09.11.2014

Spendenaufruf: Begegnungen mit ZeitzeugInnen ermöglichen!

Fragt uns - wir sind die Letzten! Begegnungen mit ZeitzeugInnen ermöglichen! Für eine innovative und nachhaltige Erinnerungsarbeit! Spendenaufruf für den „Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal.de e.V.“ Spendenverdopplungsaktion der Bethe-Stiftung

Tafel  groß

 

Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.
Am 10. November 2014 werden wir die Erinnerungen des Auschwitz-Überlebenden und Wuppertaler Zwangsarbeiters Jacob Friedman in der Citykirche Wuppertal Elberfeld, Kirchplatz um 19:00 Uhr öffentlich vorstellen.
Diese Veranstaltung und andere Projekte sind nur realisierbar, wenn BürgerInnen, Firmen und Stiftungen die Geschichts- und Gedenkarbeit unseres Vereins weiterhin finanziell unterstützen.
Wir sind daher erfreut, dass die Bethe-Stiftung, die bereits 2011 unser Wuppertaler Gedenkbuch-Projekt (gedenkbuch-wuppertal.de) und das Besuchsprogramm für NS-Opfer unterstützt hat, sich bereiterklärt hat, das Buchprojekt mit Jacob Friedman mit einer Spendenverdopplungsaktion zu unterstützen.
Das Ende der Zeitzeugenschaft rückt immer näher, nur noch sehr wenige Menschen, die den Nationalsozialismus als WiderstandskämpferInnen, Zwangsarbeiter oder KZ-Gefangene überlebt haben, stehen für (Jugend) Begegnungen und für die heutige historisch-politische Bildungsarbeit  zur Verfügung. Die Historisch-politische Bildungsarbeit zur NS-Geschichte wird sich auf die Zeit ohne Zeitzeugen vorbereiten müssen.
 
Umso wichtiger ist es, jetzt noch die Zeit zu nutzen!
Der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V. verantwortlich u.a. für das Gedenkbuch Wuppertal-Projekt (www.gedenkbuch-wuppertal.de) und für das Denkmal der Namen im Deweerthschen Garten, organisiert im Rahmen seiner historisch-politischen Bildungsarbeit nun im 13. Jahr internationale Begegnungen mit ZeitzeugInnen, mit Überlebenden der Shoah und mit ehemaligen KämpferInnen der europäischen Widerstandsbewegungen.
 
Spendenaufruf:
Unser nächstes Projekt ist die Präsentation der Lebenserinnerungen des ehemaligen  Wuppertaler Zwangsarbeiters und Auschwitz-Überlebenden Jacob Friedman aus Israel.
Die Buchpräsentation am 10. November 2014 ist für uns der Auftakt unserer Geschichts- und Erinnerungsprojekte im Gedenkjahr 2014/2015, für deren Finanzierung wir Spendengelder einwerben möchten.
Für unsere ehrenamtliche Geschichtsarbeit brauchen wir weiter auch finanzielle Unterstützung. Wir freuen uns, dass uns die Bethe-Stiftung erneut unterstützt und diesmal eine Spendenverdopplungs-Aktion ermöglicht. Die Spendenaktion läuft ab dem 8. November 2014 insgesamt 3 Monate. Spendenquittungen fürs Finanzamt können ausgestellt werden.
Kontoinhaber: Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.
Kontoverbindung: DE31330500000000971853 Stichwort: Erinnerungsarbeit
BIC: WUPSDE33XXX  Stadtsparkasse Wuppertal
 
Unsere nächsten Projekte.
 
1. „Das Unfassbare“ – Buchvorstellung – Erinnerungen des Auschwitz-Überlebenden und Wuppertaler Zwangsarbeiters Jacob Friedman
Jakob Friedman, Jahrgang 1926, wuchs in einer jüdischen Familie in Lwów auf. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen gab er sich als nichtjüdischer Ukrainer aus, um den Morden der Einsatzgruppen zu entgehen. Friedman wurde zur Zwangsarbeit nach Wuppertal deportiert, wo er bei der Reichsbahn arbeiten musste. Als man entdeckte, dass er Jude war, wurde er verhaftet und verbrachte einige Monate im Wuppertaler Polizeigefängnis. Später wurde er nach Polen verbracht. Er war u.a. im  KZ Majdanek, später in Auschwitz-Monowitz und zuletzt in Sachsenhausen inhaftiert und überlebte den Todesmarsch. Heute lebt er in Rischon Lezion in Israel. Jakob Friedman hat 2009 in dem Buch „Das Unfassbare“  seine Geschichte verarbeitet.
Am 10. November 2014 werden wir die deutsche Fassung des Buches – hoffentlich – in Anwesenheit von Jacob Friedman in der Citykirche Wuppertal-Elberfeld der Öffentlichkeit präsentieren können. Die deutsche Ausgabe ist mit privaten Fotos reichbebildert und eignet sich hervorragend auch für den Einsatz in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.
Programm:
Das Unfassbare“ – Buchvorstellung
Erinnerungen des Auschwitz-Überlebenden und Wuppertaler Zwangsarbeiters Jacob Friedman
10. November 2014 | 19:00 Uhr | Citykirche Wuppertal Elberfeld, Kirchplatz
– (via Skype) Jacob Friedman aus Rischon Lezion (Israel)
– Gespräch mit den Kindern von Jacob Friedman
– Lesung mit Olaf Reitz
– Jiddische Lieder mit Roswitha Dasch
Ab 10.November 2014 auch im Buchhandel:
Jacob Friedman: Das Unfassbare.
Meine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg (=Verfolgung und Widerstand in Wuppertal, Band 13),
De Noantri Verlag, Bremen, Wuppertal 2014
ISBN: 978-3-943643-01-5
 
