04.11.2012

Die WOGA – eine Nachbetrachtung

Am vergangenen Sonntag ist die diesjährige WOGA - Wuppertals offene Ateliers und Galerien - für Künstler und Besucher äußerst erfolgreich und zufriedenstellend zu Ende gegangen. Eine persönliche Nachbetrachtung.

Mit 167 Beteiligten, verteilt über das gesamte Stadtgebiet Wuppertals, hat die WOGA inzwischen eine Größe erreicht, die an beiden Wochenenden eine strenge Selbstbeschränkung in der Auswahl der Ateliers und Galerien auferlegt, denn wollte man jeden Ort besuchen, blieben rechnerisch gerade 9 Minuten, um Kunst und Mensch kennen zu lernen und dass auch nur dann, wenn schon die Technik des Beamens zur Verfügung stehen würde. Die folgende Auswahl war das Ergebnis:

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Wiescher Straße

Wiescher Straße

Das Atelierhaus Wiescher Straße
Über eine schmale Treppe betritt man das imposante Fabrikgebäude, welches auf seinen 3 Etagen unzählige Atelierräume beherbergt. Maler haben hier ihre Arbeitsräume, Fotografen ihre Studios und die Druckgrafik ist mit ihren traditionellen Techniken wie der Lithografie, der Radierung, dem Holzschnitt, dem Buchdruck und dem Linolschnitt vertreten.

Atelier Syngraph

Mit ihrem Atelier „Syngraph“ wollen Peter Paulus und Stephan Werbeck die traditionellen handwerklichen Techniken der Druckkunst bewahren, weshalb sie neben ihrer eigenen Arbeit, Kurse in ihren Räumen anbieten. Sie setzen damit einen schwergewichtigen Kontrapunkt gegen das digitale Produzieren. Hier wird noch Material gestemmt, es riecht nach Farbe, nach Lösungsmitteln und Handarbeit. Feine Büttenpapiere liegen herum oder hängen fertig bedruckt im Trockengestell. Hier brauchen die Arbeiten ihre Zeit, die Material und die gewählte Technik vorgibt. Als Vorlagen dienen die Natur, das eigene Gesicht, oder Objekte der Umgebung. Eine Etage höher hat der BBK seine Druckwerkstatt. Eine Mädchen testet unter der Anleitung einer erfahrenen Druckerin ihren ersten Linoldruck und staunt „eine Katze“! An den Wänden hängen Katzenillustrationen. Kein Wunder, dass auch Buchbinder Roger Green ein Haus weiter seine Werkstatt bezogen hat. Hier entstehen hochwertige mit der Hand gebundene Bücher.

Installation in Utopia Stadt

Utopiastadt
In Utopiastadt – dem ehemaligen Mirker Bahnhof geht es ganz anders zu. Gleichzeitig zur WOGA feiert das Medienprojekt Wuppertal in den unteren Räumen sein 20-jähriges Bestehen. Hunderte Jugendliche drängen sich in dem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Vor der Türe steht ein veganer Imbiss, und weil es inzwischen kalt geworden ist, haben freundliche Menschen eine Tonne mit einem kleinen Feuerchen darin, aufgestellt. Projektionen an den Wänden, das Flackern eines Films in den Innenräumen, die dunklen Figuren, der alte im Umbau befindliche Bahnhof verwandeln den Ort in eine an ein Filmset erinnernde Kulisse a la „Bladerunner“.

Atelier von Gregor Eisenmann

Im Treppenhaus von Utopiastadt wird der Besucher von einem alten Fernseher aus den 50-iger Jahren empfangen, auf dessen Monitor Bilder der Überwachungskameras aus den Ausstellungsräumen flimmern. Der Hackerspace, der sich in Utopiastadt niedergelassen hat, machts‘ möglich. In der ersten Etage stellen Gregor Eisenmann, Christian Hang, Sven Pacher und Katrin Adam aus.

Arbeit von Katrin Adam

Während Eisenmann großformatige collagenartige Bilder herstellt, mit Klang und Lichtinstallationen arbeitet, lotet Christian Hang das kleine Format des Polaroidfilms aus. Katrin Adam dagegen, nutzt das große Negativformat einer zweiäugigen Spiegelreflexkamera für ihre schwarz-weiss Fotografien. Gegensätzlicher können Arbeiten kaum sein.

Arbeit von Christian Hang

Utopiastadt ist ein unfertiger Ort, einer der Gegensätze anzieht und zu etwas Neuem bisher noch nicht Definierbaren zusammen mixt. Diesen Geist leben die hier arbeitenden Künstler. Sie alle beteiligen sich mit Herz und Hand am Umbau des Bahnhofs, zu einem kreativen, inspirierenden Ort.

