24.01.2014

Historismus Klassizismus Luisenviertel Stadtbild Deutschland e. V. Wuppertal Wuppertal

Historismus 1.1 – Die Laurentiuskirche und ihr Umfeld

Eine römische Kirche für die römische Kirche - Die Sankt Laurentiuskirche und ihr klassizistisches Umfeld mit dem Luisenviertel und den Stadtpalais zeigen eine der schönsten Ecken der Stadt Wuppertal.

Sankt LaurentiuskircheSankt Laurentiuskirche

Die römisch-katholische Laurentiuskirche zu Elberfeld ist neben dem Hauptbahnhof ein weiteres Hauptwerk des Hoch-Klassizismus in unserer Stadt. Eine römische Kirche für die römische Kirche! Sie wurde von 1825 bis 1830 durch Adolph von Vagedes errichtet und ist eine der größten klassizistischen Kirchen Westdeutschlands. Papst Franziskus hat sie im Dezember 2013 zur „Basilica minor“ erhoben, ein päpstlicher Ehrentitel, der nur herausragenden Kirchen verliehen wird. Im Fall von St. Laurentius liegt es in der für Westdeutschland einzigartigen klassizistischen Architektur sowie im Wirken des Gesellenvaters Adolph Kolping begründet. Das päpstliche Wappen über dem Hauptportal und der Padiglione für den Altarraum werden in den nächsten Wochen installiert. Leider ging die ursprüngliche Innenausstattung der Kirche im 2. Weltkrieg verloren, der aus Beilngries erworbene barocke Hauptalter wirkt – trotz seiner Schönheit – in dem klassizistischen Sakralbau leicht deplatziert. Dennoch möchte man auf ihn nicht verzichten! Die übrigen Ausstattungsstücke stammen teilweise aus der alten Laurentiuskirche am Turmhof, aus einer abgerissenen Düsseldorfer Kirche sowie aus der alten neubarocken St. Josphskirche in Ronsdorf.

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Der Architekt Adolph von Vagedes war Stadtbaumeister in Düsseldorf und Krefeld sowie Initiator von Bewegungen zum Bau der Düsseldorfer Königsallee und der Anlage der Krefelder Wallstraßen. Die Stadt Krefeld ist seinerzeit ein Hauptwerk des Klassizismus im Rheinland gewesen. Ähnlich wie Elberfeld-Barmen war sie eine Textil-Metropole, die stark der Seidenweberei verbunden war. Die neumodischen Dampfmaschinen arbeiteten dort ebenso fleißig wie bei uns. Vagedes mochte den technischen Fortschritt der Industrialisierung und empfand den Klassizismus als den architektonischen Teil dieser Entwicklung. Er selbst war ein typisches Kind des Klassizismus und lebte von 1777 bis 1842.

Doch zurück ins Tal: Vis-à-vis der Laurentiuskirche befinden sich weitere Stadtpalais aus dieser Epoche, unter anderem das Palais Daniel von der Heydt sowie das Palais Meckel. Der gesamte ehem. Königsplatz und heutige Laurentiusplatz wirkt recht harmonisch und ist neben dem Johannes-Rau-Platz in Barmen wohl der schönste Platz Wuppertals. An warmen Sommerabenden versprüht er das Flair eine italienischen Platzanlage, einer „Piazza San Lorenzo“! Es fehlt nur das Plätschern eines Brunnens…

Links: Palais Daniel von der Heydt und rechts: Palais MeckelLinks: Palais Daniel von der Heydt und rechts: Palais Meckel

Das westlich angrenzende Luisenviertel, benannt nach der preußischen Königin Luise, der Gemahlin König Friedrich Wilhelms III., welche 1787 Elberfeld besuchte, bildet mit seiner fast geschlossen historischen Bebauung im Bereich der Luisenstraße ein beliebtes und sehenswertes altstädtisches Ensemble mit Restaurants, Kneipen, Lounges und inhabergeführten Geschäften. Der Bereich erstreckt sich bis zur Briller Straße, in deren Umfeld die Villa Frowein und der De-Weerth-Garten zu finden sind.

Als evangelische Antwort auf die Laurentiuskirche wurde die Unterbarmer Hauptkirche im klassischen Rundbogenstil von 1828 bis 1832 errichtet. Denn es konnte ja nicht sein, dass die große zweitürmige und dann auch noch römisch-katholische Laurentiuskirche fortan das Panorama im Wupperthale dominieren sollte. „Konkurrenz belebt das Geschäft!“ Auch bei „Kirchens“! Jedoch ist die Unterbarmer Hauptkirche schon ein frühes Beispiel der nächsten Epoche des Historismus: der Romantik. Davon aber dann nächsten Freitag mehr!

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Kommentare

  1. Marc Brandt sagt:

    Wie immer ein toller, lesenswerter Artikel von Stadtbild Deutschland!
    Eine Anmerkung bezüglich Innenausstattung: erst kürzlich fiel mir ein derzeit wohl vergriffener Kirchenführer der Laurentiuskirche in die Hände. Es finden sich dort auch Fotos des Vorkriegszustandes. Siehe da: St. Laurentius hatte auch vor dem Krieg einen barocken Hochaltar, eine barocke Kanzel etc. Das Inventar wurde aus der Kirche amTurmhof mitgebracht. Ein Wappenschild am heutigen Hochaltar stammt noch vom alten. Also unterscheidet sich der Innenraum heute diesbezüglich nicht vom Zustand vorher. Wohl aber ist die prächtige Ausmalung der Kirche verlorengegangen.

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