16.01.2011

Als Cyberman vom Sedansberg im Web ongerwechs.

Fritz vonne Wupper vertellt frei nach Schnauze in Wuppertaler MundArt.

Als Cyberman vom Sedansberg im Web ongerwechs.

Seit vie em Hochhus am Sedansberg wohnen, hät dat Hettwich, mine Frau, die Enkoopshoheit für ussere Versorgung. Täglich machte sie ihre Tour zum ollen Matt um entokoopen. Bis tu dem Daach, wo sie sich med vollen Täschen bepackt der Länge nach op de Sedanstroote hennschmiss. Do wurd nich nur dat Kniegelenk von ihr, sondern ook die Nahrungskette jäh ungerbrooken. Die Vorräte die vie im Hus hatten reichten grade för  ne Weeke. Genau su lang woar dat Hettwich no dem Sturz ook im Krankenhus. Do woar Sense med de Hoheit un de Fritz konnten wear inne Bresche springen.

Schon eine ganze Weile woar eck als Cyberspezi ongerwechs im Web. Cyber bedeutete fröher die Steuerkunst des Seefahrers. Nur dat eck med ´ner Mouse öwer dat Mousepad fuhr, un su die Welt op den Sedansberg holen konnte. Domed nich glick jeder wusste, dat eck dat woar, dä manchmol seinen Senf  in dem Schätt beisteuerte, häv eck meck den Nicknäm „Protzstengel“ tugeleit. Da kömt nömmes von usserer Skatrunde jemols drop, falls von denen ook jömmes im Web sörfen dätt.

Man konnt kieken wo et billigen Sprit gow, on ob die Autobahn ook frei woar wenn man de Omma in Essen besöken wollt. Awer ook ob der WSV enen om Sack gekregen, oder wear ens verdient gewonnen hätt. Jo, on man konnten ganz diskret bei der Bea Teuse, oder wie dat Fraumensch hett, Saaken bestellen, die dämm Sexleben op die Sprönge holpen…ook wenn eck dat nich wirklich nödig häw.

Manchmal konnte eck kieken, ob en minnem Stammlokal „Haus Becker“ noch enn Platz för meck an´ne Theke free woar un ob de Schwebebahn fuhr. Awer nich nur dat. Man konnte ook im Web enkoopen gon. Fröher, als eck noch der Chefenkooper bi us woar, d.h. für Zigaretten, Bier und wat man so tum Leben brukt, do bin eck dann ook schon ens nom Metzger renn öm ´nen ordentlichen Remmel  Flesch- oder Blutwoascht tu koopen.  Manchmal gow dat Frollein henger de Theke dann dänn klenen Blagen ´ne Schiew dovan zum Probeeren. Wenn eck ett dann med treuem Bleck ansah, bekam eck dann ook schomal ene ab. Awer  getz machten minne Beine nich mehr so richtig med. Nich, datt eck überhaupt nich mehr hätt loopen können, eck schaffte emmer nur noch dänn Weg in Becker´s Kneipe oder anne Zigarettenbude, glick geenöver.

Nu  hatten vie enn grotes Malör, dat Hettwich lag med´m Gipsbein op däm Sofa und dä Kühlschrank wurd leerer on leerer.

On jetz kohm eck ins Speel.  Nich als Superman wie in fröhere Tieden, sondern als Cyberman vom Sedansberg. Footens woad dä der PC aangeschmeeten on „gegurgelt“ oder wie dat hett.  Mein erster Suchbegriff „Wo gibbet wat tu eten“ schlug fehl. Awwer  dann fand eck eine Seite tum Lebensmittel enkoopen. Domed wollte eck getz mal einen Testkauf und -lauf starten. Hettwich machte die Soffläuse oder wie dat Fraumensch heißt, dat im Theater emmer den Text vörkallt wenn die Akteure den Alzheimer machten. Sie hob und senkte nur dänn Dumen, dä tum Glöck nich im Gips eingebettet woar.

Nee, watt et so alles gow, da konnte eck nur staunen. Tja, wenn man die Saaken do getz enfach ruutscannen oder -beamen könnt… Hatte eck doch schon lange Tied kinen Laden mehr von innen besökt.

