08.01.2015

– Nous sommes Charlie Hebdo –

Öffentlichkeitsreferat und Redaktion von "evangelisch in wuppertal" trauern um die Getöteten und Verletzten in Paris.

Das Öffentlichkeitsreferat und die Redaktion von „evangelisch in wuppertal“ trauern um die getöteten und verletzten Journalisten, Polizisten und Unbeteiligten in Paris.

Im Folgenden
lesen Sie dazu ddie Presseerklärung zum enstsprechenden Blog-Eintrag von Präses Manfred Rekowski:

„Keine Religion darf missbraucht werden, um Gewalt zu rechtfertigen“
Präses bloggt zum Mordanschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“

„Keine Religion darf missbraucht werden, um Gewalt zu rechtfertigen.“ Das stellt Präses Manfred Rekowski angesichts des Mordanschlags auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ gestern in Paris fest. In seinem Präsesblog schreibt der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Als Christinnen und Christen verurteilen wir den Anschlag auf die Redaktion des Magazins Charlie Hebdo in Paris. Wir trauern um die Ermordeten, unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen. Dieser Anschlag trifft unser Selbstverständnis. Wir leben in einer offenen Gesellschaft. In unserer Demokratie gelten Menschenrechte, Meinungsfreiheit und selbstverständlich auch Religionsfreiheit. Auf diesen Werten gründet unsere Wertegemeinschaft in Europa, diese Werte wurden durch das Attentat angegriffen.“

Zugleich macht Rekowski deutlich: „Die Attentäter handeln nicht im Namen des Islam. Als Christinnen und Christen müssen widersprechen, wenn Religionen nicht nach ihrem Selbstverständnis beurteilt, sondern auf Pervertierungen reduziert werden.“ Dies habe auch Zentralrat der Muslime deutlich gesagt, so der Präses und zitiert dessen Stellungnahme: „,Es gibt in keiner Religion und keiner Weltanschauung auch nur einen Bruchteil einer Rechtfertigung für solche Taten. Dies ist ein feindlicher und menschenverachtender Akt gegen unsere freie Gesellschaft. Durch diese Tat wurde nicht unser Prophet gerächt, sondern unser Glaube wurde verraten und unsere muslimischen Prinzipien in den Dreck gezogen.?“

In unserer Gesellschaft lebten Menschen mit verschiedenen Überzeugungen, Weltanschauungen und Religionen zusammen: „Wir müssen uns dem Dialog stellen, auskunfts- und sprachfähig sein, über das, was uns in unserem Glauben wichtig ist. Dazu gehört es aber auch, dass wir hinterfragt werden, auch durch Satire. Dies hält der Glaube aus und muss es aushalten.“ Die Gefahren durch Terrorismus gelte es mit allen Mitteln des Rechtsstaates zu bekämpfen: „Bei der Prävention können wir als Kirche gemeinsam mit den muslimischen Organisationen einiges tun. Die diffusen Ängste in der Bevölkerung müssen wir ernst nehmen, indem wir auch für Menschen ansprechbar bleiben, die z. B. verunsichert werden durch sich schnell verändernde Stadtteile, ansprechbar für ihre Unsicherheit, ihre Sorgen und auch für die mitunter aufkommenden Fremdheitsgefühle. Wer aber aufgrund des Attentates Muslime und Musliminnen nun ausgrenzt, gibt den Attentätern nachträglich Recht und verleugnet unsere plurale Gesellschaft. Als Christinnen und Christen stehen wir für den Dialog ein – und für die Freiheit der Gesellschaft, in der wir leben.“ 

text: w.jacken/ekir-pressestelle/ör
foto: tagesschau.de/ekir.de

Weitere Texte zum Thema:

epd vom 08.01.2015:

Kirchen und Islamverbände verurteilen Pariser Anschlag
Warnung vor Stimmungsmache gegen Muslime

Kirchen, Islamverbände und Politiker haben mit Entsetzen auf den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ reagiert. Zugleich warnen sie davor, den Angriff pauschal allen Muslimen anzulasten.

