10.01.2011

Die WSW und der ÖPNV im Winter

Gemeinsame Stellungnahme von ADFC Wuppertal - Pro Bahn Berg. Land - VCD Berg. Land

In der Lüntenbeck räumen die Bürger selber die Haltestelle frei
Genug geräumt! Wo bleibt der Bus? So erging es vielen Wuppertalern in den letzten Wochen.

Gemeinsame Presseerklärung von ADFC Wuppertal, Pro Bahn Bergisch Land und VCD Bergisch Land zur Nahverkehrssituation in Wuppertal

Die Handhabung des Nahverkehrs in Wuppertal war in den vergangenen Wochen eine schwierige Aufgabe. Wie bereits zwei Monate zu Jahresbeginn 2010 gab es extreme Wetterbedingungen, die in Kombination mit dem rücksichtslosen Verhalten mancher PKW-Besitzer die Abwicklung des Busverkehrs erschwert haben.

Aus unserer Sicht kann das jedoch keine Rechtfertigung für eine wochenlange Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs  in weiten Teilen des Stadtgebiets sein.  Sowohl die Abwicklung des Verkehrs als auch die Informationspolitik waren vollkommen unzureichend.

Mehr als die Hälfte der Wuppertaler BürgerInnen verfügt über keinen eigenen PKW. Viele dieser Menschen sind in ihrer Mobilität eingeschränkt. Viele setzen in ihrem Mobilitätsverhalten auch freiwillig und aus Überzeugung auf die Nutzung des ÖPNV. Für diese Menschen muss der Nahverkehr aber ein verlässlicher Partner sein, der auch und gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen das Mobilitätsbedürfnis sicherstellt.

Kritikwürdig ist aus unserer Sicht eine Vielzahl an Einzelpunkten. Manche können von den WSW allein, andere sicher auch nur in Zusammenarbeit mit der Stadt gelöst werden.

Erste Aufgabe ist die Sicherstellung der Bedienung aller Stadtteile. Auch bei akuten Schneefällen muss ein Grundnetz aufrecht erhalten werden, dass die Andienung aller Stadtteile sicherstellt. Ist das mit den Bussen in der heutigen Ausstattung nicht zu lösen, muss zum Beispiel der Einsatz von Bussen mit Schneeketten erwogen werden. Stattdessen gab es seitens der WSW aber bei aufkommenden Problemen meist einen zentral verordneten Stillstand auf allen Strecken.

Spätestens nach zwei bis drei Tagen muss der Linienweg aller Strecken wieder bedient werden. Werden Fahrwege zu schmal, um einen Begegnungsverkehr zuzulassen, gibt es verschiedene Lösungsmöglichkeiten. PKW, die den Linienverkehr behindern, sind notfalls abzuschleppen. Außerdem können in diesen Straßen temporäre Halteverbotszonen eingerichtet werden, an denen eine Begegnungsfläche für große Fahrzeuge eingerichtet wird. Ist das nicht möglich, muss über die Einrichtung temporärer Einbahnstraßen nachgedacht werden. Durch Einwegverkehr kann dann über die Anbindung an die Hauptstrecken zumindest ein Angebot für den Grundbedarf geschaffen werden. Sind die Straßenverhältnisse so schlecht, dass die Busse Probleme auf schneeglatter Fahrbahn bekommen, ist über Pendelverkehr mit Fahrzeugen mit Schneeketten nachzudenken. Eine weitere Option besteht im Einsatz von z.B. Großraumtaxis im regelmäßigen Pendelverkehr zu den Anbindungspunkten der noch verkehrenden Linien.

Haltestellen sind so zeitnah zu räumen, dass Fahrgäste auch Zustieg zu den Bussen bekommen. Das dies noch nicht einmal an den zentralen Haltestellen wie dem Hauptbahnhof/Döppersberg gelingt, ist unverständlich. Auf Grund der großen Zahl an Haltestellen im Stadtgebiet ist das sicher nicht überallzu gewährleisten. Wenn ein Bus führe, wären aber vermutlich auch viele BürgerInnen zur freiwilligen Hilfe bereit, wenn man sie darum bittet.

Die Informationspolitik der Stadtwerke ist ein Fiasko. Probleme im Busverkehr gab es seit Ende November. Im Internet waren die Informationen erst in zweiter oder dritter Ebene der Seiten zu finden. Selbst Anfang Januar konnte man auf den Internetseiten keine Linienspezifischen Informationen abrufen. Die vage Angabe über Störungen in Stadtteilen ist aber unnütz. Kunden benötigen konkrete Informationen zu einzelnen Linienwegen und Haltestellen. Zusätzlich wurden manche Bereiche nicht erwähnt, obwohl es wochenlang keinen Busverkehr gab (Beispiel die Quartiersbuslinien ab Sonnborn).  Auch telefonisch waren keine besseren Auskünfte zu erlangen.

Eine gut informierte telefonische Hotline muss vorgehalten werden. Diese Informationen müssen außerdem, auch zur Entlastung der Hotline, permanent im Internet aktualisiert werden.

Die von uns gemachten Vorschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Leider hatten wir aber in den vergangenen Wochen den Eindruck, dass es seitens der WSW keine adäquate Reaktion auf die Wetterbedingungen gegeben hat.

Im topographisch mindestens ebenso schwierigen Remscheid haben es die Verkehrsbetriebe trotz mancher Einschränkungen besser gemeistert. Vielleicht wäre in Zusammenarbeit etwas zu verbessern.

ADFC, Pro Bahn und VCD sind klare Befürworter einer Verkehrspolitik mit Schwerpunkten im ÖPNV. Wir fordern aber eine bessere Vorsorge für den für die Zukunft ein und können nicht verstehen, dass es nicht schon nach den weitgehend gleichgelagerten Problemen des Winters 2009/2010 Krisenpläne gegeben hat. Wir fordern eine Konzeption für die Zukunft, die das Mobilitätsbedürfnis der Stadtbevölkerung sicherstellt.

Betroffene Stammkunden müssen für die nicht erbrachten Leistungen der vergangenen Wochen durch Rückzahlung von Abonnementsgebühren angemessen entschädigt werden.

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Kommentare

  1. Stimme dem in fast allen Punkten zu, aber mit der Hotline der WSW habe ich mehrmals gute Erfahrungen gemacht.

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