Grün
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Premiere von BRAND I und II in Düsseldorf

19.03.2018 23:28

Die ersten zwei Teile der Filmtrilogie BRAND von Susanne Fasbender in Kooperation mit den Hambacher Filmkollektiv hatten ihre Premieren im Düsseldorfer Malkasten, BRAND III wird in Köln vorgestellt.

 

“Immerather Dom” ©Susanne Fasbender

Am 11.03.2018 ab 16:30 wurden in dem voll besetzen Theatersaal des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten die ersten zwei Folgen der Filmtrilogie BRAND der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter den Zuschauern waren auch zahlreiche Akteure und Betroffene, von denen die zwei Filme handelten. Es geht um die ökologischen und sozialen Begleiterscheinungen des von der RWE betriebenen Braunkohletagebaus Garzweiler II, Hambach und Inden, der deutliche Anzeichen von Gigantomanie hat. Im Zeichen der Nachhaltigkeit wären eigentlich ökonomische, ökologische und soziale Gesichtspunkte gegeneinander abzuwägen. Die gezeigten Filme stellen dar, dass die Entscheidungen einseitig zu Gunsten des Betreibers RWE gefallen seien.

Zur Trilogie gibt es einen Trailer (Link: www.brandfilme.org) und auch die Broschüre BRAND, zu der Prof. Dr. Sabine Rollberg, ehemalige Chefredakteurin von ARTE im Geleitwort schreibt:

„Sie [Susanne Fasbender] versteht es, ihren durchaus subjektiven, unter dem Eindruck der drohenden Klimaentwicklungen durchaus emotionalen Blick künstlerisch mit einer Filmsprache zu vereinen, die den Film grundlegend unaufgeregt durchzieht.

Dabei lässt sie den Bildern Zeit und Raum, so dass Land und Dörfer, die dem Braunkohlenabbau geopfert werden sollen, unter zahlreicher Beteiligung betroffener oder aktiv eingreifender Menschen zu den ZuschauerInnen in eine Nähe gebracht werden, die es möglich macht, die Dimensionen des Braunkohlenabbaus nachzuempfinden.

Der Zuschauer bekommt Gelegenheit, in die lokalen Gegebenheiten einzutauchen und dabei gleichzeitig den für industrielles Wachstum und ökologische Zerstörung exemplarischen Charakter nachzuvollziehen, da die Geschehnisse durchgehend von strukturell analytischen Interviews begleitet werden. Der Film lädt das Publikum geradezu dazu ein, sich aktiv an einem für die Zukunft von Mensch und Natur unerlässlichen ziivilgesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen.“

Das Folgende ist ein persönlich gefärbter Beitrag zu diesem Diskurs:

BRAND I – Vom Eigentum am Land und Wäldern

Hier geht es um die Landschaft, die durch einen großflächig angelegten Braunkohlebergbau verloren geht. Fruchtbarer Ackerboden (Löss) und ein seit der letzten Eiszeit bestehenden Waldgebiet, der Hambacher Forst, werden durch große, tiefe Löcher ersetzt. Alle Versuche, das aufzuhalten, waren erfolglos. Möglich wird das rücksichtslose Vorgehen bei der Durchsetzung durch ein Gesetz aus der Zeit des Nationalsozialismus, das bei Vorliegen wirtschaftlicher Interessen des Bergbaus auch die Enteignung von Gebäuden zulässt. Dieses Gesetz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht novelliert, sondern Grundlage für gigantische Planungen, gegen die dann keine Rechtsmittel halfen. Selbst das gestiegene Umweltbewusstsein half da nichts. Angesichts dieser Lage erscheinen die Waldbesetzungen eher als Zeichen der Machtlosigkeit.

