04.07.2013

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Kreative diskutieren: Darf man ein Design verschenken?

In der Hebebühne trafen sich am Mittwochabend rund vierzig Wuppertaler Kreative, um die Schenkung eines Stadtdesigns durch die Agentur Illigen Wolf Partner zu diskutieren.

So intensiv war einem geschenkten Gaul selten ins Maul geschaut worden. Als die Agentur Illigen Wolf Partner der Stadt vor kurzem ein neues Corporate Design (CD) überreichte, mochten sich viele Branchenkollegen mit der Gratisleistung überhaupt nicht anfreunden. In einem Offenen Brief übten rund fünfzig von ihnen deutliche Kritik sowohl an der schenkenden Agentur als auch am Verhalten der Verwaltung.

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Bei einem Treffen am Mittwochabend in der „Hebebühne“, an dem rund vierzig Vertreter der lokalen Kreativszene teilnahmen, sollte, wie es Gastgeber Dirk Büchsenschütz formulierte, die „aufgebauschte Diskussion“ in eine Richtung gebracht werden und Kommunikation an die Stelle von teilweise emotionalen Facebookkommentaren treten. Etwas Gutes vermochte er in der ganzen Aufregung um das geschenkte CD auch zu entdecken: „Vielen Dank an Rick Wolf und Jörg Illigen, dass Ihr uns Gesprächsstoff und einen Grund geliefert habt, zusammenzukommen.“

Links: Christian Büning, Jörg Illigen, Rick Wolf

Hat die Designschenkung einen bezahlten Auftrag verhindert?

Christian Büning, Präsident des Berufsverbandes der Kommunikationsdesigner, war aus Münster angereist, um die Debatte der Wuppertaler Kollegen zu moderieren: „Ich versuche heute, den Heiner Geissler zu machen.“ Er sehe keinen richtigen Skandal, aber jede Menge Diskussionsbedarf. Der Abend solle Antworten auf die Frage bringen, ob etwas schiefgelaufen sei. Büning fasste die bisherige Diskussion noch einmal zusammen und schilderte, wie es zur Designschenkung gekommen war. Einer der Streitpunkte sei, ob die Annahme der Schenkung durch die Stadt einen bezahlten Auftrag verhindert habe oder nicht. Büning kritisierte in seinem Eröffnungsstatement die Vorgehensweise von Teilen der Presse und der Stadtverwaltung bei der Kommunikation des in Öffentlichkeit und Politik heftig  umstrittenen Auftrags an Scholz & Friends. Es sei in der Bevölkerung der falsche Eindruck entstanden, dass die Düsseldorfer Kreativen für den Slogan „Wuppertal – macht was anders“ 200.000 Euro erhalten hätten. Tatsächlich gehe es bei dem Job aber um die Steuerung eines ganzen Entwicklungsprozesses.

So richtig "lecker" fand die Wuppertaler DesignerszeneSo richtig „lecker“ findet die Wuppertaler Designerszene die Gratisleistung von Illigen Wolf Partner für die Stadt nicht. Der Abend in der Hebebühne brachte immerhin eine Annäherung.

Jörg Illigen schilderte seine Motivation für die Schenkung: „Die Ausgangslage war desolat. Von Corporate Design konnte bei der Stadt keine Rede sein. Es war dringender Handlungsbedarf. Man konnte darüber meckern oder es ändern. Wir sagten uns, man kann ja durchaus mal etwas Gemeinnütziges tun.“ Illigen ist sich sicher, dass es auf regulärem Weg nie zu einem neuen CD gekommen wäre. Die Verwaltung sei wegen der Schieflage des Haushalts noch auf Jahre hinweg außerstande, solche Aufträge zu vergeben. Von der Kämmerei sei seiner Agentur daher auch die klare Vorgabe gemacht worden, dass das Design keinen Cent an Kosten verursachen dürfe. Die Manpower, die die Stadt in das Projekt gesteckt habe, und die indirekt auch ein Kostenfaktor sei, hält Illigen für „nicht wirklich viel“.

Debatte in sachlicher und freundschaftlicher Atmosphäre

Nach dem Statement von Illigen kreisten die Wortbeiträge aus der versammelten Kreativszene vor allem um Details des Abstimmungsprozesses mit der Stadt und die Frage, wie das neue Design diskutiert und verabschiedet wurde. In Anbetracht der Emotionen, die im Vorfeld die Debatte mitbestimmt hatten, verlief die Aussprache angenehm sachlich und geradezu freundschaftlich.

Rick Wolf stellte klar, dass mit der Stadt keine Folgeaufträge vereinbart worden seien. Die Stadt habe eigene Designer, die künftig mit dem neuen CD arbeiten und die Publikationen aus dem Rathaus nach und nach aktualisieren würden. Die Motive, die bereits der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, seien lediglich Gestaltungsbeispiele. Diese Entwürfe seien nicht aufgrund konkreter Anforderungen der Stadt entstanden.

Stadt schmückt sich mit lokaler Kreativszene – und vergibt Großauftrag nach Düsseldorf

Die Kreativen in der Hebebühne äußerten ihr Unverständnis darüber, dass die Bekanntgabe des neuen Corporate Designs durch die Stadt beinahe zeitgleich mit der Beauftragung von Scholz & Friends kommuniziert worden sei. „Die beiden Dinge müssen ja irgendwie zusammenpassen“, wunderte sich einer der Designer. In Anbetracht der 200.000 Euro, die indirekt aus städtischen Mitteln an die Großagentur bezahlt würden, stelle sich die Frage nach der Wertschätzung der Designleistung von Jörg Illigen und Rick Wolf durch das Rathaus. Die Stadtspitze schmücke sich gerne mit der Wuppertaler Kreativszene, aber wenn es darauf ankomme, nehme man von den lokalen Grafikern Geschenke an und gebe 200.000 Euro nach Düsseldorf.

Rick Wolf sah das entspannter als die Kollegen. Man könne eine ehrenamtliche Leistung nicht mit einem bezahlten Auftrag vergleichen und im Wissen um die Dimension des Jobs von Scholz & Friends auch nicht im Nachhinein in Rechnung stellen. Auf die Frage, ob das unentgeltliche Engagement seiner Agentur nicht überzogen sei, stellte er fest, dass allein der Schenkende den Wert seines Geschenks bestimme. Im Übrigen hätten er und Jörg Illigen das neue Design nicht in erster Line für die Stadtverwaltung entworfen: „Die Stadt, das sind wir doch alle.“

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Foto: Georg Sander

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