„Auch ich in Münstereifel“

Glückwunsch an Armin Foxius. Der Kölner Lehrer und Schriftsteller legt Erinnerungen vor, denen eine weite Verbreitung zu gönnen ist: Unser Buch des Monats.

Ein großartiges Werk. „Aufbau, Duktus und Sprache zeigen die Schule des Schriftstellers Heinz Küpper, der sein Deutschlehrer war und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbunden hat“, wie Horst A. Wessel im Vorwort schreibt (S. 7 f.). Das Buch „Auch ich in Münstereifel“, sich insoweit an Goethes „Et in Arcadia ego“ anlehnend (S. 177), besteht laut Untertitel aus „Erinnerungen an die Stadt und an Heinz Küpper“. Der aus Euskirchen stammende Lehrer und Schriftsteller hatte seinerzeit mit „Simplicius 45“ einen Weltbestseller gelandet, der zahlreiche Auflagen erlebte und heute noch im Verlag Ralf Liebe erhältlich ist, der auch weitere Romane und ein Hörbuch von ihm publiziert, darunter posthum „Linker Nebenfluss der Nogat“.

Manches kommt dem Betrachter wie eine Idylle vor, die es selbstverständlich nicht war: Es gab tatsächlich noch einen städtischen Ausrufer (S. 24), die so genannten Kurlichtspiele, ein „Eifelkaufhaus“. Aber Foxius, der rund zehn Jahre in dem heutigen Outlet-Städtchen gelebt hat und bis auf den heutigen Tag, seine kölsche Herkunft nicht leugnend, immer wieder besuchsweise im Münster in der Eifel aufschlägt, weiß im Rückblick von „relativ hohen Ergebnissen der Kommunisten bei den Reichspräsidenten- und Reichstagswahlen 1932“ zu berichten (S. 28). Und wenn wir uns schon im Marx-Jahr befinden: Der berühmte Trierer ist womöglich auf seinem Weg nach Bonn durch das Eifelstädtchen gekommen (S. 36).

An mehreren Stellen beleuchtet der Autor die 1968er-Revolte, die um Münstereifel keinen Bogen machte. Es gab sogar eine Vietnam-Demonstration am Ort, und für eine kurze Zeit hieß das ehrwürdige St.-Michael-Gymnasium „Karl-Marx-Schule“, schnell übertüncht, doch die Farbe schlug immer wieder durch. Wirklich witzig, wie die Autoren der „alternativen“ Zeitschrift „Kille, kille Katzvey“ einen Spruch von Mao Tse Tung dem ehemaligen Schuldirektor zusprachen, was die „Kölnische Rundschau“ zu merkwürdigen Verrenkungen veranlasste (S. 61).

Und immer wieder, aus tausend Aspekten, das St. Michael, damals Jungen-Gymnasium, hauptsächlich bevölkert von der Belegschaft des Erzbischöflichen Konvikts kurz vor (oder hinter) der Stadt, jedenfalls extra muros, im „Weimar des Kreises Euskirchen“ (S. 188).

Aus allen möglichen Blickwinkeln betrachtet Foxius Schüler und Lehrer, hier vor allem den legendären Direktor August Guddorf, den großen Motivator Albert Teichmann und, klar doch, „Hein“ Küpper.

Auf dem rückseitigen Cover steht, es handle sich um „ein persönliches, kein privates Buch“. Und: „Es beschreibt so etwas wie Heimat.“

Danke, lieber Armin.

MATTHIAS DOHMEN

 

Armin Foxius, Auch ich in Münstereifel. Erinnerungen an die Stadt und an Heinz Küpper, Hamburg: Tredition 2018, ISBN 978-7469-2361-1 beziehungsweise 978-3-2362-8, 255 S., Euro 12,00 beziehungsweise Euro 19,99 (als E-Book mit eigener ISBN Euro 4,99), www.tredition.de, www.armin-foxius.de.

 

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