25.04.2015

„Trauer um Opfer verfehlter Politik“

Eindrücklicher Gottesdienst in der überfüllten CityKirche zum Gedenken an die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge.

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Die Rheinische Kirche hat heute in einem eindrücklichen Gottesdienst in der überfüllten CityKirche Elberfeld der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge gedacht. Die Gospelsängerin Christine Hamburger sorgte mit ihrer Version von ‚Sometimes I feel like a motherless child‘ schon zu Beginn für Aufmerksamkeit. Verstärkt wurde Betroffenheit und Trauer durch den Bericht von Hans-Joachim Schwabe aus Jülich über die Situation der Flüchtlinge an den EU-Aussengrenzen in Marokko: „Je höher und länger der Schutzwall gebaut wird, desto mehr Opfer produziert er.“ Besonders bewegend ein Interview mit Flüchtlingen, die die Route über das Mittelmeer gewagt und geschafft haben, obwohl Monate vorher dabei viele Angehörige ihr Leben verloren haben.

„Von Gleichgültigkeit kaum zu unterscheidende politische Gelassenheit“
Präses Manfred Rekowski machte in seiner Ansprache die EU-Staaten für die ertrunkenen Flüchtlinge im
Mittelmeer mitverantwortlich: „Tausende von Menschen sterben im Mittelmeer auf der Flucht aus ihren Heimatländern und auf der Suche nach Zuflucht in Europa. Die viel zu lange andauernde weitgehende Tatenlosigkeit, eine von Gleichgültigkeit kaum zu unterscheidende politische Gelassenheit, ist ein Skandal – ein humanitärer und ein politischer“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland in einer Ansprache, die in den Gebetsruf „Herr, lass mein Klagen vor dich kommen; unterweise mich mit deinem Wort“ (Psalm 119,169) mündete.

Das christliche Abendland geht unter, wenn im Mittelmeer tausende ertrinken.
„Wir klagen und trauern nicht um die Opfer einer unabwendbaren Naturkatastrophe. Nein, wir klagen und trauern um die Opfer einer verfehlten Politik. Es ist zum Gotterbarmen: ,Herr, lass mein Klagen vor dich kommen ??“, so der Präses weiter. Kein noch so hoher Wall halte Menschen von einer Flucht ab, vielmehr seien umso mehr Opfer zu beklagen, je höher dieser Wall werde.
Die Bibel zeige dagegen, wie Flüchtlinge zu behandeln seien. „Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken“, heiße es im Alten Testament, der jüdischen Thora. Jesus Christus habe die Weisung Gottes noch verstärkt: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25) Der Präses weiter: „Kurz gesagt: Das christliche Abendland geht unter, wenn im Mittelmeer tausende von Zuflucht suchenden Menschen ertrinken und nicht, wenn in einer Kleinstadt Flüchtlinge, Fremdlinge aufgenommen werden. Und mit jedem Bootsflüchtling, der aus Seenot gerettet wird, retten wir auch ein Stück von den Werten, die uns ausmachen.“

„Gott, mach Dich ans Werk!“
Im Fürbittengebet erinnerte Superintendentin Ilka Federschmidt nachdrücklich an Absender und Adressat der Klagen: „Gott, mach Dich ans Werk!. Bei den Regierenden und bei uns selbst!“ Achim Pohlmann vom Migrationsdienst der Diakonie Wuppertal nahm die Situation der Flüchtlinge in Wuppertal in den Fokus und dankte der Stadt für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Arabische Lautenmusik markierte das Ende des Gottesdienstes, dem, zum Anlass zunächst ungewohnt, die ca. 300 Besucher kraftvoll mit nachhaltigem Beifall zustimmten.

text: werner jacken-ör/ekir-pressestelle
fotos- werner jacken

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