18.08.2014

Artenschutz BUND-Kreisgruppe Wuppertal Kleine Höhe Stadtentwicklung Windkraftanlagen

ZOFF auf der Kleinen Höhe

Bei einer ZOFF-Exkursion auf der Kleinen Höhe stellte die BUND-Kreisgruppe Wuppertal die Frage: "Windrad, Gewerbe und / oder Naherholung und Landschaftsschutz?" Dem Regen trotzend waren rund 35 Personen gekommen, um diese Frage zu diskutieren.

Die Kreisgruppe Wuppertal im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veranstaltete am Samstag, dem 16. August 2014, eine sogenannte ZOFF-Exkursion auf der Kleinen Höhe am Stadtrand von Wuppertal. Die Abkürzung „ZOFF“ steht dabei für „Zusammenhänge erkennen, Orientierung gewinnen, Fauna und Flora kennen lernen“. Rund 35 BürgerInnen aus Wuppertal und dem angrenzenden Kreis Mettmann folgten der öffentlichen Einladung.

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Und die Kleine Höhe bietet viele Themen. Seit Jahrzehnten ist der zentrale Bereich im Besitz der Stadt Wuppertal, die auf jetzt landwirtschaftlich genutzten Flächen ein Gewerbegebiet errichten möchte. Wegen des Verschlechterungsverbotes der europäischen Wasserrahmenrichtlinie erfordert das aber erhebliche Erschließungskosten (geschätzt ca. 20 Millionen Euro), erläuterte Jörg Liesendahl, Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Wuppertal. Beträge, die durch die erwarteten Einnahmen der Stadt bei weitem nicht gedeckt würden, so dass mehrere Millionen Euro aus Steuermitteln zugeschossen werden müssten.

Grund für diese immensen Kosten sind fünf Quellbäche, die rund um die Höhenlage entspringen und allesamt über teure und großflächige Versickerungsflächen versorgt werden müssten.

Die Kleine Höhe mit Quellgebieten

Die Kleine Höhe mit Quellgebieten ©Jörg Liesendahl (BUND)

Die Wuppertaler Stadtwerke planen außerdem die Errichtung einer Windkraftanlage auf der Kleinen Höhe, die mit einer Nabenhöhe von ca. 100 m und entsprechenden Rotoren eine Gesamthöhe von ca. 150 m erreichen würde. Während sich viele Naturschützer die Hoffnung haben, mit einer Windkraftanlage, die ja zugleich regenerative Energie erzeugt und ein Beitrag zum Klimaschutz wäre, das Gewerbegebiet verhindern zu können, war in der Presse die Auffassung des Planungsausschussvorsitzenden Michael Müller (CDU) wieder gegeben, wonach das Windrad ein Einstieg in die Umsetzung des Gewerbegebietes sein werde.

Eine Auffassung, die sich nicht mit dem Entwurf des neuen Regionalplanes für den Regierungsbezirk Düsseldorf deckt, der einen Mindestabstand von 200 m zwischen Windkraftanlagen und Gewerbeflächen vorsieht.

Dass diese Diskrepanz für die unmittelbar betroffenen AnwohnerInnen auf der Kleinen Höhe aber völlig egal ist, zeigten die Diskussionen zu diesem Thema, die bei der Exkursion aufkamen. Hier wurden u.a. Themen wie Infraschall-Emissionen der Rotoren und der Schlagschatten oder auch die Nichtvereinbarkeit mit dem Luftverkehr in der Höhenlage angesprochen.

Doch auch für den Artenschutz stellen Windkraftanlagen generell und besonders auf der Kleinen Höhe ein Problem dar, erläuterte der Biologe Jörg Liesendahl vom BUND. So hat sich hier inzwischen die Zahl der Fledermäuse erfreulich vergrößert. Allerdings haben Naturschützer herausgefinden, dass Fledermäuse häufig an Windkraftanlagen zu Tode kommen, weil die durch die Rotoren verursachten Luftdruckveränderungen die Lungen der kleinen Tiere zum Platzen bringen. Ähnliches gilt für zahlreiche Kleinvögel. Aber auch große Vögel wie der an der Kleinen Höhe inzwischen dauernd anzutreffende Rotmilan und der seltener gesichtete Schwarzstorch gelten als Vogelschlag gefährdet.

Den Rotmilan, für den Deutschland weltweit eine besondere Verantwortung hat, weil ein Großteil des Weltbestandes der Art hier brütet, wurde übrigens im Verlauf der Exkursion auch gesichtet.

Für die BUND-Kreisgruppe, die seit Anfang der achtziger Jahre auf Seiten der Bürgerinitiative Kleine Höhe gegen eine Siedlungsentwicklung auf der für die Naherholung wichtigen Freifläche kämpft, gilt es deshalb, in der Diskussion um den Regionalplan sowohl die Gewerbefläche als auch das große Windrad zu verhindern. Beides, so die VertreterInnen des BUND, stehe dem Erhaltungsziel des Regionalen Grünzuges, der von der Rhein-Mittelterrasse über die Kleine Höhe bis zum Bergisch-Märkischen Erholungsgebiet führt, entgegen.

