27.11.2013

wuppertal - macht was anders wuppertal 2025

Wuppertaler wollen nicht über „Wuppertal 2025“ diskutieren

Nur 25 Stellungnahmen aus der Bevölkerung sind bislang auf der Homepage der Stadt Wuppertal zu dem mit großem Aufwand betriebenen Zukunftsprojekt "Wuppertal 2025" eingegangen. Aktualisierter Beitrag.

Wuppertal - macht was anders

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Das Strategiekonzept „Wuppertal 2025“ soll Projekte definieren, die unsere Stadt in Zukunft lebenswerter und wettbewerbsfähiger machen. Ein Steuerungsgremium, dem die Rathausführung, die Universitätsleitung sowie die Spitzen von WSW und Sparkasse angehören, hat – auch auf der Basis von Vorschlägen aus der Bevölkerung – 13 Schlüsselprojekte vorgestellt, die sich in die Kategorien „Innovation und Wirtschaftskraft“, „Facettenreiche urbane Lebensräume“, „Bewegung und Begegnung“ und „Faszinierende Kulturszene“ gliedern.

Beteiligung ist kaum der Rede wert

Seit gut zwei Wochen kann man die Vorschläge auf der städtischen Homepage lesen und Stellung dazu nehmen. Die Beteiligung ist kaum der Rede wert. Zwar wurden die Vorschläge von knapp 5.000 „Besuchern“ rund 25.000 mal angesehen, aber es gibt nur 25 Kommentare (Fragen, Zustimmung oder Kritik). Berücksichtigt man, dass einige Bürger gleich mehrere Kommentare abgegeben haben und manche Beiträge praktisch inhaltslos sind, sieht es noch düsterer aus.

Zum ersten Kapitel „Innovation und Wirtschaftskraft“ sind bislang nur 5 Wortmeldungen eingegangen. Zwei davon beziehen sich auf die Idee, der Wirtschaft einige Prozentpunkte der Gewerbesteuer zu erlassen, wenn sie im Gegenzug 5.000 neue Jobs in den nächsten zehn Jahren bereitstellt. Die beiden Kommentatoren begrüßen die Idee, einer schlägt vor, auch die Grundsteuer zu überdenken. Zur „Lernfabrik“, die Jugendliche auf das Berufsleben vorbereiten soll, äußern sich drei Kommentatoren. Zwei sehen das Konzept kritisch, einer verweist auf das Konzept der sog. „Produktionsschulen“.

Seilbahn-Idee findet die größte Resonanz

Der Absatz „Facettenreiche urbane Lebensräume“ kommt auf elf Kommentare. Es verwundert nicht, dass sich acht davon auf die spektakuläre Idee einer Kabinenseilbahn vom Hauptbahnhof zur Universität beziehen. Das Projekt wird als gute und mutige Idee gewürdigt, das jedoch hinsichtlich Kosten und Nutzen durchgerechnet werden müsse. Zwei der Kommentare verweisen lediglich auf  Untersuchungen von Pro Bahn bzw. ADFC. Als zu unkonkret und womöglich zu teuer wird die Idee kritisiert, Wuppertals Grünanteil zu erhöhen.

Für zwei der drei Projektvorschläge im Abschnitt „Bewegung und Begegnung“ gibt es keine Anmerkungen aus der Bevölkerung. Der Ansatz, Wuppertal fahrradfreundlicher zu machen, findet – gemessen an der insgesamt lauen Resonanz – respektable sechs Kommentare, die überwiegend positiv sind. Kapitel 4 des Konzeptes „Wuppertal 2025“, „Faszinierende Kulturszene„, faszinierte kaum jemanden. Nur zwei Kommentatoren haben sich geäußert – aber immerhin positiv.

Von der Möglichkeit, das Gesamtprojekt zu kommentieren, machten elf Wuppertaler Gebrauch. Das Spektrum reicht von „klasse!“ und „bin begeistert“ bis zu „nicht ausreichend“.