Arrenberg
Am Arrenberg zeigen die Galerien Epikur, Pass Project und Küppers Arbeiten Berliner und Wuppertaler Künstler. Der Künstler Kai Fobbe stellt in seinem Atelier seinen Kollegen Stefan Wiesenau aus. So unterschiedlich die Räume sind, so unterschiedlich sind auch die gezeigten Arbeiten.

Galerie Epikur

In den herrschaftlich, repräsentativen Räumen einer ehemaligen Fabrikantenvilla zeigt Steffen Schneider in seiner Galerie „Epikur“ Ölgemälde von Sperrmüllansammlungen des Berliners Malte Hagen Olbertz und Abzüge des Fotografen Olaf Joachimsmeier von Wuppertaler Unorten.

Galerie Pass Project

Pass Project – die Galerie von Bolle Grölle dagegen, liegt in einem Hinterhof, einer ehemaligen Produktionsstätte für irgendetwas. Die Wände weiss aber uneben, der Boden grau, die Versorgungsleitungen für Wasser und Strom sichtbar.  Blast! Explosion heißt die Ausstellung und zeigt Arbeiten der Berliner Künstlerin Isabel Kerkermeister.

Atelier von Kai Fobbe mit eigenen Videoarbeiten

In seinem Hinterhofraum stellt Kai Fobbe eigene Video-Arbeiten und Arbeiten seines Kollegen Stefan Wiesenau aus. Allerlei Chaos an den Wänden unter Tüchern verborgen, noch kaputte und staubige Scheiben – Fobbe hat sein Atelier erst vor ein paar Tagen bezogen. Zwischen dem nur notdürftig beiseite Geräumten, das Porträt eines Mädchens, sich kaum merklich in ihrem Rahmen bewegend, oder eine pelzig graue Rauchmaschine, die Zigaretten in kaum einer Minute geraucht hat.

Alte Desinfektionsanstalt

Sie sind klein, wirken fast quadratisch – die beiden kleinen Backsteinhäuschen der ehemaligen Desinfektionsanstalt der Klinik am Arrenberg. Die Innenhöfe durch natürliche Materialien in unterschiedliche Areale streng unterteilt, haben eine klare, einfache Gestaltung. Die Wände der beiden symmetrisch angeordneten Gebäude aus rotem Backstein sind innen unverputzt und roh belassen, während der Boden sorgfältig mit grauen Steinfliesen verlegt ist. In diesen Räumen stellt die Familie Küpper die Berliner Gruppe „New Factory“ aus.

Während beider Wochenenden haben zahlreiche Wuppertaler die Chance genutzt, für sie nicht alltägliche Winkel ihrer Stadt zu durchstreifen, um die dort arbeitenden Künstler zu treffen. Deutlich zu erkennen waren sie an dem blau – weißen Flyer der WOGA, dessen Adressverzeichnis ihnen als Wegweiser diente und der von zahlreichen zweier – bis sechser – Grüppchen vor sich her getragen wurde. „Am Samstag war es ja schon voll, aber am Sonntag hatten wir kaum mal eine Minute zum Durchatmen und waren abends entsprechend müde, aber auch glücklich,“ lautete dann auch der Kommentar von Katrin Adam. „Wir sind total zufrieden mit dem Zuspruch, die Besucher waren sehr interessiert. Soweit ich weiß, haben wir auch alle etwas verkauft!“ Wuppertal hat eine vielfältige und spannungsreiche Kunstszene und eine große Anzahl von Orten mit höchst unterschiedlicher Aussagekraft, das haben die beiden Wochenenden gezeigt. Solche Begegnungen wie die WOGA sie organisiert, sind spannend für alle Seiten. Sie formen die Identität und die Lebensqualität einer Stadt und stärken sie.

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Kommentare

  1. Udo Kowalski sagt:

    WOGA Wiescherstrasse

    In der Hektik untergegangen ist leider, das im Atelierhaus Wiescherstrasase in vier Studios der
    dort ansässigen Fotografen eingebrochen und hochwertiges Kamera- und Rechnerequipment gestohlen wurde. Es wird vermutet, das die Einbrecher sich während der WOGA einen Überblick verschaffen konnten. Tage vorher und nachher sind weitere Fotostudios im Bergischen Land auf ähnlicher Weise ausgeraubt worden, so daß von Diebstahl auf Bestellung ausgegangen werden kann. Es bleibt zu hoffen, das die Idee der WOGA durch solch kriminelle Aktion von aussen keinen Schaden leidet. Die Fälle werden von der Wuppertaler Kriminalpolizei bearbeitet.

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