09.05.2015

Döppersberg Eine Sekunde für eine faszinierende Stadt Haan Holsteiner Treppe kunst Luisenviertel Skulpturenpark Stadtplanung Theater am Engelsgarten Toelleturm Treppen Vernissage Vielfalt W-Fragen Wuppertal

Wuppertal – eine Sekunde für eine faszinierende Stadt

Wuppertal ist eine farbige, faszinierende, widersprüchliche, herzliche und vielfältige Stadt. Eine Außenansicht.

Die  Ausstellung „Wuppertal – eine Sekunde für eine faszinierende Stadt“ wurde letztes Jahr im Café im Dorf in Haan-Gruiten zum ersten Mal gezeigt und stieß bei vielen Wuppertalern auf ein sehr positives Interesse und oft auf Verwunderung. Den Begleittext zur Ausstellung finden Sie nun ohne Anspruch auf Vollständigkeit mit vielen Facetten ein wenig aktualisiert in diesem Artikel mit einem Aufruf zur Mitarbeit bei der Fortführung des Projektes.

Vielfalt

Die Vielfalt von Wuppertal kann man auch beispielhaft alle fünf Jahre beobachten beim „Langen Tisch“ von Vohwinkel bis Barmen, alle zwei Jahre beim Ölbergfest oder bei unterschiedlichsten Veranstaltungen des Festivals „Wuppertal 24h live“.

Geographie

Wuppertal ist mit rund 343.000 Einwohnern die größte Stadt im Bergischen Land. Erst 1929 wurde die kreisfreie Stadt durch Vereinigung der Städte Elberfeld, Barmen, Ronsdorf, Cronenberg und Vohwinkel unter dem Namen Barmen-Elberfeld gegründet und 1930 nach einer Bürgerbefragung in Wuppertal umbenannt. Die Wupper windet sich rund 20 km durchs Stadtgebiet. Wuppertal ist mit einem Grünflächenanteil von über einem Drittel Deutschlands grünste Großstadt.  So sind die weitläufigen Barmer Anlagen mit 100 ha Grün der zweitgrößte private Erholungspark in Deutschland. Das Engagement von Wuppertaler Bürgern ermöglichte immer wieder die Gestaltung vieler schöner Orte. 2014 startete die Initiative „Neue Ufer Wuppertal“ mit Dajana Meier, die vor 10 Jahren damit begann, sich für die nun realisierte Nordbahntrasse zur Verschönerung und Beachtung der Wupperufer zu engagieren. Im Stadtgebiet relativ unbeachtet präsentiert sich die Wupper außerhalb als „Amazonas im Bergischen Land“ mit einer bemerkenswerten Artenvielfalt an Flora und Fauna.

Sehenswürdigkeiten

Über das Stadtgebiet verteilt befinden sich 4500 Baudenkmäler – in Nordrhein-Westfalen hat nur Köln mehr Monumente. Die Universitätsstadt ist unter anderem bekannt für die Schwebebahn, das Tanztheater Pina Bausch, den Bildhauer Tony Cragg mit seinem Skulpturenpark, das „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“, das Von-der-Heydt-Museum, der Wuppertaler Zoo und vieles andere mehr.

Deutschlandweit gibt es in Wuppertal die größte Anzahl unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und Sekten. Eine Handvoll junger radikalisierter Menschen schafften es dort, durch das Überstreifen beschrifteter Bauarbeiterwesten auf alle Titelseiten der Republik zu kommen.

Wuppertals Stadtbild ist nicht wirklich schön, aber unglaublich reizvoll in seinen Gegensätzen. Kreative fühlen sich davon angezogen. Nach Buenos Aires ist die bergische Stadt weltweit das zweitbedeutendste Tango-Zentrum. Mit ihren Straßenschluchten erinnert sie an San Francisco. Wuppertal hat mit knapp 500 die meisten öffentlichen Treppen, viele sind sehenswert. 2014 stufte ein internationales Kunstmagazin die Holsteiner Treppe auf Platz 6 der 17 schönsten Treppen weltweit ein.

333 Meter über dem Meeresspiegel können Sie vom Toelleturm einen wunderschönen Rundblick über Wuppertal erleben. An der Grenze zwischen Elberfeld und Barmen finden Sie die Hardt-Anlage — einen der ältesten Stadtparks in Deutschland und Teil der Straße der Gartenkunst.