Kirchen und Islamverbände haben den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris auf das Schärfste verurteilt. Papst Franziskus nehme im Gebet Anteil am Leid der Verletzten und der Familien der Todesopfer, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwochabend in Rom. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sprach von einem „abscheulichen Verbrechen“. Die Islamverbände distanzierten sich von dem blutigen Attentat und äußerten ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer. Zugleich warnten Kirchenvertreter und Politiker vor Stimmungsmache gegen Muslime.

Bei dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins waren am Mittwoch zwölf Menschen getötet worden. „Charlie Hebdo“ hatte mehrfach mit islamkritischen Beiträgen wie Mohammed-Karikaturen für Aufsehen gesorgt.

Papst Franziskus rief dazu auf, „sich mit allen Mitteln der Verbreitung des Hasses und jeder Form von Gewalt zu widersetzen“, wie es in der offiziellen Reaktion aus dem Vatikan hieß. Der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Jochen Bohl sagte dem epd, er sei „zutiefst betroffen über den menschenverachtenden Anschlag in Paris“. Dieses Verbrechen sei durch nichts zu rechtfertigen, erst recht nicht im Namen irgendeiner Religion. Die Saat des Hasses dürfe jetzt nicht aufgehen.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski warnte davor, den Islam für den Terroranschlag von Paris verantwortlich zu machen. „Wer aufgrund des Attentates Muslime und Musliminnen nun ausgrenzt, gibt den Attentätern nachträglich Recht und verleugnet unsere plurale Gesellschaft“, schrieb Rekowski am Donnerstag in seinem Blog. Auch der Kölner Stadtsuperintendent Rolf Domning betonte, für das Attentat sei nicht der Islam verantwortlich, sondern „ein menschenverachtender, von religiös-politischem Fanatismus motivierter Terror“.

Der Koordinationsrat der Muslime verurteilte den Anschlag als „feigen Akt“. „Terror hat keinen Platz in irgendeiner Religion“, erklärte Sprecher Erol Pürlü am Mittwochabend in Köln. „Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.“ Im Koordinationsrat sind der Islamrat, der Zentralrat der Muslime, die Türkisch-Islamische Union (Ditib) und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) zusammengeschlossen.

Der Zentralrat der Muslime erklärte: „Durch diese Tat wurde nicht unser Prophet gerächt, sondern unser Glaube wurde verraten und unsere muslimischen Prinzipien in den Dreck gezogen.“ Der Verband rief am Donnerstag in Köln dazu auf, nicht dem „perfiden Plan der Extremisten auf den Leim zu gehen“, die die Gesellschaft spalten wollten. Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor betonte am Mittwochabend in der ARD-Talkshow „hart aber fair“, es müsse möglich sein, auch islamkritische Karikaturen zu produzieren. Sie persönlich ließen solche Karikaturen kalt, sagte die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeigte sich in der Sendung beeindruckt von der Reaktion der Gesellschaft in Frankreich. Es sei wichtig, sich von Gewalttätern nicht einschüchtern zu lassen, sagte Jäger. Absolute Sicherheit werde es aber gerade vor Einzeltätern nicht geben, betonte der SPD-Politiker und verwies auf radikalisierte Islamisten, die aus den Kampfgebieten in Syrien und dem Irak nach Europa zurückkehren.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte vor „populistischen Brandstiftern“ in Deutschland. Gerade die Menschen, die aus den Bürgerkriegsregionen Syriens und des Iraks nach Deutschland kämen, seien dem Terror entflohen und dürften nun nicht ihrerseits in Verdacht geraten, nur weil sie Muslime seien, sagte de Maizière der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe).

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach appellierte an die gemäßigten Muslime, sich radikalen Strömungen des Islams zu widersetzen. Entscheidend sei ein „Schulterschluss von denjenigen, die sich innerhalb des Islam entschlossen gegen Islamismus und Salafismus stellen“, sagte Bosbach am Donnerstag im Deutschlandfunk in Köln.

text: epd-west/ör-wj

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