05.01.2015

Barmen Buch der Woche de Bruyn-Ouboter matthias dohmen

Buch der Woche: Barmen. Die Stadtgeschichte

Von der Mundart bis zur Bergischen Guillotine, vom „Knüppelrussenaufstand“ bis zu Lassalles „Rheinischer Rede“ und von der Devonzeit bis in die unmittelbare Gegenwart.

Hans Joachim de Bruyn-Ouboter geht keinem Thema aus dem Weg, das sich in über 1000 Jahren Barmen aufgetan hat und heute auftut. So beginnt er tatsächlich mit dem Devon, also vor 400 Millionen Jahren, und endet mit der Gegenwart der Stadt Wuppertal, der „weltweit einmaligen Kombination von Bandstadt und Mittelgebirgsstadt“ (S. 11). Besiedelt ist sie seit den Zeiten Karls des Großen.

Dem Kapitel über die Vor- und Frühgeschichte folgen Ausführungen über Barmen im Mittelalter, von der Garnnahrung bis zum Ende des Dreißigjährigen Friedens, Barmens Aufstieg im 18. und 19. Jahrhundert, die Stadt in der „Franzosenzeit“, im Biedermeier und während der industriellen Revolution, die „goldenen Jahre“ 1883 bis 1914 und „Barmens letzte Jahre als Stadt“ (1914 bis 1929), schließlich den verheerenden Angriff vom 30. Mai 1943 und den Wiederaufbau nach Niederlage und Befreiung. deBruyn-Barmen

De Bruyn-Ouboter dankt in einem langen Absatz seines Vorworts den zahlreichen Fotografen und Bildbeschaffern, die es erlauben, von dem Buch als einem Bildband zu sprechen, der kaum Wünsche offen lässt. Das gilt insbesondere für den abschließenden rund 15-seitigen „Barmer Bilderbogen“ oder auch die Bildaufnahmen des zerstörten „alten Barmen“. Idylle und Inferno: Auf S. 217 sieht der Leser durch die westliche Rathausunterführung in Richtung Zwinglistraße – kurz vor dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Angriff Ende Mai 1943.

Auch textlich geht der Autor ausführlich auf die Nazizeit, aber auch den Weltkrieg I ein, der Barmen 4.000 Gefallene, eine riesige Arbeitslosigkeit und schlimmen Hunger im so genannten Steckrübenwinter bescherte (S. 135). Die sozialen Bewegungen kommen ebenfalls nicht zu kurz, etwa mit der Beschreibung der Konsumgenossenschaft „Vorwärts“ und von Ferdinand Lassalles berühmter „Rheinischer Rede“, „die man besser Barmer Rede nennen sollte“ (S. 103 f.). Sehr verdienstvoll sind die rund 50 mit einem Porträt versehenen Kurzbiografien, wobei in dieser Zählung nur die Persönlichkeiten aus der Neuzeit mitgerechnet sind.

Nicht fehlen dürfen in so einem Kompendium die Barmer Berg- und die gesamtstädtische Schwebebahn: die eine, die kurz und knapp als „bewährt, berühmt, verschrottet“ beschrieben wird, und die andere, die für „Wuppertals Aufbruch ins 20. Jahrhundert“ steht (S. 127). Zahlreiche Literaturhinweise und das Personenregister laden zu weiteren Ausflügen einer Stadt ein, die, auch dies gehört zur historischen Wahrheit, 1929 „gegen den erklärten Willen der Mehrheit der Bevölkerung“ gebildet wurde (S. 149). Der Oberstudienrat am Gymnasium Sedanstraße hat sich mit seiner Barmenbiografie die Note „sehr gut“ verdient.

MATTHIAS DOHMEN

Hans Joachim de Bruyn-Ouboter, 1200 Jahre Barmen. Die Stadtgeschichte, Wuppertal: Edition Köndgen 2009, ISBN 978-3-939843-10-8, 288 S., Euro 29,95, www.edition-koendgen.de.

 

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