29.05.2015

Oberbarmen Quartiersentwicklung Wichlinghausen

Mit Bob in die Zukunft

In Oberbarmen entwickeln sich die Hallen des ehemaligen August Bünger Bob-Textilwerks zum Spot für Kreativität und Freigeist.

IMG_3870„Capama. Die bewährten Zelluloid-Senkel-Spitzen liefern nur Vereinigte Schnürriemen-Werke.“ Die Vereinigten Schnürriemen-Werke sind Geschichte, ebenso wie der Slogan aus den 40er-Jahren. Er preist die Produkte jener Firma an, die 2012 als August Bünger Bob-Textilwerk GmbH & Co. KG in die Insolvenz gegangen ist. Seitdem steht der riesige Gebäudekomplex zwischen Nordbahntrasse und Carl-Duisberg-Gymnasium leer. Der Zahn der Zeit hat schon angefangen, an Sheddächern, Fabrikhallen, Bürogebäuden und Gründerzeithäusern zu nagen. Fenster sind von Ranken überwuchert, Tauben nisten unter Giebeln.

Beim Gang durch die Hallen des alten Bob-Textilwerkes wird schnell klar: Der Ort hat Potential. So sehen das auch Gian Issel, Jan Breskott, Johannes Berg, Niklas Dürhager und Mitja Sauerland. Gemeinsam mit Start-ups und Vereinen wollen sie hier aktiv werden. Ein Teil der Gemeinschaft war eigentlich auf der Suche nach Büroräumen, ein Teil hat nach einem Ort für ein Festival gesucht. Über die „Soziale Stadt“ hat die Gruppe Kontakt zum Eigentümer Achim Bünger bekommen.

„Dieser Riesenkomplex hat uns einfach geflasht“, sagt Issel. Die Idee: Das Bob muss wieder zu Leben erweckt werden. Die Kreativbranche, lokale Vereine und Erlebnisgastronomie sollen hier heimisch werden. Das Ziel, so Kai Sieper, der die Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe macht, ist eine Stätte für Begegnungen, Ausstellungen, Events und Sport, möglichst multifunktionell.

Erste Schritte hat die Bob-Community schon gemacht. Im Garten wachsen Küchenkräuter, Bäume sind gefällt, einige Hallen sind entrümpelt, eine Werkstatt ist eingerichtet. Außerdem will der Verein „Skate Fabrik“ eine Skatehalle in den alten Fabrikräumen einrichten. Neben der Skate Fabrik gibt es noch einen anderen Verein mit Interesse am Bob: „Kopp auf! Wuppertaler Initiative für nachhaltige Entwicklung“. Sabine Nagl ist die Vorstandvorsitzende der Gruppe, die laut ihrer Aussage hintergründiges Wissen über die Zusammenhänge zwischen eigenem Handeln, der Wirtschaft und sozialen Folgen aufzeigen will.

Als wichtigster nächster Schritt steht die Gründung einer GmbH als zentraler Institution auf der Agenda. Sie soll sich um die Vermietung kümmern und auf die Einhaltung des Konzepts achten.

Das Aufeinandertreffen von handwerklichem Einsatz und angewandter Kreativität ist ein Indiz dafür, dass die Idee Bob viele Früchte tragen kann. Das große Vorbild liegt weit außerhalb der Stadtgrenzen. 2013 hat sich eine alte Teppichfabrik im Berliner Viertel Alt-Stralau für drei Wochen in ein kreatives Zentrum verwandelt. Gesponsert von einer Sneakermarke, entstand Alt Stralau 4, ein Ausstellungs- und Veranstaltungsort für Skateboarding, Musik und Street Art auf vier Etagen. Die beiden Unterschiede: Bob soll bleiben. Und Bob hat keinen internationalen Sponsor. Ein verbindendes Element sind die Skate-Skulpturen von Roberto Cuellar. Der internationale Künstler baut Skulpturen, die gleichzeitig Skaterampen sind. Für das Kultur-Event „Sommerloch“ hatte er einige dieser Werke geschaffen, die jetzt in den Bünger-Hallen stehen.

Materialspenden und Sponsoren sind beim Bob ebenso gefragt wie helfende Hände. Und Mitmacher, seien es Vereine, Start-ups oder Kreative auf Raumsuche. Bei der ganzen Arbeitszeit, die sie in den Komplex investiert haben, fürchten sich die Bobs nicht davor, dass ein Investor das große Geschäft wittert und einfach mit einer großen Summe alles an sich reißt. Sie betonen, dass sie ein Vertrauensverhältnis zum Eigentümer Achim Bünger aufgebaut haben.

Text: Fabian Mauruschat

Der Artikel ist ein gekürzter Auszug aus der neuen Ausgabe der talwaerts, Wuppertals Wochenzeitung. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe, die immer freitags erscheint. Überall, wo es Zeitschriften gibt und unter www.talwaerts-zeitung.de

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