Im Zuge der weiteren Begehung stellten die Naturschützer an zahlreichen Beispielen die jetzige Form der Landbewirtschaftung in Frage. Auf der eigentlichen Hochfläche wurden schon vor Jahrzehnten Quellen verrohrt, um größere Ackerflächen zu schaffen. Die Landwirte, die die Flächen von der Stadt Wuppertal gepachtet haben, bewirtschaften diese Flächen konventionell, also unter Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, und verschlechtern so ungewollt den ökologischen Wert der Flächen. Hecken sind stellenweise nur noch als kurze Reststücke vorhanden, so dass die ökologische Funktion von Hecken als Vernetzungselemente in der Landschaft nicht mehr erfüllt wird. Auf einer Teilfläche wurde u.a. Mais angebaut, der vom Landwirt als nachwachsender Rohstoff und von den Naturschützern als eklatante Fehlentwicklung des Klimaschutzes höchst unterschiedlich gedeutet wird.

Zu wenig: Blütenreiche Aussaat in konventionell bewirtschafteter Ackerfläche

Zu wenig: Blütenreiche Aussaat in konventionell bewirtschafteter Ackerfläche ©Jörg Liesendahl (BUND)

In Richtung Neviges konnten die ExkursionsteilnehmerInnen dann aber eine alternative Form der Landnutzung kennenlernen. Dr. Carl Emde stellte seinen Hof vor, den er 2001 von einem konventionell wirtschaftenden Landwirt übernommen und konsequent im Sinne des Naturschutzes umgewandelt hat.

So teilte Emde seinen langgezogenen Acker in mehrere Teilflächen, indem er Obstbäume vorwiegend alter Sorten in Reihen anpflanzte und mit Randflächen aus der ackerbaulichen Bewirtschaftung herausnahm. Die z.T. übervollen Apfel- und Birnbäume, die die BesucherInnen sahen, zeigten die Wirkung dieser Maßnahme. Die drei Teilflächen des Ackers wurden an drei Bio-Bauern verpachtet, die unterschiedliche Produkte anbauen und somit die Flächen abwechslungsreich nutzen. Die Flächen geben auf den wertvollen Böden der Kleinen Höhe einen besonders hohen Ertrag und sind bei den Bio-Landwirten sehr begehrt.

Weitere Teilflächen des Besitzes von Dr. Emde wurden durch Aufhebung von Wegeverbindungen ruhig gestellt, so der Galgenbusch, ein kleinerer Buchenwald auf Kalkböden, in dem für Wuppertal seltene Pflanzen wachsen.

Krautreicher Kalkbuchenwald am Galgenbusch

Krautreicher Kalkbuchenwald am Galgenbusch ©Jörg Liesendahl (BUND)

Und auch zwei Bahnen des Golfplatzes Bergisch Land, die auf Emdes Besitz liegen, müssen seit geraumer Zeit ökologischer bewirtschaftet werden.

So konnte Carl Emde durch praktisches Tun zeigen, dass es auf der Kleinen Höhe eine Alternative zur Flächenversiegelung und konventioneller Landwirtschaft gibt: Die ökologische Landwirtschaft, die mit kleineren, abwechslungsreichen Schlägen auskommt und mit Hecken, Waldrändern und Obstbaumreihen sich höchst positiv auf die Tierwelt auswirkt. So fand sich auf Emdes Flächen schon vor Jahren der Neuntöter wieder ein, der in Wuppertal lange Jahre als Brutvogel fast verschwunden war. Inzwischen sind sowohl Rotrückenwürger, wie der Neuntöter im Volksmund auch heißt, und die Feldlerche wieder häufiger auf der Kleinen Höhe zu sehen, ebenso wie die Rauchschwalben.

Unterteilt durch Obstbaumreihen: die Biolandwirtschaftsflächen an der Kleinen Höhe

Die Alternative: Biolandwirtschaft und Obstbaumreihen ©Jörg Liesendahl (BUND)

Für die Naturschützer des BUND ein Beweis dafür, dass die Stadt den wertvollen Grünzug, das wichtige Naherholungsgebiet und die ökologische Wertigkeit der Kleinen Höhe erhalten kann, indem sie das Gebiet mit ökologischer Landbewirtschaftung neu entwickelt und auf die gedanklichen Fehlentwicklungen von Gewerbegebieten und Windkraftanlagen verzichtet.

Um die Chancen der Kleinen Höhe in diesem Sinne zu verbessern, wird sich die BUND-Kreisgruppe mit AnwohnerInnen und Bildungsanbietern sowie weiteren Ideengebern zusammensetzen und ein Alternativ-Konzept „Kleine Höhe“ entwickeln.

Parallel werden die BUND-Aktiven, weitere Naturschutzverbände und die AnwohnerInnen sich in den kommenden Monaten intensiv mit der Regionalplanung auseinandersetzen und sich im Beteiligungsverfahren einbringen, um sowohl Gewerbe als auch Großwindanlagen von der Kleinen Höhe fern zu halten.

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