20.09.2013

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„Ich bin optimistisch und ich setze auf dieses Europa“

Mit dem 11. Bergischen Unternehmerkongress setzten die Wuppertaler Wirtschaftsjunioren die erfolgreiche Veranstaltungsreihe mit gleich drei hochkarätigen Referenten fort. Claus Hipp, Wolfgang Gerke und Peter Bofinger sprachen am Freitagnachmittag in der Glashalle der Sparkasse.

Bergischer Unternehmerkongress der Wirtschaftsjunioren in der Glashalle der Sparkasse.

Lars Dinglinger, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren

„Der Zeitpunkt für den Kongress könnte nicht besser gewählt werden“, fand Dinglinger und spielte damit auf die Bundestagswahl am Sonntag an. Es bleibe abzuwarten, was die Versprechen der Politiker wert seien. „Als Unternehmer werden wir nicht müde, Zuverlässigkeit von der Politik einzufordern.“ An Adressaten für den Appell mangelte es in der Glashalle nicht: mehrere Abgeordnete des Bundestages sowie Wuppertaler Vertreter im Landtag, Oberbürgermeister Peter Jung und einige Stadtratsmitglieder saßen unter den Gästen.

Oberbürgermeister Peter Jung (Mitte) mit den Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt, CDU (l.) und Manfred Zöllmer, SPD.

Peter Vaupel, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wuppertal

Die Kontinuität des Bergischen Unternehmerkongresses sage eine Menge über die Wirtschaftsjunioren als Veranstalter aus, stellte der Vorsitzende des größten Wuppertaler Kreditinstituts fest. „Die Organisatoren Lars Dinglinger und Jan Vetter haben wieder einmal erstklassige Referenten gewonnen.“ Bei den Wirtschaftsjunioren versammelten sich Menschen, die bereit seien, Verantwortung für ihre Stadt zu übernehmen. Unter Bezugnahme auf das Motto des Kongresses, „Chancen oder Risiken für den Mittelstand“, sagte Vaupel, die Sparkasse als Partner der Wuppertaler Wirtschaft schaue „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft.

Gastgeber Peter Vaupel, Sparkasse (Mitte) mit den Referenten Wolfgang Gerke (l.) und Claus Hipp.

Oberbürgermeister Peter Jung

„Herr Vaupel, Sie sind auch nach vielen Jahren bei der Sparkasse im Herzen Wirtschaftsjunior geblieben“, stellte der Stadtchef gut gelaunt fest. Der Oberbürgermeister hob die Leistungen der Wirtschaftsjunioren in diesem Jahr hervor und betonte vor allem die Landeskonferenz, bei der die Junioren die Menschen aus NRW von Wuppertal überzeugt hätten. Er betonte, dass Politik und Wirtschaft einander brauchen. Die Maßstäbe von Unternehmen seien jedoch nicht auf die Politik übertragbar. Politische Entscheidungsprozesse „funktionieren anders als in Unternehmen“, denn es gehe darum, Mehrheiten zu sichern und Kompromisse zu organisieren. „Wir bemühen uns hier in Wuppertal, eine besonders unternehmerfreundliche Politik zu machen. Wir wollen, dass die Wirtschaftsförderung die Unternehmen durch den Dschungel aus Vorschriften und Anträgen führt.“ Zum wichtigsten Wuppertaler Investitionsprojekt sagte Jung, die Stadt werde „den Döppersberg so bauen, dass sich niemand schämen muss, wenn er in Wuppertal ankommt. Der Döppersberg ist ein Symbol für die Zukunftsfähigkeit dieser Stadt.“ Er rief dazu auf, nicht nur an dem Projekt herumzunörgeln.

Prof. Dr. Claus Hipp, HiPP GmbH & Co. Vertrieb KG

„Es ist Aufgabe von uns in der Wirtschaft, uns um Ethik und anständiges Handeln zu kümmern“, begann Hipp sein Referat zum Thema „Ethik im Wirtschaftsleben“. Um ein ehrbarer Kaufmann zu sein, reiche es nicht aus, Compliance-Richtlinien zu beachten. „Ehrbar sein heißt nicht nur, zu tun was ehrbar macht, sondern auch alles Unehrbare zu unterlassen.“ Doch Ehrbarkeit sei auch ein Wettbewerbsargument, denn Verbraucher hätten ein Gespür für aufrichtiges Handeln. Überregulierung durch den Gesetzgeber sei hingegen kein Weg, Ehrbarkeit zu erzeugen. Vielmehr sei es notwendig, das Interesse aller vor das des Einzelnen zu stellen.

Claus Hipp

Große Bedeutung komme der Ausbildung bei. „Wichtiger als Vielwisser sind gebildete Menschen für ein Unternehmen.“ Deshalb sei es schädlich, wenn aus Kostengründen an der musischen Ausbildung gespart werde. Auch die Wirtschaft sei gefordert, die Kreativität junger Menschen zu fördern. Wichtig findet Hipp auch, „anständig miteinander umzugehen“. Er griff als Beispiel die Differenzierung von Oberbürgermeister Jung zum Unterschied zwischen Entscheidungsfindungen in Politik und Verwaltung auf. Korrigiere ein Unternehmer seine Meinung, spreche man von kluger Entscheidungsfindung. Ändere ein Politiker seine Ansichten, sei von Charakterlosigkeit oder Unentschlossenheit die Rede.