Ihr wisst doch, wegen Hettwich´s Enkoopshoheit. Und bisher woar se ja noch ganz god bei Kräften und in Schuss. „Bruken vie ook Waater?, frog eck sie. Ihr Dumen schnellte nach owen und der 9 Liter-Karton in den Warenkorb. „So dat wäret wohl, datt müsste für 2-3 Weeken reichen fand eck. Bis dahin kannste bestimmt wear so flott loopen wie fröher und vor allen Dingen enkoopen. Nachdem kinner im Web frogte ob es etwas mehr sein darf, häw eck den Wunschzettel awgegewen,…eck meinte awgeschickt. Irgendwatt fehlte meck, awer  eck wusste nich wat dat woar.

Drei Daach später soah eck den Postwagen kommen, und wie der Paketspezi enn tweistöckiges Riesenpaket ut dem Auto trok. Blitzschnell häw eck geschaltet. Dat müsste usser Enkoop sinn, und dann fiel meck enn, datt datt nich nur ein Testkauf sondern ook ein Testlauf werden sollte. Nich nur für meck als Cyberman, sondern ook för den Paketzusteller. Schnell häw eck enn groates Blatt med „Aufzug gestört“ beschrewen, und ruckizucki med däm Aufzug runter ins Erdgeschoss gefahren, datt Schild an den Aufzug gehangen on däm Postboten die Huusdür geöffnet. Awwer  ohne datte meck sehen konnt. Erst blickte er verwundert dann verärgert op dat Schild, soweit eck dat hänger de Döör  medbekam. Dann setzte er sich in Bewegung on begann sinnen Aufstieg enn den sessden Stock. Eck schnell wear in den Aufzug, awer  nich ohne dat Schild wear tu entfernen, un ab no owen. Noch konnt man dänn Versorgungsboten nich sehen, awer  doför hören. Denn anders woar dat emmer lauter werdende Schnaufen und die Schnappatmung nich zu deuten. Leise schloss eck die Wohnungsdöör. Ett dauerte doch noch eine ganze Weile bis eck die Paketaufbauten durch dänn Türspion senn konnt. An der Kondition musste der Kääl awwer  noch arbeiten.

„Hettwich, eck woar ens even enkoppen“, sai eck noch, da klingelte es schon Sturm. Erst sah eck die Pakete dann den Heilsbringer vonne Post. Eck konnt ihn gerade noch am Ärmel packen, sonst wäre er die mühsam erklommene Treppe rongergefallen. Die Jungs sind ook nich mehr dat wat sie mal woaren. Vie fröher haben ganz andere Brocken gestemmt. Med zitternde Hand hielt er meck son Gerät  hin, und deute an, datt eck da wohl ongerschriewen  sollte. Offensichtlich stellen die bei der Post ook Stumme ein, denn er sprach dobie kein einziges Wort. Als eck ämm frogte, warömme nich den Aufzug genommen hät, oder ob die verdammten Blagen sich wear einen Scherz med dem Schild erlaubt hätten, musste eck ihn erneut festhalten damed er meck nich ausse Latschen kippte. Nachdem sech dann kurzdarauf die Aufzugtüre hänger ämm schloss, on eck dat Paketmonster einzeln auseinander nohm on in die Wohnung trug, da isset meck plötzlich engefallen, wat meck die ganze Tied noch fehlden.

Twei Schiewen von der leckeren Fleeschwoascht, die dat Frollein henger dä Theke bim Enkoopen imma röwer gov. Awwer dodran mott die Post unbedingt noch arbien, wenn se konkurrenzfähig werden will.

So, machtett got….alles toff …fix im Kopp …un immer flott …de Wupper lang, un de Trappen ropp…. Önker Fritz vonne Wupper.

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© Copyright Wolfgang Todtenhausen. Der Text unterliegt, mit Ausnahme der njuuz-AGB´s, dem Schutz des Urheberrechts.

http://stachelherzen.de/autor.htm

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Kommentare

  1. Fridolin sagt:

    Der Fritz ist in Ordnung. 🙂 Bringt ne große Portion Mutterwitz mit. Fast wie ’ne Wundertüte: In jeder Ecke eine Überraschung.

  2. DANKE für die Zustimmung eines Profis. ;-)) Den „Fritz beim Zahnarzt“ werde ich dann später mal unter den Namen „FvW“ hier erneut reinstellen. Er muss zuvor noch ein wenig in Behandlung ..;o))

  3. Ongerbarmer sagt:

    Toff tu lesen, Fritz vanne Wupper, und godde Besserong an din Weit.

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