08.04.2013

cadossier City-Arkaden Wuppertal Einzelhandel Elberfeld

Peinliches Video

Es ist erstaunlich, wen die Gegner der Erweiterung der City-Arkaden aufbieten, um ihr Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die jüngste Meinung gegen das Projekt stammt von Gary Brooker, dem Gründer von Procol Harum.
Meinung von njuuz-Herausgeber Georg Sander.

Was qualifiziert einen englischen Musiker wie Gary Brooker dazu, sich zu einem Investorenprojekt in Wuppertal zu äußern? Vielleicht gibt darüber die Einblendung am Anfang des kurzen Videostatements der Erweiterungsgegner „Wir Wuppertaler“ Auskunft: „Jetzt sind Sie schon seit fast einer Woche in Wuppertal und haben auch die Innenstadt gesehen…“. Derart fundiert präpariert, bezieht Brooker dann auch wunschgemäß Stellung:

Wuppertal „braucht keine Erweiterung. Ich lebe in England, wo alle kleinen Geschäfte verschwinden, die guten Service anbieten. Man verliert das Herz der Stadt.“

Um es klar zu sagen: Es gibt nachvollziehbare Gründe, gegen die Ausdehnung der City-Arkaden zu sein. Viele Wuppertaler sind besorgt, dass der Erweiterungsbau  von der Center-Betreibergesellschaft ECE ähnlich instinktlos umgesetzt wird wie die Überführung über die Morianstraße. Und gegen die Angst mancher Bürger, dass so ein Center den inhabergeführten Facheinzelhandel weiter verdrängt, tut ECE wenig.

Überhaupt wirkt die Öffentlichkeitsarbeit  von ECE alles andere als professionell. Anstatt mit konkreten Planungen zu überzeugen und die offensichtlichen Vorzüge des Projekts darzustellen, hat das Unternehmen eine Grafik veröffentlicht, die lediglich den enormen Flächenverbrauch für die Erweiterung aufzeigt und damit zwangsläufig Ängste und Ablehnung provoziert.

Doch das Video der Erweiterungsgegner ist, mit Verlaub, ein peinlicher Witz. Ein 67jähriger Musiker, der unsere Stadt nur von der Durchreise kennt, begründet seine Ablehnung eines Wuppertaler Investorenprojekts mit haltlosen Analogien zur Situation in England.

Wenn die Initiative „Wir Wuppertaler“ als Gegner der Arkadenerweiterung ernst genommen werden will, sollte sie mit Argumenten punkten anstatt sich mit solchen Filmchen selbst vorzuführen. Immerhin: ab Minute 1:15 wird das Video dann richtig gut, denn nach dem Gefälligkeitsstatement von Gary Brooker folgt eine Live-Version von „A Whiter Shade Of Pale“.

>> Zum Video mit Gary Brooker

>> Dörte aus Heckinghausen: Kommt nach Barmen

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Kommentare

  1. petzi sagt:

    Wer ist denn qualifiziert etwas zum Thema zu sagen, Herr Sander? Gewiß ein einfacher, durchfahrender Musiker hat nach ihren Vorstellungen natürlich keine Qualifikation, besonders dann, wenn er „haltlose Analogien“ aufbaut, zu einer Situation die er schon aus seinem Heimatland kennt. Und wenn ein druchreisender Musiker schon nicht qualifiziert ist, wo ist dann eigentlich der Unterschied zum einfachen, nicht-durchreisenden Bürger.

    Vermutlich sind nur Experten qualifiziert etwas zum Thema zu sagen, und da wird es sicher welche geben, die nachweisen, dass die Arkadenerweiterung dringend notwendig wird. Wenn wir das Thema auf diese Ebene hieven, sollte man allerdings nicht vergessen, dass es bereits Experten gibt, die den negativen Einfluss der innerstädtischen Shopping-Malls auf den Rest der City nachgewiesen haben.

    Für mich hat Gary Brooker die Sache auf den Punkt gebracht, als er sagte, wir hätten hier ein wunderbares Shopping Center in den Arkaden, und mehr brauchen wir wirklich nicht. Und da hatte er trotz mangelnder „Qualifikation“ einfach recht.

    Wer Einzelhandelsfläche braucht sollte hier mal nachfragen:

    – Sport Arena Gebäude
    – Haus Fahrenkamp (oberste 3. Etagen)
    – Rathhaus Galerie
    – ehemaliges Sportgeschäft gegenüber Kaufhof Ausgang
    – Ohligser Mühle Gebäude
    – Koch am Wall (die oberen Etagen)
    – Neumarkstr. weiter oben steht einiges leer

    Diese Liste ist nicht vollständig, sondern nur das, woran ich micht spontan erinnere.