Im ganzen Stadtbild finden sich großformatige Wandmalereien des Künstlers Martin Heuwold (megx), der seine Sprayer-Laufbahn einst illegal gestartet hatte und heute mit vielen Werken im öffentlichen Raum eine Bereicherung ist.

Medien

In der einzigen lokalen Tageszeitung, der WZ, gibt es immer wieder bemerkenswerte Kommentare, zum Beispiel zum Geschenk der Engels-Statue aus China. Der Kommentator befand die Aussicht auf tausende Touristen mit der Wertung „wenigstens das“ als erquickend. Allerdings war er der Meinung, dass es mit dem Engels-Haus, der Friedrich-Engels-Allee und einem anderen Engels-Denkmal nun genug sei und „Sozialistischer Heldenverehrung“ hätte es nicht auch noch bedurft. Nun, die neue Statue steht in Sichtweite der 1975 von der Stadt Wuppertal in Auftrag gegebenen Statue „Die starke Linke“ – 130.000 DM standen damals dafür zur Verfügung, und die Beschaffung des Marmors verursachte 10.000 DM Zusatzkosten. In Sichtweite dieser Denkmäler stehen eine Skulptur von Tony Cragg und ein Pinguin. In Wuppertal finden Sie viele Gegensätze auf engstem Raum – warum auch nicht? Im Juni 2014 startete die werbefreie Wochenzeitung „talwaerts“ und versucht aktuelle Themen der Wuppertaler aufzugreifen – ein interessantes Projekt.  njuuz ist ein Online-Portal, in dem die Nutzer eigene Inhalte zu lokalen Themen veröffentlichen können. Diese Beiträge können von jedem gelesen und kommentiert werden. Das Projekt „W-Fragen.de“ hat dort verschiedene Artikel zu Wuppertaler Themen publiziert.

Kunst und Kultur

Wuppertal hat eine vielfältige Kunst- und Kulturszene. Bei der jährlichen Veranstaltung „Wuppertaler offene Galerien und Ateliers (Woga)“ gab es 2014 über 200 TeilnehmerInnen. In der Backstubengalerie zeigt Christine Ostermann schon seit 40 Jahren regelmäßig interessante Kunstausstellungen.

Die Pina Bausch Foundation bemüht sich, mit öffentlichen Mitteln das weltberühmte Tanztheater in Wuppertal dauerhaft zu verankern. Aktuell kommt da ein wenig Bewegung ins Projekt. Im September 2014 startete mit dem „Theater am Engelsgarten“ ein Projekt, mit dem der Umbau privat und mit großzügigen Spenden der Jackstädt Stiftung, der Sparkasse Wuppertal, der Barmenia und weiteren finanziert wurde. Den Namen des Theaters konnten die Wuppertaler Bürger selbst bestimmen. Mit dem aktuellen Theaterstück „Die Wupper“ von Else Lasker-Schüler an verschiedenen Orten konnten schon viele Besucher begeistert werden.

Zu Füßen der Holsteiner-Treppe, im Café Ada, kann man mittwochs hervorragend Salsa tanzen. Dort werden immer wieder interessante Ausstellungen und vielfältige andere kulturelle Events veranstaltet. Anlässlich einer Ausstellung politischer Plakate des befreiten Nicaragua  aus den Jahren 1979 bis 1990 sagte eine Frau, Wuppertal sei eben immer schon eine Stadt des Widerstands gewesen.

Stadtplanung

Für die nächsten Jahre ist wegen des Umbaus des Döppersberg die Verkehrshauptschlagader, die Bundesstraße 7, mitten in Wuppertal-Elberfeld gesperrt. Und als ob das noch nicht genug ist, überraschten die Planungsabteilungen noch mit der Nachricht, dass auch der Kiesbergtunnel für fünf Monate in dieser Zeit wegen Nachrüstung von Sicherheitsstandards in beide Fahrtrichtungen geschlossen werden musste. Das Verkehrsaufkommen in der Stadt wird weiter ein Problem bleiben, mit den Planungen zum Factory Outlet Center (FOC) kämen täglich weitere Verkehrsströme hinzu. Nun ja, in einer kreativen Stadt wird es Lösungen geben – lassen wir uns überraschen.

