Kultur
 |  | 7.12. | 

Alltags- und Frauengeschichte. Und Wuppertal

07.12.2017 00:49

27 Porträts. Bücher für den Gabentisch: 4. „Frauen im Tal“. Statt einer Rezension folgt der Abdruck des Vorworts (gekürzt).

Momentaufnahmen.

Frauen in Wuppertal.

Frauen: 27 mal längere, mal kürzere Porträts enthält dieser Band. Entstanden sind sie über einen Zeitraum von eineinhalb Jahrzehnten, geschrieben für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen. Verfasst in Wuppertal und zumeist für bergische Medien.

Die Stadt ist oft beschrieben worden, aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten und literarisch. Das Personal, soweit es führende Funktionen ausübt, steht wie überall im Rampenlicht. Da es sich hierbei hauptsächlich um Männer handelt, ist der Raum, den sie in der Berichterstattung oder der literarischen Verdichtung einnehmen, ungleich größer als derjenige, der Frauen zugemessen ist.

Muss das so sein? Ist das okay so?

Als der Verfasser zu Beginn der „nuller“ Jahre des Jahrhunderts begann, für das TOP-Magazin „bessere Hälften“ vorzustellen, ging ihm genau diese Fragestellung durch den Sinn. Den Rektor einer Hochschule, den leitenden Beamten der Stadt, einen habilitierten Professor, Bundestagsabgeordnete, einen Landrat, den Zoodirektor oder den Chef der Jüdischen Kultusgemeinde kennt fast jeder oder glaubt ihn jedenfalls zu kennen. Seine Frau erscheint auf Fotos des Prominenten quasi als Beigabe.

In den Beiträgen, die in dieses Buch aufgenommen wurden, stehen sie dagegen im Mittelpunkt. Hauptsächlicher Befund der Gespräche: Sie haben ihre eigenen Ideen, verwirklichen ihre eigenen Lebensentwürfe, lesen ihre Schriftsteller, hören ihre Komponisten.

Vorlieben, Hobbys und Befindlichkeiten unterliegen Entwicklungen, auch Moden. Den Kern tastet so schnell nichts an. Insofern behalten die Momentaufnahmen, um die es sich in der Tat handelt, ihren Wert, wenn sie einen Blick auf die Persönlichkeit erlauben.

Stichwort Persönlichkeit. Einige der hier versammelten Frauen sind außerhalb der oben genannten Serie entstanden, in die sie auch nicht hineingepasst hätten. Zwei Porträts sind beispielsweise in der „demokratischen gemeinde“ und in der „Westdeutschen Zeitung“ abgedruckt worden. Die Rede ist von Ursel Kraus und von Petra Glebe.

Ein knappes halbes Dutzend Beiträge widmet sich Frauen, die im Wuppertaler Karneval eine Rolle spielen, einem unterschätzten Segment des gesellschaftlichen Lebens, das, speziell im Bergischen Land, gern als randständig betrachtet wird. Wenn dieses Buch dazu beiträgt, in dieser Beziehung Vorurteile ins Wanken zu bringen, hat es seinen Sinn erfüllt.

Das Gros der ins Licht gerückten Frauen ist den meisten Zeitgenossen unbekannt. Das muss kein Manko sein. Die Alltagsgeschichte, welche den „kleinen Mann“ und – wovon deutlich weniger die Rede ist – die „kleine Frau“ in den Mittelpunkt rückt, hat es auch in der historiographischen Literatur schwer gehabt in Deutschland. Selbst dort, wo das Porträt nur in einer kurzen Skizze besteht, mag man Spannendes entdecken. Wenn der äthiopische Außenminister die Bundehauptstadt besucht, finden sich in den Tageszeitungen Angaben zu Geburtsort, Bildungsweg und Karriere … und werden gelesen. Warum soll das bei „no names“ anders sein?

Zwei Frauen, über die geschrieben wird, sind tot. Mit der einen, Martina Schürer, hat der Autor noch selbst sprechen können, mit der anderen, der vor vier Jahren verstorbenen Marlies Hellwig nicht. Überraschendes kam gleichwohl zustande.

In diesem der Heimatliteratur zuzurechnenden Buch stehen die Hauptpersonen nicht, wie anfänglich erwogen, in alphabetischer Reihenfolge. Gestalterische Gesichtspunkte waren für den Layouter maßgebend. Dem Layouter und Verleger Ralf Liebe, den ich aus der Zusammenarbeit in der Herausgabe von Werken des unvergessenen Heinz Küpper kenne, danke ich ebenso wie Harald Bayer, Wolf Birke, Brigitte Dohmen, Lai See Ho-Wiese, Pedro Lucas-Thurau, Karina Mencke Vagby, Bettina Osswald und Guido Werner, ohne deren Mitwirken in dieser oder jener Form die Veröffentlichung dieser Porträt nicht zwischen zwei Buchdeckel geraten wäre.

Der Dank gilt auch einer Reihe von Frauen, die mit einer Geldspende Herstellung und Druck dieses Buchs ermöglicht haben, das, nun ja, einen besonderen Blick auf die Stadt an der Wupper gestattet.

 

Matthias Dohmen, Frauen im Tal. Porträts, Weilerswist: Ralf Liebe 2017, ISBN 978-3-944566-75-7, 114 S., Euro 14,00, www.verlag-ralf-liebe.de.

 

 

Bücher für den Gabentisch:
1. Walter Moers, Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr. Illustrationen: Lydia Rode, München: Knaus 2017, njuuz.de, 4.12.2017
2. Brigitte Riebe, Marlenes Geheimnis. Roman, München: Diana 2017, njuuz.de, 5.12.2017
3. Reinhard Giebel, Rein akustisch. Kurzgeschichten, Wuppertal: Nordpark 2017, njuuz.de, 6.12.2017
4: Matthias Dohmen, Frauen im Tal. Porträts, Weilerswist: Ralf Liebe 2017, njuuz.de, 7.12.2017

 


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