    Die Verantwortlichen bei der Stadt sollten sich mal folgenden Artilkel auf der Seite der Wuppertaler durchlesen: http://diewuppertaler.wordpress.com/2013/04/02/ausgestorben-zu-gros/

    Da stecken genügend viele Argumente drin, warum wir der ECE eine sofortige Abfuhr erteilen sollten, denn die geplante Erweiterung schwebt wie ein Damoklesschwert über allen Investitionsentscheidungen. Das Vorhaben behindert Investitionen solange, bis es zur endgültigen Entscheidung gekommen ist. Die Verwaltung hat damit der City einen Bärendienst erwiesen, der aktuelle Vorhaben und Entscheidungen lähmt.

  2. Manfred Kurz sagt:

    Ganz gleich, ob Gary Brooker Wuppertal kennt oder nicht – in der Sache hat der gute Mann hat Recht. Der Einzelhandel stirbt, das läßt sich nicht schönreden. Und wer behauptet, dass Shoppingmalls daran unbeteiligt seien, ignoriert geflissentlich die entsprechenden Studien. Warum soll dass, was er in England beobachtet hat, vom Prinzip her falsch sein? Man muss in der Tat nur kuz durch die Stadt gehen, um die Situation zu erfassen.

  3. Petra Schmidt sagt:

    Man kann über die City-Arkaden denken wie man will. Aber man darf Herrn Brooker nicht die Qualifikation absprechen, etwas zu Shopping Cenetrn zu sagen und direkt zu seinem Bild die Überschrift Peinliches Video schreiben. Das schadet auch dem Ansehen Wuppertals. Wir hier in Wuppertal können stolz darauf sein, daß eine so einmalige Band wie Procul Harum bei uns spielt und nirgendwo anders. Wenn das die Meinung von Herrn Brooker ist, muss er sie auch sagen dürfen ohne beleidigt zu werden.

  4. Thomas Wagner sagt:

    Aus welchen Gründen sollte Gary Brooker nicht qualifiziert sein, eine Meinung zu Shopping Centern zu äußern?
    Weil er Engländer ist?
    Weil er Musiker ist?
    Weil er 67 ist?
    Und was spricht eigentlich dagegen, hinsichtlich der Auswirkungen von Shopping Center Vergleiche zwischen England und Deutschland zu ziehen?
    So abstrus sind die geäußerten Bedenken ja nun nicht!
    Und warum sollte ein Weltstar wie Gary Brooker ein Gefälligkeits-Statement abgeben, wenn seine Aussagen nicht auch seiner tatsächlichen Haltung entsprechen würden.
    Gibt es nicht vielleicht sehr, sehr gute Gründe dafür, dass sowohl Lokalpolitik als auch ECE (trotz professionellster PR-Abteilung) die öffentliche Diskussion eher vermeiden als sie zu führen?
    Dies könnte zum Beispiel daran liegen, dass alle vermeintlichen Pro-Argumente einer ernsthaften und fundierten Diskussion nicht standhalten würden.
    Wegen dieses offensichtlichen Interesses, die öffentliche Diskussion zu verhindern, bin ich froh darüber, dass die Initiative (die auf ihrer Internetseite absolut seriös argumentiert) auch unorthodoxe Wege sucht und findet, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.
    In diesem Sinne natürlich auch einen herzlichen Dank an die Njuuz, die auch mit einer kritischen Meinung immerhin dazu beiträgt, dass die City-Arkaden im Gespräch bleiben.
    Ein Wuppertal- und Procol-Harum-Fan

  5. dirk diestelhorst sagt:

    Peinlich ist nur das wieder eine Hand voll Stadtväter sich über das Bürgertum hinwegsetzt .Wuppertal braucht kein Ikea keinen neuen Döppersberg und auch keine Erweiterung der City -Arkaden ,was Wuppertal braucht ist eine unabhängige Politik ,Pressefreiheit ,und keinen Größenwahn.

  6. Lieber Herr Sander,
    gut, dass dieser Artikel als „Meinung“ deklariert ist. Gut auch, dass Sie die Sorgen vieler Wuppertaler und die „nachvollziehbaren Gründe gegen die Ausdehnung der City-Arkaden“ nicht unerwähnt lassen. Weiterhin, dass von Seiten der Planer bislang noch kein einziges Argument zu hören ist, das – aus der Perspektive Wuppertals – für das Projekt sprechen könnte. Und tröstlich, dass Ihnen das Video wenigstens ab Minute 1:15 gefällt.
    Selbstverständlich hat die Initiative Die Wuppertaler auch jede Menge gute und fundierte Argumente: Die finden interessierte Leser auf
    http://diewuppertaler.wordpress.com/
    Dazu auch jede Menge Hinweise auf weiterführende Informationen aus anderen, höchstseriösen Quellen (Linktipps).
    Besonders interessant: Das Interview mit den Stadtplanern Rolf Junker und Stefan Kruse http://wp.me/p35uFL-eo – Dabei beachtenswert: Die hier zu hörenden Statements von orts- und fachkundigen Menschen sind inhaltlich von den Äußerungen Gary Brookers gar nicht so weit entfernt…

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