18.03.2011

Bergische Universität Fachebreich Sicherheitstechnik Innovationslabor Sachsenröder

Vom Berg heruntergekommen

Die Bergische Universität Wuppertal und der Unternehmer Dirk Sachsenröder haben in der Elberfelder Innenstadt das Innovationslabor Bergisches Land auf den Weg gebracht


Die Einladung Dirk Sachsenröders nahm die Universität beziehungsweise Joachim Marzinkowski vom Fachbereich Sicherheitstechnik  (Fachgebiet Umweltchemie) gerne an, denn der Professor weiß nur zu gut: „Wir müssen vom Berg herunterkommen“. Und so habe sich die Uni auf den Weg ins Tal gemacht, um mithilfe des Innovationslabors Bergisches Land „über den Tellerrand zu schauen, und zwar von beiden Seiten“. Das fing 2007 mit einer ersten Zusammenarbeit zwischen der Firma Sachsenröder und der Bergischen Universität an und mündete jetzt in der offiziellen Eröffnung des Innovationslabors in der Kasinostraße – unter anderem auch, weil sich in den Räumen der Universität keine geeigneten Labore dafür fanden. Zudem half die Universität bei der Ausschreibung, sodass das Innovationslabor nun zu einem sogenannten Ziel-2-Förderprojekt geworden ist.
Obwohl in der Innenstadt gelegen, befindet sich das Innovationslabor nun an einem altehrwürdigen Standort der Textilindustrie, nämlich in einer alten Spinnerei im „Glanzstoff“-Komplex, der heute überwiegend dem Konzern Teijin gehört. Vermieter der Räume ist das Textiltechnische Institut, das zum Beispiel Prüfungen und Beurteilungen von Textilien für technische und moderne Anwendungen sowie Beratung und Expertise anbietet. 2002 wurde es nach Angabe von Geschäftsführer Thomas Schnurbusch aus dem Glanzstoff-Nachfolgeunternehmen herausgelöst und hat heute 25 Mitarbeiter.

Forschen, entwickeln, lernen, einstellen

Die Firma Sachsenröder hat das Labor mit einer 160.000 Euro teuren Maschine ausgestattet, die auch im kleinen Maßstab produzieren kann, aber vor allen zur gezielten Forschung zur Verfügung stehen soll. Die Finanzierung wurde laut Sachsenröder zur Hälfte aus Fördermitteln ermöglicht.
Inhaltlich geht es darum, den Produktionsprozess eines bestimmten Materials (Savutec) zu optimieren und das Entwicklungspotenzial dieser Vulkanfiber zu erforschen. Dabei handelt es sich um ein von Sachsenröder entwickeltes Produkt aus Baumwollfasern. Savutec ist laut Sachsenröder ein fester, hornartiger Werkstoff, der sich gut formen lässt, „hart, zäh und verschleißfest“ ist und zudem eine hohe mechanische Belastbarkeit sowie extreme Zugfestigkeit aufweise. Das Material eigne sich zum Beispiel als Trägermaterial für Schleifmittel, als geformtes Stanzteil in Dichtungen oder als Einlage in medizinischen Geräten.

Vorteile auf allen Seiten

Für Sachsenröder liegt der Vorteil in dem ausgelagerten Labor darin, dass Forschung nur selten im Alltagsgeschäft stattfindet. Im Innovationslabor habe man jedoch Zeit, sich gemeinsam mit Studierenden sowie Diplomanden und Doktoranden bestimmten Themen eingehender zu widmen. Daneben würden seine Mitarbeiter zudem von den Uni-Angehörigen lernen – und umgekehrt, so Sachsenröder. Und: Die Auslagerung sei ein wichtiges Instrument gegen die eigene Betriebsblindheit. So könne man vermeintliche Innovationen hinterfragen und am Ende vielleicht wieder neu zusammensetzen. Und nicht zuletzt präsentiere sich das Unternehmen als potenzieller Arbeitgeber der Studierenden.
Darüber hinaus können und sollen auch weitere (nicht im Wettbewerb miteinander stehende) Unternehmen aus dem Bergischen Land im Innovationslabor erforschen, ob das Material auch für ihre Zwecke eingesetzt werden kann. Daraus könnte dann ein Netzwerk entstehen, das weitere Innovationen hervorbringen könnte, so die Idee Marzinkowskis. Mindestens acht Unternehmen könnten sich das Innovationslabor teilen und gemeinsam einen Manager engagieren, der das Netzwerk sowie daraus kommende Innovationen vorantreibt. Derzeit sind es drei Unternehmen, die mitmachen, so Marzinkowski.
Für die Universität liegt der Vorteil der Zusammenarbeit in der praxisorientierten Ausbildung und Forschung. Zudem gehe es zumindest bei dem Unternehmen Sachsenröder um eine langfristige Zusammenarbeit und nicht wie sonst üblich, um eine zeitlich weil projektbezogen begrenzte, so Marzinkowski. In einem zweiten Schritt könnten daneben auch andere Fachbereiche wie etwa Design in das Labor eingebunden werden, um das dort Entwickelte marktfähig zu machen. Unterstützt wird das Innovationslabor vom Technologiezentrum Wuppertal (W-tec) und der Bergischen Entwicklungsagentur.

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