08.08.2014

Ausstellung Barmer Theologische Erklärung Brandanschlag Gemarker Kirche synagoge

Immer noch gültig

Editorial der Bergischen Blätter 15-16.2014 von Silke Nasemann zum Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal und die Ausstellung zur Barmer Erklärung gleich in der Nachbarschaft

Barmer-Erklärung

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In der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen wurde gerade erst die Ausstellung über die Barmer Theologische Erklärung eröffnet, da zeigt sich schon, wie wichtig es ist, Staat und Kirche, Religion und Regierung getrennt voneinander zu betrachten. Das forderten 1934 evangelische Kirchenvertreter, die sich zunehmend vom Nationalsozialismus, den „Deutschen Christen“ und der Gleichschaltung eingezwängt sahen.
Lange nach der Veröffentlichung der Thesen zur Barmer Erklärung schenkte die Kirchengemeinde in der Gemarke der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal einen Teil des Grundstücks für den Bau der neuen Synagoge. Und genau auf diese wurde der Brandanschlag verübt – der zum Glück für die Gemeinde wie Anwohner glimpflich ausgegangen ist.
Darf man den Vermutungen glauben, haben drei junge Menschen, die sich den Palästinensern zugehörig fühlen, den Anschlag verübt – und damit genau das gemacht, was die Thesen der Barmer Erklärung verhindern wollten: Der Staat Israel wurde mit dem Judentum gleichgesetzt, das Judentum mit der Gemeinde in Wuppertal.
Auch wenn es immer wieder diese Unbelehrbaren gibt, standen viele Wuppertaler auf, um sich an die Seite der Kultusgemeinde zu stellen, seien es die Mitglieder Wuppertaler Moscheen, die katholische wie die evangelische Kirche in der Stadt, die Initiative für Demokratie und Toleranz, die noch für den Abend eine Solidaritätskundgebung veranstaltete, oder viele einzelne Bürgerinnen und Bürger.
Viele werden gar nicht gewusst haben, dass sie genau so handelten, wie es nur einen Steinwurf entfernt vor nunmehr 80 Jahren gefordert wurde. Was passiert, wenn man wegschaut, kann man heute an gleichem Ort nachlesen. Dort finden sich aber auch viele Beispiele dafür, welche Kreise es ziehen kann, wenn man eben nicht wegschaut – und zwar mit Auswirkungen bis heute und in die entlegendsten Winkel der Welt. Dafür muss man weder evangelisch noch religiös sein.
Dass die Ausstellung solche Aktualität bekommen würde, haben die Macher der Evangelischen Kirche im Rheinland wahrscheinlich nicht gedacht und vermutlich auch nicht gehofft. Deshalb kann heute gesagt werden: Gut, dass die Ausstellung da ist. Gehen Sie hin!

Foto: Michael Mutzberg

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