fragen an Sie gestellt:

      Da keine Einnahmen entstehen und neue Ausgaben erzeugt werden: Wie hoch sind die gesamten Sach- und Personalkosten für dieses Projekt auf der Seite der Stadt Wuppertal zur Umsetzung der ersten 850 Standorte und wie hoch sind die Folgekosten?

      Zeiten, die für dieses Projekt verwendet wurden und werden, stehen nicht für andere Projekte zur Verfügung, sind nicht umsonst und müssen eingeplant werden: Wie hoch wird die Summe der Zeitaufwände aller beteiligten Personen der Stadt Wuppertal sein für alle Standorte?

      Ein paar Hinweise zu den drei Punkten, die Sie sich raus gegriffen haben:

      1) Zugegeben der erste Satz des Artikels hätte besser geendet mit „aufstellen lassen“ statt nur „aufstellen“. Die Formulierung der Pressemitteilung lautet übrigens „Das Gebäudemanagement der Stadt (GMW) macht´s möglich: In Wuppertal gibt es, wenn die politischen Gremien zustimmen, demnächst öffentlichen und freien Zugang zum WLAN. Das GMW wird dazu Zugänge in rund 850 städtischen Gebäuden kostenlos zur Verfügung stellen.“ Ich wusste ja nicht, dass GMW bei dem Aufstellen der Router auf keinen Fall dabei sein wird. Nicht nur ein Verein wird zukünftig Router aufstellen, sondern ggfs. auch kommerzielle Firmen. Bewusst verzichtet das Gebäudemanagement darauf, dafür Miete zu nehmen oder die Stromkosten einzutreiben.

      2) Ihre Behauptung „hat aber nix mit der Wartung, Pflege oder sonst was zu tun.“ kann nicht stimmen. Natürlich müssen Sie sich um die Standorte mit verschiedensten Aufwendungen kümmern. Wartung und Pflege bezieht sich auch auf die Standorte. Was passiert bei einem elektrischen Defekt wer garantiert für die elektrische Sicherheit, wer nimmt das ab? Schließlich ist die sogenannte Mietfläche nicht komplett abgeschlossen oder wie muss man sich das vorstellen? Unabhängig von der Besitzfrage bei den Routern, im möglichen Schadensfall dürfte derjenige haften, dem ein Verschulden nachgewiesen werden kann.

      3) Physik – ja auch das ist nicht so einfach. Die Zu- oder mögliche Abnahme der Strahlenbelastung über den Tag verteilt hängt von vielen Faktoren ab, ohne Anspruch auf Vollständigkeit nur ein paar Punkte: Ausgewählte Geräte, Aufstellungsort, Störungen, Anzahl Geräte, Standort der Nutzer, Übertragungsvolumen, … und wirklich nicht zu vergessen die reale spätere Nutzung. Erst einmal werden zusätzliche Geräte aufgestellt, d.h. die Strahlung nimmt zu. Sie behaupten, dass die Strahlenbelastung im Mittel abnimmt – interessant, bei welchen Modellannahmen? Dafür müssen Sie jetzige Messwerte für den späteren Vergleich erheben und das ist gar nicht so einfach.

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