2. Fragt uns – wir sind die letzten! Begegnungen mit ZeitzeugInnen
Auch dieses Jahr werden wir die Besuche bei WiderstandskämpferInnen und Überlebenden der Shoah im benachbarten Ausland fortsetzen. Unser Schwerpunktland wird wieder Belgien sein. Besuche bei ZeitzeugInnen in Antwerpen, Brüssel und Liege sind im Dezember 2014 und April 2015 geplant.
Zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27.1.2015 haben wir die jüdische Widerstandskämpferin  Fania Brancovskaja aus Wilnius in Litauen nach Wuppertal eingeladen. Fania Brancovskaja ist eine der letzten noch lebenden Zeug_innen der Shoah in Litauen. Sie war 19 Jahre alt und wollte Lehrerin werden, als die Wehrmacht am 22. Juni 1941 in ihre Heimatstadt Vilnius einfiel, das auf Jiddisch Wilne heißt und bis dahin als „Jerusalem des Nordens“ galt.
Sie wurde Zeugin von Pogromen, der Errichtung der beiden Ghettos und fortlaufenden „Aktionen“, in deren Folge die Deutschen zehntausende jüdische Männer, Frauen und Kinder im nahen Paneriai (jiddisch: Ponar) durch litauische Kollaborateure erschießen ließen.
Unter dem Eindruck der Verbrechen schloss sich Fania Brancovskaja 1942 der jüdischen Widerstandsgruppe Fareinikte Partisaner Organisatzije (FPO) an. Sie agitierte für diese, „organisierte“ Lebensmittel und half, Waffen ins Ghetto zu schmuggeln, nachdem die FPO-Führung entschieden hatte, einen Aufstand vorzubereiten. Als Mobilisierungsparole wurde „Liza ruft!“ vereinbart, eine Reminiszenz an Liza Magun, eine Meldegängerin der FPO, die die Deutschen erschossen hatten.
Als die Deutschen am 23. September 1943 begannen, auch das sog. große Ghetto zu liquidieren, ließ die Leitung der FPO den Aufstandsplan fallen, um kein Blutbad auszulösen, und wies ihre Mitglieder an, sich zu den Partisan_innen durchzuschlagen, die in den großen Waldgebieten östlich und südlich von Vilnius operierten. Fania Brancovskaja entkam in letzter Minute zusammen mit ihrer Kameradin Doba Develtof. Ihre Eltern und ihre kleine Schwester musste sie zurücklassen – diese wurden von den Deutschen verschleppt und später ermordet.
Bei den Partisan_innen erlernte Fania Brancovskaja den Umgang mit Schusswaffen und Sprengstoff und führte verschiedene Sabotagemissionen aus. Im Juli 1944 beteiligte sie sich mit ihrer Einheit an der Befreiung von Vilnius durch die Rote Armee.
Fania Brancovskaja, geborene Joheles, war die einzige ihrer Familie, die die Shoah überlebt hatte. Sie heiratete Mikhail Brancovski, an dessen Seite sie gekämpft hatte, und engagierte sich beim Wiederaufbau Litauens unter sowjetischer Führung. Nach dem Tod ihres Mannes 1985 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde ihr das Gedenken an die Shoah und den Widerstand gegen die deutschen Besatzer zur Lebensaufgabe.
Heute ist Fania Brancovskaja 92 Jahre alt und lebt in einer kleinen Hochhauswohnung. Sie hat zwei Töchter, von denen eine nach Israel ausgewandert ist. Dreimal in der Woche betreut sie die Bibliothek des Jiddischen Instituts der Universität in Vilnius. Drei weitere Tage engagiert sie sich im Zentrum der Jüdischen Gemeinde.
 
