20.01.2012

Das Warenhaus – Konsumtempel und Ort der Moderne

Die Begegnungsstätte Alte Synagoge feiert im April den 100. Geburtstag des einstigen Tietz-Baus am Neumarkt - heute Galeria Kaufhof - und erinnert damit an ein bedeutendes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte

Eins der bekanntesten und größten Kaufhausgebäude in Wuppertal feiert demnächst seinen 100. Geburtstag. Am 24. April 1912 eröffnete am Neumarkt in Elberfeld die Leonhard Tietz AG ein neues und modernes Warenhaus. Das Haus, dessen imposante Nordfassade immer noch beeindruckt und heute die „Galeria Kaufhof“ beherbergt, wurde nach Plänen des bekannten Architekten Wilhelm Kreis entworfen. Neben dem Tietz-Warenhaus in Düsseldorf (1909) galt das in Elberfeld als das größte und bedeutendste seiner Art in Westdeutschland. Mit drei prunkvollen Lichthöfen, sechs Treppenhäusern und zehn Fahrstühlen bot er eine einzigartige städtebauliche Attraktion, die weit über das Wuppertal ausstrahlte und einen Meilenstein in der zeitgenössischen Warenhaus-Architektur setzte. Warenhäuser waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur „Tempel des Konsums“, sondern auch herausragende Kristallisationspunkte des modernen, großstädtischen Lebens.

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Die Begegnungsstätte Alte Synagoge wird zum 100. Geburtstag des Tietz-Gebäudes im April eine zweiwöchige Veranstaltungsreihe organisieren, mit Vorträgen, Ausstellungen, Stadtrundgängen und der musikalischen Warenhaus-Revue „Es liegt in der Luft“ von Mischa Spoliansky aus dem Jahr 1928. Unter dem Motto „Tempel des Konsums und Ort der Moderne“ blättert diese Veranstaltungsreihe ein bedeutendes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte auf. So erinnert die Begegnungsstätte z.B. auch an den jüdischen Firmengründer Leonhard Tietz. Der ideenreiche Kaufmann, der zum wegweisenden Pionier der Warenhausentwicklung in Deutschland wurde, hatte 1879 in Stralsund sein erstes Geschäft eröffnet. Schon 1889 verlegte er seinen Wohnort und Firmensitz in die aufstrebende Industrie- und Handelsmetropole Elberfeld. Vom Wuppertal aus nahm sein Unternehmen dann einen rasanten Aufschwung. Über viele Jahrzehnte war „Tietz“ der „größte Kaufpalast“ der Stadt und einer ihrer beliebtesten Anziehungspunkte. 1933 wurde das erfolgreiche Unternehmen von den Nationalsozialisten zunächst boykottiert und dann in „arischen“ Besitz überführt. Sie entließen die jüdischen Mitglieder der Firmenleitung, trieben die Tietz-Familie ins Exil und benannten das Unternehmen in „Westdeutsche Kaufhof AG“ um.

Eine „Schaufenster-Ausstellung“ soll Kaufobjekte, Souvenirs und andere Dinge zeigen, die aus dem Warensortiment von von „Tietz“ stammen. Dazu werden Wuppertaler Bürgerinnen unjd Bürger gebeten, der Begegnungsstätte leihweise solche Gegenstände zur verfügung zu stellen. Wer also noch alte Tischwäsche, Porzellan, Taschen, Kleiderbügel, Kassenzettel, Schuhanzieher o.a. bei „Tietz“ gekauftes Gut besitzt, ist herzlich zur Mitwirkung an dieser Ausstellung eingeladen.

Das mit vielen interessanten Veranstaltungen reich gespickte Programm wird gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, dem Förderverein der Begegnungsstätte Alte Synagoge und der Familie Mittelsten-Scheid. Als Kooperationspartner wirken mit: Der "Tietz" bot alles unter einem Dach und stärkte Wuppertal als HandelsstandortGaleria Kaufhof (Filiale Elberfeld), die Bergische Universität (Studiengang Musikpädagogik) und der Bergische Geschichtsverein, Abt. Wuppertal. Im März wird ein ausführliches Veranstaltungsprogramm mit allen Terminen erscheinen. Weitere Informationen im Internet: www.alte-synagoge-wuppertal.de

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