Kultur | Matthias Dohmen | 8.6. | 0 Kommentare | drucken


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Buch der Woche: Oelemanns „Nur für Erwachsene“

Wie wird man Schriftsteller? Christian Oelemann variiert dieses Thema, das er auch in seinem Roman „Freundschaftspiel“ (mit einem S in der Mitte) spannend behandelt hat.

Ungeniert bedient er sich des Personals der Gegenwart, sei es Guido Westwelle, sei es Robert de Niro, bringt das – zumindest dem Namen nach – verflossene Hotel Kaiserhof am Bahnhof Elberfeld und den Alten Markt in Barmen ins Spiel, zitiert den Verlag 3.0 und schließlich sich selbst. Und schreibt, was man ja von ihm kennt, sprachschöpferisch über eine „oberweitige Wagnertochter“, neue Tätigkeitswörter wie „heisern“ und „ein Bein abschämen“ in die Literatur einführend. Preiswürdig ist auch seine „Liebesgeschichte von Oper und Opa“, von der an dieser Stelle nicht mehr verraten werden soll. Auch der verwechselte Großvater ist eine der urkomischen Personen, die Oelemanns Phantasie entsprungen sind. oelemann_erwachsene

Im Kern handelt es sich um eine Entwicklungs- und Liebesgeschichte des Schülers Frieder Heinzinger und von dessen Freund Piet Hamann, die sich in allerlei wirkliche und erfundene sexuelle Abenteuer mit Mitschülerinnen und – nicht immer glaubwürdig – den Müttern Gleichaltriger stürzen. Heinzinger gibt die Geschichten eines anderen bekannten Schriftstellers als seine eigenen aus und versucht auf diese Weise, bei der Angebeteten Eindruck zu schinden.

Der 1958 in Wuppertal geborene Oelemann beherrscht die Kunst, immer wieder neue Geschichten in seine Rahmenhandlung zu packen, die der Leser nie aus den Augen verliert. Wie in all seinen Romanen spielt die Musik eine entscheidende Rolle. Wie in seinem wirklichen Leben: Mit 13 gründete er seine erste Band und nahm später Musikunterricht bei dem niederländischen Jazzpianisten Jasper van’t Hof (geboren 1947), später bei dem deutschen Jazzmusiker Christoph Spendel (geb. 1955). Mit dem Schriftsteller Peter Klohs, der mit dem viel beachteten Musikroman „Für Elise“ bekannt wurde, ist er befreundet.

„Nur für Erwachsene“ ist zweifellos ein Jugendbuch, das auch von älteren Semestern mit Gewinn gelesen werden kann.                            MATTHIAS DOHMEN

 

Christian Oelemann, Nur für Erwachsene. Roman, Bedburg: Verlag 3.0 2015, ISBN 978-3-95667-149-4, 372 S., Euro 16,90, www.buch-ist-mehr.de