Investoren

Die aktuellen Großbau- und Investorenprojekte werden in Wuppertal durchaus kontrovers diskutiert. Grundstücke wie am Döppersberg wurden den Investoren erstaunlich günstig angeboten. Für die Kommunikation des Projektes Döppersberg – welche von manchen Akteuren als Kommunikationsdesaster empfunden wird – wurde eine externe Firma engagiert, die für mehr als eine Millionen Euro den Wuppertalern das Projekt erklären soll. Aber das sind ganz andere spannende Geschichten.

Geschichte

Die Friedrich-Engels-Allee ist Teil der Bundesstrasse 7. Diesen Namen trägt Sie seit 1946; ganz zu Anfang war der Name schlicht „Allee“. Kurz nach der Machtergreifung der NSDAP im Januar 1933 wurde die repräsentative Allee in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Der Plan war, eine breite Parade- und Aufmarschstraße mit einem noch zu schaffenden Adolf-Hitler-Platz, als neues Stadtzentrum.

Luisenviertel

Im Luisenviertel gibt es viel Gastronomie und Kunsthandwerk. In der Nähe ist die berühmteste, aber nicht schönste, Wuppertaler Treppe Tippen-Tappen-Tönchen, die auch dem 2013 erschienen Kinofilm „King Ping – Tippen-Tappen-Tödchen“ seinen Namen gab. Der Wandelgarten ist ein Ort für Begegnung rund um das Thema „Selbstversorgen in der Stadt mit Ernährung, Kunst und Kultur“. Das Restaurant „San Leo“ wartet mit einer unglaublich kreativen Küche auf – das Menü bescherte ein unvergessliches Geschmackserlebnis. Im Swane Café können Upcycling-Design-Produkte aus Afrika erworben werden. Im Lakritzkontor lassen sich gemischte Tüten aus mehr als 90 Lakritzsorten zusammenstellen.

Skulpturenpark Waldfrieden

Das 15 Hektar große Grundstück für den Skulpturenpark Waldfrieden – den ehemaligen Wohnsitz des Lackfabrikanten Kurt Herberts – erwarb der Bildhauer Tony Cragg 2006 und eröffnete dort seinen bemerkenswerten Skulpturenpark zwei Jahre später. Die Villa auf dem Gelände ist nach anthroposophischen Gesichtspunkten gebaut. Im Park sind viele Werke von Tony Cragg und weiteren Bildhauern sowie wechselnde Ausstellungen zu sehen. Zufällig lief während unseres Besuchs eine von Peter Pabst konzipierte Sonderausstellung mit verschiedenen Installationen des Tanztheaters. Das vielfältige kulturelle Engagement von Tony Cragg ist ein Gewinn für die Stadt Wuppertal.

Mitmachen: Die  Ausstellung „Wuppertal – eine Sekunde für eine faszinierende Stadt“ wird fortgesetzt und erweitert

Die Stadt der Gegensätze reizt, sich kreativ mit ihr auseinanderzusetzen. An einem nebeligen Tag Anfang März 2014 trafen sich zwei Freunde  zu einer Fotoexkursion von morgens um 7 Uhr bis zum Sonnenuntergang. Mit dem Luisenviertel und dem Skulpturenpark wurden zum Start willkürlich zwei Orte ausgesucht, um einen Blick auf die Trendstadt Wuppertal zu wagen. Die Summe der Belichtungszeiten der Fotos kommt vielleicht noch nicht einmal auf eine Sekunde, wahrlich nicht viel für eine so interessante Stadt – aber ein Beginn, der Lust auf mehr macht.

Für die Fortführung des Projektes „Wuppertal – eine Sekunde für eine faszinierende Stadt“  sucht Clemens Hölter nun engagierte WuppertalerInnen mit Ihrer persönlichen Sichtweise auf die Stadt. Haben Sie eine persönliche Geschichte oder kennen ein gutes Projekt oder interessante Personen – dann schicken Sie diese Informationen an die Mailadresse info@w-fragen.de oder per Post.

Wir laden Sie herzlich ein, Ihren Blick auf Wuppertal zu werfen. Und wenn Sie Lust auf mehr haben – besuchen Sie Wuppertal!

Wuppertal Holsteiner TreppeWuppertal Holsteiner Treppe ©Clemens Hölter

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