11.03.2015

VEM und Diakonie: Plakataktion gegen Menschenhandel im Bergischen

Sechs Rumänen auf der Flucht vor Menschenhändlern. Die Drohung: Wenn sie nicht zur Arbeit auf der Baustelle erscheinen, werden sie verstümmelt oder getötet. Traurige Realität in Wuppertal. Die Vereinte Evangelische Mission und die Diakonie Wuppertal haben deswegen eine Plakatkampagne gestartet.

Plakataktion menschenhandel_news

„Gegen Menschenhandel – für Menschenrechte“, so sind die Plakate überschrieben, die zurzeit in Wuppertal, Remscheid und Solingen großflächig hängen. Ins Leben gerufen hat die Aktion die Vereinte Evangelische Mission (VEM), die von Wuppertal aus weltweit gegen Menschenhandel aktiv ist. Die VEM arbeitet dabei in Deutschland mit verschiedenen sozialen Trägern zusammen, im Bergischen mit der Diakonie Wuppertal. Dort ist bei den Migrationsdiensten das Projekt „UNSICHTBAR – Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung“ angesiedelt, dessen Mitarbeitende Opfer von Menschenhandel betreuen.

Das Beispiel der sechs rumänischen Bauarbeiter, die vor ihren Menschenhändlern geflohen sind, sei sicherlich ein besonders drastisches, sagt André Thielmann von der Diakonie, es sei aber kein Einzelfall. Ob in Fleischfabriken, auf Baustellen oder in der Gastronomie – immer wieder höre er von Fällen von extremer Arbeitsausbeutung oder sogar Menschenhandel. Beratungsstellen für Opfer gebe es kaum. Wer aber nirgendwo Informationen über seine Rechte bekomme, könne sie auch nicht wahrnehmen. Außerdem trauten sich viele nicht, Anzeige zu erstatten, entweder aus Angst vor den Menschenhändlern oder weil sie fürchten müssten, nach einem Prozess sofort abgeschoben zu werden. Innerhalb der Diakonie Wuppertal kann die Beratung für Betroffene von Menschenhandel auch nur in Verbindung mit einem zeitlich befristeten Forschungsprojekt angeboten werden.

Die Mitarbeitenden versuchen auf mehreren Ebenen zu helfen: unter anderem mit mehrsprachigen Flyern, einer guten Vernetzung mit anderen Beratungsstellen und – ganz neu – mit kompletten Unterrichtseinheiten für die Integrationskurse. „Da erreichen wir viele Menschen, die wiederum andere kennen, die vielleicht in solche Abhängigkeiten geraten“, sagt André Thielmann.

Auch auf internationaler Ebene arbeiten die Kirchen daran, Opfern von Menschenhandel zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Vereinte Evangelische Mission unterstützt beispielsweise auch ein Projekt der Chinesisch-Rheinischen Kirche. Diese betreut und berät Haushaltshilfen aus Indonesien, die mit falschen Versprechen nach Hongkong gelockt wurden und dort oft ohne Lohn arbeiten müssen oder sogar misshandelt werden. „Mehr als 20 Millionen Menschen sind weltweit Opfer von Menschenhandel“, sagt Dr. Jochen Motte VEM-Vorstandsmitglied und Menschenrechtsexperte. „Unsere Aufgabe als internationale Kirchengemeinschaft ist es, diesen Menschen zur Seite zu stehen und für sie zu kämpfen – gegen Menschenhandel, für Menschenrechte.“

Mehr Informationen zu der Aktion gibt es unter www.vemission.org/menschenhandel.

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