05.06.2012

Albtraum Premiere? Von Pannen, Ängsten und Glücksgefühlen

Der Prozess. Ein Stück des Jugendclubs Lampenfieber des Wuppertaler Kinder- und Jugendtheaters. In verschiedenen Blogs berichten die Teilnehmer des Jungen Theaterfestivals Wuppertal, das vom 17. bis 24. Juni in der Börse stattfindet, über den Fortgang ihrer Proben, peinliche Pannen und die Herausforderung, Theater zu spielen. Text: Jeanne Knoke.

Die Panik vor der Premiere äußert sich bei jedem anders: Bei mir sind es die Träume. Vor jeder Premiere habe ich immer exakt denselben Traum: Ich komme ein paar Minuten später als alle anderen, und es herrscht das reinste Chaos. Nur knapp die Hälfte der Schauspieler habe ich schon mal gesehen, und die Kostüme sehen irgendwie auch anders aus als das letzte Mal. Während ich noch versuche, mich zu orientieren, schreit mir irgendjemand zu: „Jeanne! Hallo? Du musst auf die Bühne!”

Auf meine Frage, was zur Hölle denn los sei, kriege ich nur ein angespanntes: „Wir haben ein paar Sachen geändert.” Spätestens jetzt fällt mir auf, dass irgendwas schief läuft. Ich bin doch erst in der achten Szene dran. Aber da mich von allen Seiten Leute schubsen und anfauchen, stolpere ich immer noch ziemlich planlos ins Scheinwerferlicht.

Ja, da steh ich… Alle starren mich an und ich habe nicht die leiseste Ahnung, was ich sagen soll. Welche Rolle spiele ich? Und welches Stück überhaupt? Dann wache ich auf, und die Aufführung liegt noch vor mir. Aber ich kann alle, die noch nie Theater gespielt haben beruhigen: So läuft es nie.

Klar ist man nervös. Die Top drei der Premierenpaniken sind: 1. Text vergessen, 2. Den Auftritt verpassen. 3. Deine Kollegen lassen dich irgendwie hängen. Doch egal, wie fertig man ist, man ist doch nicht allein damit. Sich gegenseitig zu beteuern, dass schon alles gut gehen wird, ist Tradition. Wer „danke” auf ein „Toi, toi, toi” antwortet, ist auf einmal doch abergläubischer, als er dachte.

Während das Licht im Zuschauerraum ausgeht, wirft man sich ein noch ein hektisches Lächeln zu und stolpert mehr die Treppe zur Bühne hoch, als dass man steigt. Ein paar letzte Gedanken schießen einem durch den Kopf: „Bitte, lass mich nicht stolpern oder meinen Einsatz verpassen. Vielleicht hätten wir die Szene doch noch mal proben sollen? Hoffentlich verstehen die Zuschauer den Witz. Und, Moment mal: Habe ich an den Stift gedacht, den ich dringend für diese Szene brauche?“

Doch in dem Moment, in dem man anfängt zu sprechen, ist es vorbei. Das Publikum ist für einen verschwunden, und auch das Textgedächtnis ist auf einmal wieder besser. Selbst wenn etwas nicht so läuft wie geplant, fällt es weit seltener auf, als man als Schauspieler denkt.

Obwohl man aufgeregt ist, obwohl man hart für eine Premiere arbeitet, ist es doch allemal wert für diesen einen Moment in dem Spannung und Nervosität von einem abfallen und man glücklich ist, hier auf der Bühne stehen zu dürfen.

Mehr Texte und Informationen zu Stücken und Spielzeiten gibt es auf: www.jungestheaterfestival-wtal.de

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