Ursachenforschung statt „Weiter so“

Als Fazit muss man feststellen, dass das Konzept „Wuppertal 2025“ den Wuppertalern offenbar herzlich egal ist. Ob das an der Qualität der Projekte, der „bürokratischen“ Aufmachung der Website oder den Querelen um den missratenen und inzwischen wieder kassierten Slogan „Wuppertal – macht was anders“ liegt, bleibt zu diskutieren. Und es stellt sich angesichts der ernüchternden Resonanz die Frage, wozu die Stadt sich eigentlich der Hilfe der renommierten Werbeagentur „Scholz & Friends“ bedient hat.

>> „Wuppertal 2025“ auf der Homepage der Stadt Wuppertal (bis zum 2.12. kann noch kommentiert werden)

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Transparenzhinweis:
Der Autor war von 2001 bis 2005 Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins Wuppertal Aktiv und von 2005 bis 2008 Geschäftsführer der Wuppertal Marketing GmbH.

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Foto: bluedesign – Fotolia.com

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Kommentare

  1. René Fertig-Bonacker sagt:

    Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass es technische Probleme gibt. Ich bekam jedenfalls bei meinem Versuch, das Projekt „22km-Festival“ zu kommentieren nach dem Absenden die folgende Fehlermeldung: „Unzureichende Zugriffsrechte! Sie haben keine ausreichenden Zugriffsrechte um diese Seite zu sehen. Loggen Sie sich ein oder kontaktieren Sie den dito-Administrator.“
    Die versprochene Mail mit dem Bestätigungslink kommt nicht.
    Selbst wenn man einen Account erstellt und sich damit anmeldet klappt es nicht. Da verliert man leicht die Lust an der Mitwrikung

  2. Hallo Herr Sander,

    ich habe Ihren Artikel zum Anlass genommen, mal aufzuschreiben, was mir an der Bürgerbeteiligung nicht gefällt und welche Gründe in meinen Augen dazu beitragen, dass die Beteiligung ein Rohrkrepierer ist. Das Original ist hierzufinden: http://www.tal-journal.net/2013/11/abstimmung-durch-abwesenheit-keine.html

