01.05.2015

Erdbeben: Hilflos in Nepal

Unsere Autorin ist vor Ort und wird Zeugin des schweren Bebens, das große Teile des Landes verwüstet. Sie muss hilflos mit ansehen, wie Menschen um ihre Existenz ringen.

DSC_3720Während des Bebens stehen wir auf der Hauptstraße unseres kleinen Dorfes. Die andere Freiwillige und ich kennen uns gerade seit zwei Tagen, trotzdem suchen unsere Hände sich wie von selbst. Auch als der Grund unter uns wieder fest ist, bohren sich unsere Nägel noch in die Haut, hinterlassen Spuren. Ein komisches Gefühl, machtlos den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Das Erdbeben mit der Stärke 7,9 hat in ganz Nepal verheerende Spuren hinterlassen. Mein Paradies wird zum Gefängnis, das eigene Zuhause wird für die Bevölkerung zur Todesfalle und die Großstadt zur staubigen Trümmerhölle. In einem der ärmsten Länder dieser Welt, in dem der Kampf ums Überleben sowieso schon auf der Tagesordnung steht, schlägt das Schicksal mit voller Wucht zu. Und auch nach dem stärksten Beben verschlimmern zahlreiche Nachbeben die Situation. Die allgegenwärtige Angst, das Dach über dem Kopf zu verlieren, nichts zu Essen zu haben, kein sauberes Trinkwasser zu finden. Man ist der Natur ausgeliefert, vielleicht sogar dem Schicksal, hilflos suchen tausende Menschen in den engen Straßen der Städte, die jetzt in Schutt und Asche liegen, nach Schutz. Was noch steht, droht bei jeder noch so kleinen Erschütterung einzustürzen.

Bei uns auf dem Dorf gibt es kaum Schäden. Doch als wir ein städtisches Krankenhaus besuchen, sehen wir das Ausmaß der Katastrophe. Schockierende Eindrücke, wenn Verletzte in dreckigen Betten oder gar auf dem Boden gegen ihre Schmerzen ankämpfen. Wenn der Andrang das Personal überfordert und Hektik ausbricht. Wenn die Patienten im Freien behandelt werden, weil ein großer Teil des Gebäudes einsturzgefährdet ist.

Die Organisation für Freiwilligenarbeit, mit der ich nach Nepal gereist bin, erklärt uns Freiwilligen, wir sollen bleiben, wo wir sicher sind und verbietet uns den Einsatz. Jetzt, wo Hilfe nötiger ist als je zuvor.

Wir aber sind vor Ort, haben Erfahrungen mit der einzigartigen Kultur gesammelt, die wir inzwischen kennen und lieben gelernt haben. Wir wollen helfen. Wir wollen, dass unsere Hilfe ankommt und zwar dort, wo sie tatsächlich gebraucht wird. Wir wollen Worten Taten folgen lassen und sicher gehen, dass das Geld, das Freunde und Verwandte uns anvertrauen, auch bei den Menschen ankommt. Denn die sind uns auf unserer Reise stets mit Hilfsbereitschaft begegnet.

In den kommenden Tagen werden wir aktiv helfen und eine Organisation finden, mit der wir guten Gewissens zusammenarbeiten können. Bis dahin empfehlen wir denjenigen, die helfen wollen, eine Organisation zu unterstützen, die bereits vor Ort ist und die Lage, die Menschen und die Lösungen für die Probleme einschätzen kann.

Text & Foto: Alina Komorek

Der Artikel ist ein gekürzter Auszug aus der neuen Ausgabe der talwaerts, Wuppertals Wochenzeitung. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe, die immer freitags erscheint. Überall, wo es Zeitschriften gibt und unter www.talwaerts-zeitung.de

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