Das Ölbergfest – die Geschichte einer erfolgreichen Quartiersentwicklung

Uwe Peter, schon seit 30 Jahren Nordstädter war einer der Männer und Frauen der ersten Stunde. Mit ihm hat njuuz sich darüber unterhalten, wie ein Fest und konsequentes bürgerschaftliches Engagement über Jahre ein ganzes Quartier erfolgreich verändern können.

Was einmal als „kleines“ ehrenamtlich organisiertes Nachbarschaftsfest begann, gehört inzwischen zu einem der beliebtesten Stadtfeste mit inzwischen geschätzen 70.000 Besuchern.

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Angefangen hat alles 2005. Eine unendliche Baustelle der WSW – jahrelang wurden in der Marienstraße Leitungen verlegt – näherte sich ihrem Ende. Baustellen sind in der ohnehin schon engen Nordstadt aus mehreren Gründen eine besondere Qual: es wird noch enger und es wird noch lauter. Also war die Freude groß, nachdem absehbar war, dass die Pein endlich ein Ende haben würde.

Ein Jahr vorher gründete sich der Verein Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V., denn das Quartier verwahrloste zunehmend. Immer mehr Läden schlossen und standen leer, der Sanierungsstau in der Wohnbebauung war immens, immer mehr Menschen zogen weg und es war klar, dass von städtischer Seite keine Unterstützung zu erwarten war. So beschloss man, sich selbst zu helfen. Eine Plattform auf der man sich gegenseitig kennen lernen und vernetzten konnte, sollte entstehen. Die Idee des Nachbarschaftsfestes wurde geboren: raus mit den Sofas auf die Straße, der Ölberg als einziges großes Wohnzimmer. Und weil die WSW sich in der Pflicht fühlte den Ölbergern für ihre Geduld und Leidensfähigkeit Danke zu sagen, war der erste Sponsor auch schon da. So fand das erste Ölbergfest am letzten Samstag im April 2005 statt. Mit 10 bis 20.000 Besuchern war es von Anfang an ein Erfolgsformat.

Oelbergfest_Joerg_Langecopyright Joerg Lange // das erste Ölbergfest

Inzwischen hat sich das Ölbergfest zu einer Großveranstaltung mit geschätzten 70.0000 Besuchern gemausert und ist längst keine Party unter Nachbarn mehr. Schon im vergangenen Oktober haben die Verantwortlichen mit der Organisation begonnen. „Das war schon ein bisschen spät“, meint Uwe Peter ein wenig schuldbewusst, „jetzt im April ist es ein Fulltimejob, der nicht mehr allein ehrenamtlich zu stemmen ist. Dennoch brauchen wir besonders jetzt auch noch zahlreiche Ehrenamtliche. Sonst wäre das Ganze nicht zu schaffen. Viele Institutionen und Gruppen, die auf dem Berg angesiedelt sind, beteiligen sich inzwischen an der Organisation.

copyright Manni Bube copyright Manni Bube

“ Und wer ist dabei? „Damit das Fest seinen Charakter bewahrt, haben wir dafür gesorgt, dass es eine gute Mischung aus Verkaufsständen und der ursprünglichen Sofaidee ergibt“, erwidert Peter und liest aus den Anmeldungen vor: „Join us to have tea time on the oil mountain in the shoemakerstreet“ zitiert er,  „das sind die „Royals“, die zu einer Tasse Tee einladen. Von solchen Ideen lebt das Fest. Insgesamt haben wir 140 angemeldete Stände und es werden erfahrungsgemäß am 4. Mai auch noch ein paar andere spontan Tische und Stühle auf die Straße stellen. Außerdem haben wir vier Bühnen, 5 Tanzareas und eine spezielle Area für die Kinder.“

copyright Jens Seutecopyright Jens Seute

Die Gesamtverantwortung für die Sicherheit und die Finanzierung obliegt dem Verein Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V. Wie dieses Engagement zu bewerten ist, hat die Loveparade 2010 gezeigt. Mut, ein hohes Maß an Erfahrung und sorgfältigste Planung sind essentiell, um ein solches Fest durchführen zu können.

Dass die beteiligten Nordstädter dies und noch mehr können, beweisen sie jetzt schon seit Jahren. Neue Festformate wie „der Berg liest“ sind dazu gekommen. Sie haben einen Quartiersfonds aufgelegt, der seine Finanzierung über einen Parkplatz sicher stellt. Letzteres Projekt ist durch die Montagstiftung URBANE RÄUME ausgezeichnet worden. Aus ihrem Verein Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V. hat sich die Ölberg e.G. gegründet. Sie kauft Häuser und saniert sie, um bezahlbaren Wohnraum zu bewahren. Noch bevor die im Rahmen eines öffentlichen Förderprogramms geförderte Zwischennutzungsagentur sich fünf Jahre darum kümmern konnte, leer stehende Ladenlokale wieder zu beleben, erfanden Künstler die Aktion „Kunst statt Leere“. Der Berg hat eine eigene Identität mit starkem Selbstbewusstsein entwickelt und es ist inzwischen Kult geworden, dort zu wohnen.

Das Ölbergfest findet statt am 3. Mai 2014, von 15 Uhr bis 24 Uhr.
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