    1.Die Einreichungsphase im Juni lief größtenteils parallel zur 1.Phase der Bürgerbeteiligung zum Haushalt. Ich werde also aufgerufen mich durch 2000 Seiten Haushalt zu lesen, und zweifach Ideen zu entwickeln – auf unterschiedlichen Plattformen mit unterschiedlicher Methodik. Ich habe es gerade noch hinbekommen, vier Vorschläge einzureichen, aber es war zeitlich arg knapp. Was machen da die Bürger, die weniger Zeit, zum Beispiel durch ein Familienleben, haben?
    2.Nachdem die Vorschläge eingereicht waren, verschwanden sie im Orkus des städtischen Briefkastens. Bürgerbeteiligung in Wuppertal ist wie eine Blackbox. Man gibt vorne etwas ein (mit viel Elan, Freude und Motivation), dann durchläuft es im verborgenen verschiedene Prozesse und schließlich kommt es hinten wieder raus, ohne dass man es noch wieder erkennt. Beispiel sollen hier meine vier Vorschläge sein. Was in der Zwischenzeit mit den Anlagen passiert ist, wer sich wann wo und wie damit beschäftigt, was die ominösen, abgeschotteten Arbeitsgruppen damit gemacht haben – ich habe keine Ahnung! Woher kommen überhaupt die Schlüsselqualifikationen, mit denen die Stadt die Vorschläge siebt – und warum dürfen WIR die nicht mitbestimmen? Sind WIR dafür nicht geeignet?
    3. Kommen wir nun zu den (willkürlich?) ausgewählten Vorschlägen. Was ist daran innovativ und so konkret, dass man darüber diskutieren kann? Das Seilbahn-Projekt! Und wo findet man alle ausgezeichneten Informationen dazu? In den Links in den Kommentaren! Wer steuert die Diskussion, worüber soll ich diskutieren? Wie wir dahin kommen? Konkrete Pläne, Ideen? Keiner weiß es.
    4. Mein Beitrag zum Luisenviertel ist in „2. Die Großstadt im Grünen: lebenswerte, aktive und grüne Stadtquartiere gelandet. Darin geht es aber nicht um mehr Grünflächen, sondern um die Gestaltung eines Viertels zu einem größeren Szene-Ausgehviertel. Bars, Kneipen, Restaurants, Plätze, das lässt sich nicht mit „mehr Grünflächen“ beschreiben. Ich verstehe die Zuordnung ehrlich gesagt nicht.
    5. Begleitet wird die Aktion Wuppertal 2025 von einer Werbeagentur. Hat jemand Werbung gesehen? Gibt es Offline-Beteiligung?
    6. Am 16. Dezember soll der Stadtrat „Wuppertal 2025“ verabschieden, in der jüngsten Sitzung beklagte der Stadtverordnete Schulz, dass die Drucksache zur 2.Phase der Bürgerbeteiligung, obwohl auf den 21.10. datiert, weniger als eine Woche vor der Stadtratssitzung vorlag. Bürgerbeteiligung ohne Politikerbeteiligung – wie soll das funktioneren? Die Stadt weiß bei Bürgerbeteiligung einfach nicht, was sie will und mit welchen Instrumenten sie dahin kommt. Beim ersten Bürgerforum zur Sperrung der B7 hat man die Bürger eingeladen an verschiedenen Thementischen Vorschläge einzubringen. Das war richtig gut! Ein Instrument zum Einsammeln von Vorschlägen. Blöderweise hat man sich bei der angekündigten Vorstellung der Lösung gedacht: „Das lief gut! Dann machen wir das nochmal!“ Leider ist das ein Instrument, was bei der Vermittlung einer Lösung dann nicht mehr funktioniert, weil es sinnfrei ist, wenn sich jeder einzeln die Ideen der Stadt und der WSW an Tischen abfragen muss – eine Kakophonie sondergleichen. Herr Slawig betont sehr gerne und oft, dass man mit Bürgerbeteiligung experimentiere – aber analysieren und planen vergisst man da wohl, so lautet mein Eindruck dieses Jahr.
    7. Am 9.11 fand zum dritten Mal das Barcamp OffeneKommunen.NRW statt. Die Verwaltung hat – nach meinen Informationen zum zweiten Mal – die Teilnahme zugesagt und am Freitag Nachmittag vor der Samstagsveranstaltung abgesagt – das sagt eigentlich alles über den Stellenwert von Bürgerbeteiligung, Kommunikation und Respekt gegenüber den Engagierten in der Stadtverwaltung. Bürgerbeteiligung ist ein Etikett, das wahllos und ohne Konzept irgendwo drauf geklebt wird – und wenn es nicht läuft, dann „will der Bürger es nicht“. (Damit will ich Georg Sander nicht vorwerfen, diese Position zu vertreten – aber sein Text zeigt, worauf es hinauf laufen kann.)

  3. Andreas Schneider sagt:

    Das Problem ist glaube ich folgendes, wie auch schon beim Haushalt gab es in der ersten Phase eine rege Beteiligung, auch bei Wtal 2025 wurden über 100 Projekte eingereicht. Nun stehen die Projekte ja fest, ebenso wie beim Haushalt die Meinung der Verwaltung anschließend feststand. So richtig weiß man nun nicht mehr, was man da diskutieren soll.

    1. Guter Hinweis, vielen Dank. Ich habe den Beitrag entsprechend aktualisiert.

      Vielleicht wäre es in der Tat besser gewesen, eine Vorauswahl online zu stellen und die endgültige Auswahl erst nach Auswertung der Kommentare zu treffen.

  4. Dieter Hofmann sagt:

    Ich habe am letzten Montag Fragen zu den Auswahlkriterien für die Schlüsselprojekte eingestellt https://2025.wuppertal.de/dito/explore?action=atmanswerarticleshow&id=2769& und bin zuversichtlich, dass sie von der Verwaltung im Laufe der Woche auch noch beantwortet werden.

    1. Dieter Hofmann sagt:

      Meine Hoffnung, innerhalb einer Woche eine Antwort der Stadt auf meine Frage nach den Auswahlkriterien für die Schlüssel- oder Leitlinienprojekte zu bekommen, hat sich leider nicht erfüllt. Ob die gestellten Fragen wohl noch nach der Beteiligungsphase beantwortet werden?

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