Kultur
 |  | 6.12. | 

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That’s over now

06.12.2017 20:40

Storys aus unserem Alltag. Bücher für den Gabentisch: 3. Reinhard Giebels Kurzgeschichtensammlung „Rein akustisch“.

Neun neue Geschichten legt der Wuppertaler Musiker und Erzähler mit diesem „besonderen Heft“ vor. Gleich die erste hat es in sich: Der Eisenbahner Hans Bode, der weder NSDAP-Mitglied gewesen war noch Sympathien für den Nationalsozialismus gehabt hatte, verplappert sich gegenüber einem US-amerikanischen Besatzungsoffizier und sagt, sich verabschiedend, aus reiner Gewohnheit: „Good-bye, and Heil Hitler!“

Das Ende? Erschießung? Mindestens Maßregelung? Nichts von alledem: „Der Amerikaner saß entspannt in seinem Bürosessel, die Beine auf dem Schreibtisch vor sich ausgestreckt. Er lachte dröhnend und rief jovial: ‚O.K.! Heil Hitler! But that’s over now!’“

Giebel beschreibe, heißt es im Klappentext, „deutsche Alltäglichkeiten“ und „die Menschen in ihrem Leben in dieser oft wohlgeordneten Welt“. Also auch die Geschichte des Italieners Riccardo Frattini, der Friseur lernt und dem in (ich vermute mal: West-) Deutschland die Damenwelt zu Füßen liegt. Wie viele seiner Landsleute liebt er Verdi und den Fußball. Noch nach Jahren hadert er mit dem Schicksal, das seinen Verein Brescia 1981 in die Serie B absteigen ließ. Er sieht die „Macht des Schicksals“ walten, wie eine der Opern des großen italienischen Musikkünstlers heißt.

Giebel hat auch seinen Kierkegaard gelesen und unterbreitet dem Leser dessen Überlegungen über Wiederholung und Erinnerung in der Geschichte „Ein appwexlunksreicher Tag“. Kernsatz: „Alles, was dir begegnen wird, ist leider nicht zu vermeiden.“

Einem Fußballer Peter Fenger begegnen wir in „Wandern nach Zahlen“: Der Kicker verbindet seinen Spaß an Zahlen mit seiner Freizeitbeschäftigung.

Ins Sprachexperimentelle entführt uns der Autor in seiner Raymond Queneau gewidmeten Kurzgeschichte „Herrenfahrer“, einem Thema mit 14 Variationen.

Reinhard Giebel ist in Göttingen geboren. Der Pianist war Mitbegründer des Gunter-Hampel-Quintetts und spielte in Ensembles in Wuppertal seit 1976 (modern jazz / new jazz), außerdem Piano-Solokonzerte, Musik zu Kurzfilmen, Theatermusik, Hörspiele. Veröffentlichung von mehreren Langspielplatten und CDs. Er spricht mehrere Sprachen und hat als Dolmetscher und als Lehrer gearbeitet.

 

MATTHIAS DOHMEN

 

Reinhard Giebel, Rein akustisch. Kurzgeschichten, Wuppertal: Nordpark 2017, ISBN 978-3-943940-27-5, 86 S., Euro 10,50, www.nordpark-verlag.de.

Demnächst:
Bücher für den Gabentisch 4: „Frauen im Tal“


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