Prof. Dr. Wolfgang Gerke, Präsident Bayerisches Finanz Zentrum e.V.

Als Gefahr für Europa bezeichnete Gerke die US-amerikanische Geldpolitik, die dazu führe, dass der Dollar günstig und der Euro teuer bleibt. Deutschland könne damit zwar leben, aber viele andere Länder der EU hätten darunter zu leiden. Nötig, wenn auch schwer zu erreichen, sei eine Reglementierung der internationalen Notenbankpolitik. Allerdings sei nicht zu erwarten, dass sich das deutsche Verständnis von Geldpolitik europa- oder weltweit durchsetze. Gerkes These: „Wenn es uns nicht gelingt, aus der Politik des Geldflutens herauszukommen, dann steigt die Gefahr einer neuen Finanzkrise.“ Diese führe wieder zu Fehlinvestitionen, an deren Ende erneut Immobilienblasen oder ähnliche Entwicklungen stehen könnten. Es dürfe sich nicht wiederholen, dass die Steuerzahler oder die Sparer für die „Extravaganzen der Investmentbanker“ gerade stehen müssen. Dagegen können nur weitere Reglementierungen helfen.

Wolfgang Gerke

Mit der „Griechenland-Rettung“ ging Gerke hart ins Gericht. Die Milliarden-Überweisungen seien nicht dort angekommen, wo sie positive Impulse hätten bewirken können, sondern bei den Banken. Statt eines Marshallplans hätte die Politik einen „Insolvenzplan für Griechenland“ aufstellen sollen.

Quo vadis Europa? Einen Sonderweg Deutschlands hält Gerke trotz allem für den falschen Weg. „Wir sind mit Vollgas in die falsche Richtung geflogen“, konstatierte er, doch wie in einem Flugzeug gebe es einen „Point of no Return“, ab dem man nur noch durchstarten könne. Ein Zurück zur D-Mark könne es daher nicht mehr geben: „Wir müssen jetzt da durch. Alle andere Wege führen in eine politische Einbahnstraße und in die Isolation Deutschlands.“ Es seien Riesenfehler gemacht worden, doch das sei Schnee von gestern. „Die D-Mark war klasse, keine Frage“, aber die ‚D-Mark neu’ würde die deutsche Wirtschaft ins Chaos führen. Gerkes Schlusswort: „Ich bin optimistisch und ich setze auf dieses Europa.“

Prof. Dr. Peter Bofinger, Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

„Kann die Weltwirtschaft ohne Schulden wachsen?“ lautete das Thema des „Wirtschaftsweisen“ Bofinger. Sechs Jahre nach der Wirtschaftskrise sei die Finanzpolitik noch immer im „Krisenmodus“. Fiskalisch sei der Euro-Raum noch solide im Vergleich zu anderen Regionen, doch die wachsenden Schulden und die Geldpolitik machten immer noch vielen Menschen Kopfschmerzen, so Bofinger. Trotz der expansiven Geldpolitik gebe es jedoch noch keinerlei Inflationsdruck und auch in Zukunft sei nicht mit einer wachsenden Geldentwertung zu rechnen.

Peter Bofinger

Für die Zukunft empfiehlt Bofinger die Rückbesinnung auf Ludwig Ehrhard, die prägende Figur der Wirtschaftswunderzeit, und dessen Credo „Wohlstand für alle“. Die Einkommen müssten so verteilt werden, dass viele Menschen den Konsum ankurbeln. Als Vorbild führte der Wirtschaftswissenschaftler ausgerechnet China an, wo man nach dem Abschmelzen des privaten Konsums in den vergangenen Jahren nun auf die Erhöhung des privaten Verbrauchs setze.

In Deutschland stünde derzeit großen Geldvermögen nur eine geringe Investitionsneigung gegenüber, das erkläre die niedrigen Zinsen. Mit der Schuldenbremse des Staates würde sich diese Situation noch verschärfen. Bofinger: „Wenn alle sparen und keiner investiert, sind niedrige Zinsen die Folge.“ Die Grenze, ab der Staatsverschuldung gefährlich werde, sei schwer zu definieren, die Schuldenstandsquote sei in Japan immerhin zweieinhalb mal so hoch wie im Euro-Raum. Problematisch werde es dann, wenn eine Volkswirtschaft keine eigene Währung habe, mit denen sie ihre eigenen Anleihen aufkaufen kann. Genau darunter würden Euro-Länder wie Spanien aktuell leiden, so Bofinger. Staatsverschuldung sei sinnvoll, wenn damit Zukunftsinvestitionen finanziert werden. „Deutschland hat viel mehr unter falschem Sparen gelitten als unter einer überhöhten Staatsverschuldung“, lautete die Headline über Bofingers letztem Chart.

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Fotos: Georg Sander

 

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