3. Wuppertaler Befreiungstag
Zum 70. Wuppertaler Befreiungstag am 16/17. April 2015 möchten wir 1. die (leicht beschädigte) Gedenktafel am Wuppertaler Mahnmal für die Wuppertaler NS-Opfer austauschen und mit neuen und korrigierten Namen ergänzen. 2. Das digitale Wuppertaler Gedenkbuch www.gedenkbuch-wuppertal.de von 2011 mit den jetzt über 1.300 Opfernamen upgraden, um die Datenbank zukunftssicher auf den aktuellen technischen Stand zu halten. 3. die erweiterte Gedenktafel auf einer würdigen Gedenkveranstaltung mit Angehörigen der Wuppertaler NS-Opfer im Deweertschen Garten wieder einweihen.
 
4. Vergessene Orte
Mit dem Projekt „Vergessene Orte“ wollen im Internet als Website und als App, aber auch mit Hinweis- und Gedenktafeln an die vergessenen und vernachlässigten Aspekte der Wuppertaler NS-Geschichte erinnern. Für den 19. Dezember 2015, der Eröffnung der Wuppertaler Nordbahntrasse, werden wir eine erste, Nordbahntrassen bezogene Fahrradtour präsentieren.
Themen sind u.a. das Zwangsarbeiter-Durchgangslager des Wuppertaler Arbeitsamtes am Giebel, die Zwangsarbeiter-Kinderbaracke der Firma Kolb & Co.,  die Hintergründe des Burgholz-Massakers und das Sammellager für Wuppertaler Sinti und Roma am Klingholzberg, die Untertageproduktion im Schee-Tunnel. Darüber hinaus soll gemeinsam mit Jugendlichen ein Erinnerungszeichen oder Denkmal an die im Arbeitsamtslager Giebel zu Tode gekommenen ZwangsarbeiterInnen und an die bei Kolb Co. gestorbenen Zwangsarbeiter-Kinder entwickelt werden.
 
Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.
Der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V. wurde Anfang 1999 gegründet. Der Verein entstand aus der Forschungsgruppe Wuppertaler Widerstand, die 1995 den Sammelband „Se krieje us nitkaputt. Gesichter des Wuppertaler Widerstands“ vorlegte. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die historische Erforschung sozialer Bewegungen in der Region rund um das Wuppertal. Insbesondere Themen wie Widerstand und Verfolgung in Wuppertal während des Nationalsozialismus gehören zu den Forschungsschwerpunkten des Vereins. In zahlreichen Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit der Begegnungsstätte Alte Synagoge und der Volkshochschule durchgeführt wurden, präsentierten die Mitglieder des Vereins neue Forschungsergebnisse. Der Verein war zudem 2001 Initiator des ersten Wuppertaler Besuchsprogramms  für ehemalige ZwangsarbeiterInnen. Darüber hinaus wird vom Verein die Publikationsreihe „Verfolgung und Widerstand in Wuppertal“ herausgegeben, in der inzwischen 13 Publikationen veröffentlicht worden sind. Unter anderem ist in dieser Publikationsreihe auch die für die Erforschung des Widerstands wichtige Dokumentation von mehr als 1.500 Namen der am Widerstand beteiligten Personen erschienen. http://www.wuppertaler-widerstand.de/drucksachen.html
Seit November 2005 ist die Seite www.gewerkschaftsprozesse.de online. Eine multimediale, virtuelle Internetausstellung zu den so genannten „Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen“, unterstützt von einem Trägerkreis unterschiedlicher Institutionen aus Wirtschaft, Politik und Kultur.
Die Webseite ist hauptsächlich für den Einsatz in der schulischen, betrieblichen und gewerkschaftlichen Bildungsarbeit konzipiert, ermöglicht über die Datenbank aber auch eigene Familien- oder Quartier-bezogene Recherchen.
2008 konnte in Zusammenarbeit mit der „Initiative Demokratie und Toleranz Wuppertal“ das niederländische Jugendbuch „Gestohlene Jugend“ übersetzt und herausgeben werden. Das Buch, das die vergessene Geschichte von niederländischen Zwangsarbeitern erzählt, die im zweiten Weltkrieg nach Wuppertal zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, wurde am 16. April 2008 im Beisein von Zeitzeugen im Rathaus präsentiert.
2011 realisierte der Verein schließlich das digitale Wuppertaler Gedenkbuch-Projekt www.gedenkbuch-wuppertal.de und das Denkmal der Namen im Deweerthschen Garten.
Informationen unter:
e-mail: info@wuppertaler-widerstand.de

 

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