BRAND II – Gegenwart der Dörfer und Bepreisung von Natur

Durch den unkoordinierten (und heute vielleicht nicht koordinierbaren) Umzug wurden alte Nachbarschaftsbande gelöst, und die Entschädigungen für den wirtschaftlichen Verlust darf man wohl nicht dem Bergbauunternehmen allein überlassen, wenn sie fair sei sollen. In einem Zeitalter der Regulierungsbehörden sollte eigentlich ein besserer Schutz der wirtschaftlich Schwachen möglich sein. Das Tragische an der Geschichte ist, dass viele Einwohner nicht bereit waren, die Unaufhaltsamkeit des Prozesses zu akzeptieren und ihre Kraft in einen letztlich gescheiterten Versuch steckten, den Gang der Dinge aufzuhalten. Es gab keine Initiative, die dafür gekämpft hätte, kulturelle Schätze durch Translozierung zu retten. Und diejenigen, die am wenigsten bereit gewesen waren loszulassen, haben den unvermeidlichen Umzug nicht lange überlebt. Die Rettung von Teilen des “Immerather Doms” scheint durchweg von außen gekommen zu sein. Zuletzt die Rettung eines Teils der Fenster, die man bei etwas Insiderwissen jetzt bei Privatleuten anschauen kann.

 

In wenigen Wochen ist in Köln die Premiere von

BRAND III – Widerstand im reichen Land

Es gibt auch ein Camp von Aktivisten, die den Kampf noch nicht aufgegeben haben – mit der Konsequenz, mit Polizei und Sicherheitsdienst in Konflikt zu geraten. „RWE besetzt den Wald, nicht ich. Ich bin Bestandteil des Waldes.“ So lautet das Selbstverständnis eines der Aktivisten. Letztlich könnte es darauf hinaus laufen, dass aus der Überzeugung, dass das formaljuristisch korrekte Verfahren, das abläuft, illegitim ist, in illegale Aktionen der Widerständler führt. Dass Loslassenkönnen in solchen Situationen wichtig ist, haben die Erfahrungen der Aktivisten der 68er gezeigt. Der Gang durch die Institutionen war letztlich erfolgreicher als der bewaffnete Kampf.

Wir leben in einer Zeit des Wertewandels: „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome erschien 1972, die Uno-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio war 1992, die UNO-Millenniumsziele stammen von 2000, und die Klimakonferenz in Paris war 2015. Und es gibt Klimaziele für 2030 und 2050. Die lagen der Wirtschaftlichkeitsberechnung für Garzweiler II nicht zu Grunde. Im Jahr 2016 wurde das Abbaugebiet durch Beschluss der Landesregierung verkleinert, nachdem schon im Herbst 2013 die RWE öffentlich über die Stilllegung von Kraftwerksblöcken spekuliert hatte. Wie viel Erfolg die Forderung einer weiteren Verkleinerung hat, wird von der technischen Entwicklung der Stromerzeugung in Europa abhängen. Eine schnelle Energiewende in der Erzeugung scheint das beste Mittel gegen den vollen Ausbau von Garzweiler II zu sein.

Um einen so kleinmütigen Ansatz geht es aber Susanne Fasbender nicht. In der Coolibri vom 27.02,2018 (Link: http://www.coolibri.de/redaktion/film/maerz-18/susanne-fasbender-interview.html) sagt sie in einem Interview zur Trilogie:

„Ein wichtiger Aspekt ist der, dass dieses Gesellschaftssystem, in dem wir leben, von fossiler Energie auf besondere Weise abhängig ist. Sie dient nicht nur dazu, unsere Haushalte warmzuhalten oder dass wir Strom in der Steckdose haben, sondern das ganze industrielle Produktionssystem ist auf fossile Energie angewiesen. Und dazu zählen der globale Transport, die Fabriken, das Militär und die Kriege, die geführt werden. Alles wird fossil befeuert. Damit aufzuhören würde eine tiefgreifende Änderung unseres Wirtschaftens auf allen Ebenen bedeuten, die natürlich mit Einbußen von Macht und Kapital zu tun hätte. Das will niemand und deswegen wird es nicht wirklich in ganzer Konsequenz thematisiert.“


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