Kultur
 |  | 11.10. | 

Jedem Flüchtling sein Instrument

11.10.2015 09:34

Die Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge scheint kein Ende zu nehmen. Vereine und Privatpersonen unterstützen die Stadt bei der kurzzeitigen Versorgung und Unterbringung. Aber wie sieht es mit einer längerfristigen Betreuung oder Integration aus? Die makoge zeigt, wie es geht.

Essen und Trinken, warme Kleidung im Winter und ein Dach über dem Kopf. Das sind zur Zeit die wichtigsten Aufgaben der Stadt, um Flüchtlingen einen menschenwürdigen Aufenthalt in Wuppertal zu ermöglichen. Viele Privatpersonen und Vereine ziehen mit an diesem Strang und wenden Geld- und Sachspenden auf. Damit werden erst einmal kurzfristige Probleme gestillt. Doch wie geht es dann weiter?

Eine Antwort darauf hat die Mandolinen-Konzertgesellschaft Wuppertal e.V. (makoge). Sie verfolgt das Ziel, Flüchtlingen die Musik und Kultur in Wuppertal näher zu bringen. Das heißt einerseits, dass es kostenlose Konzertkarten für Flüchtlinge geben wird und spezielle Aufführungen stattfinden werden, bei denen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten das Zupforchester begleiten. Andererseits haben insbesondere Flüchtlingskinder und -jugendliche die Möglichkeit, am Instrumentalunterricht kostenlos teilzunehmen. Ab Ende Oktober unterrichten drei Lehrerinnen in Gitarre, Mandoline und Baglama.

Den Flüchtlingen ein Stück Normalität vermitteln

Hintergrund der Aktion ist eine Ausschreibung des Landesmusikrates (LMR): Gefördert werden Projekte von Laienmusikern, die mit Flüchtlingen musikalisch arbeiten. „Wir haben uns schon vorher Gedanken gemacht, wie wir uns bei diesem Thema engagieren können“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Thomas Horrion. Durch die Aufforderung des Musikrates sei das Konzept beschleunigt worden. So würde ein erheblicher Teil der Kosten übernommen. Auch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport beteiligt sich an der Förderung. „Längerfristig könnten wir das Projekt sonst nicht stemmen“, so Horrion mit Blick auf die Finanzen. Die Unterstützung ist zunächst bis zum Jahresende befristet. „Wir hoffen aber auf eine Anschlussförderung“, erklärte er.

Ein Flüchtling probiert sich an der Barlama aus.

Ein Flüchtling probiert sich an der Barlama aus. ©Symbolfoto: L. Hohmann

„Uns ist klar, dass wir mit dieser Aktion keine Erstversorgung leisten“, meint Thomas Horrion. Man wollen den Flüchtlingen, insbesondere den Kindern, die Möglichkeit geben, ein halbwegs normales Leben zu führen. Deswegen suche man derzeit Kontakt zu den Schülern in Seiteneinsteiger- und Flüchtlingsklassen. In einer ersten Informationsveranstaltung bekundeten bereits 25 Flüchtlinge ihr Interesse an dem Projekt.

Modellcharakter: andere Orchester und Vereine sollen gleichziehen

Drei Musiklehrerinnen haben sich bisher bereiterklärt, Flüchtlingskinder und auch Erwachsene zu unterrichten: Marianne Keller (Mandoline), Fani Papadopoulou (Gitarre) und Asli Dila Kaya (Baglama). Zur Durchführung des Unterrichts kooperiert die Mandolinen-Konzertgesellschaft mit der Bergischen Musikschule. Sie stellt neben den Unterrichtsräumen auch einige Leihinstrumente zur Verfügung gestellt. Aktuell habe man aber nicht genug Gitarren, sagt Thomas Horrion. „Es wäre schön, wenn wir noch ein paar Instrumente geschenkt bekämen.“ Für das Herbstkonzert der makoge am 15. November stehen erstmalig 50 Karten für Flüchtlinge bereit, gespielt wird traditionell im Mendelssohn-Saal der Stadthalle Wuppertal. Vorab gibt es einen Rundgang durch das historische Gebäude. Am 5. Dezember veranstaltet das Orchester ein Konzert mit und für Flüchtlinge in der Bergischen Musikschule. Dann wird ein syrischer Pianist und Asylbewerber als Solist auftreten.
„Wir hoffen, dass sich andere Vereine dem Aufruf des Landesmusikrates anschließen“, meint der stellvertretende makoge-Vorsitzende. „Es wäre schön, wenn die Flüchtlinge auch andere Musikrichtungen und Instrumente kennen lernen würden.“ Das Projekt habe für ihn Modellcharakter und sei ein gutes Beispiel für eine langfristige Integration von Flüchtlingen in der Stadt.


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2 Kommentare zu „Jedem Flüchtling sein Instrument“
  1. Meinhard Mack sagt:

    Hallo…

    ich habe eine klassische Gitarre die ich gerne zur Verfügung stellen würde. Bitte um Kontaktaufnahme.

    Gruß, M. Mack

    • Hallo Herr Mack,

      danke für Ihr Angebot. Gerne nehmen wir die Gitarre für dieses Projekt.
      Haben Sie die Möglichkeit, die Gitarre im Sekretariat der Bergischen Musikschule abzugeben? Oder rufen Sie mich bitte an: 0151 / 708 76 100

      Viele Grüße
      Thomas Horrion

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