Kultur | Matthias Dohmen | 12.2. | 0 Kommentare | drucken


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Vergnüglich, spannend, zeitkritisch

„Septemberwoche“ hat Renate Mahlberg ihren neuen Roman genannt. Es handelt sich um eine kleinstädtische, mit viel Humor gewürzte Kriminalgeschichte mit reichlich Lokalkolorit: Unser Buch des Monats Februar.

Denn im Jahr 2003 geschehen mysteriöse Dinge im idyllischen Eifelstädtchen Mühlenthal. Wer ermordet eine harmlose ältere Dame? Diese Frage stellt sich ihr Sohn, der parallel zur Polizei eigene Nachforschungen anstellt. Dabei stößt er auf Hinweise zu einem weiteren Mordfall, der in der Vergangenheit liegt.

 

 

Einer Vergangenheit, die bis in die Zeit des Dritten Reiches zurückführt, als 1938 die angesehene jüdische Familie Wolff verschwand. „Viel später erfuhr man, dass sie alle den Holocaust nicht überlebt hätten“ (Seite 95). Doch eines der Kinder übersteht das faschistische Grauen.

Mahlberg serviert nicht nur Kriminelles und Zeithistorisches. Nein, im Laufe der Geschichte finden drei Paare zueinander. Bei einem guten Essen oder auf andere Art und Weise, die an dieser Stelle nicht verraten werden soll.

Die Autorin spielt mit verschiedenen Erzählsträngen, die sich abwechseln. Alle Episoden, Personen und ihre Handlungen greifen ineinander über und sind so miteinander verknüpft, dass sich am Ende ein vielschichtiges Puzzle ergibt: Aus tausend Gesichtswinkeln, aus Rück- und Vorgriffen und etlichen Mosaiksteinen formt sich ein stimmiges Gesamtbild.

Dem Roman hat Mahlberg die Bemerkung vorangestellt, Personen, Namen, Schicksale und Handlungen seien frei erfunden und führten „nur in der Phantasie der Autorin ihr eigenes Leben“.

Aber wie die Verfasserin ihr eigene Vita lebt, so existieren Werner Seelbein, Journalist und Ratsherr, und die anderen Protagonisten quasi symbolisch für die Bewohner dieses Eifelstädtchens, deren Leben in der Provinz, wo jeder jede kennt, sehr anschaulich beschrieben wird: Der Notar ruft beim Sparkassendirektor an, und eine zwingende Vorschrift ist unbürokratisch und sinnvoll umgangen.

Die Phantasie sei „die schönste Tochter der Wahrheit, nur etwas lebhafter als die Mama“, zitiert die frühere Lehrerin den Schweizer Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler. Von schönen und weniger schönen Töchtern ist auch in ihrem Roman die Rede.

Soll man von einem Neubeginn des in den letzten Jahren etwas betulich daherkommenden Eifelkrimis reden? Auf jeden Fall sei der Autorin ans Herz gelegt, Seelbein, dessen Freundin Clara und den alten Arzt weiter ermitteln lassen, die sich ja bei den Profis, Foronidis und Pfeifer, von Zeit zu Zeit Rat holen könnten. Die Figuren des Romans haben Charakter, und die Beschreibungen von Essen und Trinken regen den Appetit an. Was man bei Mahlberg auch lernt: Manchmal haben gute Menschen dunkle Geheimnisse, die nicht unbedingt ans Tageslicht gezerrt werden müssen.

Mahlberg wurde 1949 in Münstereifel geboren und lebt heute gemeinsam mit ihrem Mann im Eifelort Kommern. „Septemberwoche” ist nach „Zwischen Zeiten“ ihr zweiter Roman. Außerdem veröffentlichte sie die Gedichtbände „Die Stille durchbrechen“ und „Das Vorbeifliegende festhalten“. Darüber hinaus erschienen ihre Gedichte und Geschichten in verschiedenen Jahrbüchern und Anthologien sowie zuletzt in dem Buch „Die 1966er von Münstereifel“.                                             MATTHIAS DOHMEN

 

 

Renate Mahlberg, Septemberwoche. Roman, Weilerswist: Ralf Liebe 2017, ISBN 978-3-944566-61-0, 114 S., Euro 14,00, verlag-ralf-liebe.de.